6. Juli 2021

Die Impffrage bei den eigenen Kindern: Die Eltern entscheiden


Soll man sein Kind gegen Corona impfen lassen oder nicht? Diese Entscheidung ist komplex, zumal dabei zwangsläufig die Letztentscheidung beim Erziehungsberechtigten liegt.

Plötzlich war es so weit. Der Impftermin für die 12-jährige Tochter war in greifbare Nähe gerückt. Deutlich schneller als gedacht kamen wir zu diesem, denn eigentlich hatte ich sie nur angemeldet, damit sie im Laufe des Sommers geimpft wird. Doch bereits wenige Minuten nach der Anmeldung stand der Termin parat.

Dem voran war eine Diskussion mit unserer Tochter gegangen. Selbst war sie wenig begeistert von der Impfung. Dazu hatte ein Gerücht beigetragen, dass unerforscht sei, ob sich die Impfung nicht doch auf die Fruchtbarkeit auswirke. Es gebe einige Frauen, so die kursierende Erzählung, die nach der Impfung dauerhaft keine Kinder mehr kriegen konnten.

Auch die Bill-Gates-Erzählung, Stichwort Implantierung eines Mikro-Chips bei der Impfung, kannte sie. Zumindest dieser maß sie aber keinen Wahrheitsgehalt zu. Wir versuchten jedenfalls in dieser Diskussion sachlich und rational zu argumentieren. Ich denke es gelang recht gut.

Ein Für und Wider bei Jugendlichen

Unsere Argumente waren sowohl pragmatisch als auch ethisch. Auf der Seite der pragmatischen Argumente führten wir ins Rennen, dass sie sich dann in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit sehr viel weniger selbst testen müsse. Womöglich würde ein PCR-Test im Monat genügen, zumal dann, wenn sie bereits zweimal geimpft sei. Zudem müsse sie dann aller Voraussicht nach den ohnehin wenig geliebten „Ninja-Pass“ nicht stets dabeihaben, etwa beim Volleyball-Training, sondern könne sich das Impf-Zertifikat auf ihr Smartphone laden.

Auf der Seite der Ethik führten wir ins Rennen, dass sie mit der Impfung auch einen solidarischen Beitrag leisten könne. Ja, natürlich sei es so, dass sie mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht schwer an COVID erkranken werde, aber sie könne die Krankheit dann dennoch an Großeltern & Co. weitergeben. Diese wiederum könnten dann erkranken. Eine Impfung verringere die Wahrscheinlichkeit einer solchen Übertragung.

Letzten Endes war sie, mehr oder weniger, überzeugt, wenngleich noch immer nicht euphorisch. Etwaige irrationale Ängste versuchten wir ihr mit dem Argument zu nehmen, dass der mRNA-Impfstoff, entgegen anders lautendender Argumente in ihrem Schulumfeld, sehr wohl erforscht sei. Schließlich sei dieser nicht erst für Corona aus dem Boden gestampft worden, sondern für das Virus gewissermaßen lediglich adaptiert worden.

Umgebung trägt zur Entscheidung bei

Was wir allerdings bei alldem nicht berücksichtigten: In ihrem Alter hat alles auch in gewisser Weise mit Gruppendynamik zu tun. Die schnelle Anmeldezeit belegte ja auch, dass sich im Moment nur sehr wenige Jugendliche und Gleichaltrige impfen lassen bzw. dazu von ihren Eltern angemeldet werden. Erst als eine Trainings-Kollegin und vor allem ihre beste Freundin auch geimpft wurden, zog sie letzten Endes wirklich nach und mit.

Wir diskutierten, wir hörten ihre Argumente und wir nehmen auch zur Kenntnis, dass es so etwas wie Gruppendynamik gibt, die Entscheidungen in diesem Alter maßgeblich beeinflussen. Letzten Endes war uns aber klar: Die Letztentscheidung treffen wir. Und WIR müssen abwägen, ob eine Impfung in diesem Alter tatsächlich sinnhaft ist. In Hinblick auf eine derzeit fragmentierte und sich immer mehr fragmentierende Gesellschaft hielten wir sie für sinnvoll.

Denn es gilt einen Beitrag zu leisten: Nicht nur von uns Erwachsenen, sondern schlicht von möglichst vielen Menschen. Die Impfung soll auch anzeigen, dass man sich solidarisch gibt, ein Teil der Lösung sein möchte und nicht des Problems. Aus heutiger Sicht schützt eine Impfung gegen mögliche Corona-Varianten gut. So lange diese Erkenntnis so bleibt und sich bewahrheitet, ist die Impfverweigerung auch eine Verweigerung der Solidarität mit der Gesamtgesellschaft.


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