16. März 2020

„Coronaferien“: Eine soziale Pause?

Coronaferien: Soziale Pause?

Für viele von uns bedeutet Corona eine „soziale Pause“, für manche hat es auch einen absolut gegenteiligen Effekt.

Dazu gehören natürlich viele Berufsgruppen, die für unser Leben von zentraler Bedeutung sind. Nämlich für jene, die täglich aufstehen und für uns sorgen! Und genau zu dieser Personengruppe zählen auch junge Mütter oder Väter, die jetzt rund um die Uhr für ihre Kinder da sind.

Ein geplanter Tag und viel Geduld helfen meistens

Es geht vielleicht mehreren von euch so, dass ihr rund um die Uhr einige Kinder zu Hause habt, plus alles hat zu, Freundinnen sollen eher nicht besucht und zu Großeltern sollte Abstand gehalten werden. Solche Tage können sehr, sehr lang werden und es fühlt sich alles (zumindest zeitweise) eng, eingeschränkt, bedrohlich und belastend an.

Geduld

Allen, die jetzt dieser Aufgabe gegenüberstehen, kleinere oder größere Kinder rund um die Uhr zu „bespaßen“, seid geduldig und liebevoll vor allem mit euch selbst! Aus Erfahrung weiß ich, es ist oft anstrengend und nicht einfach. Das liegt an der Situation und nicht daran, dass ihr keine gute Mama oder kein guter Papa seid.

Genießt die Momente – mehr ist es oft nicht – in denen die Kinder friedlich spielen, in denen man die Liebe zu seinen Kindern in jeder Zelle seines Körpers spürt, oder Momente, in denen man die Kleinen einfach beobachten kann, wie sie friedlich miteinander spielen.

Das sind nur Augenblicke im Lauf eines Tages, aber es liegt nicht an euch, dass es nur Sekunden oder Minuten sind, sondern daran, dass das Leben mit kleinen Kindern so ist. Manchmal hält es auch länger an, das sind dann die Sternstunden.

Entwickelt euren gemeinsamen Alltag

Erstellt am besten einen gemeinsamen Tagesablauf mit Routine und Struktur. Kinder sollen in die Organisation mit eingebunden sein. Sie sollen ruhig mit entscheiden.

Den Tagesablauf könnt ihr dann auf einer Tafel oder am Kühlschrank gemeinsam mit den Kindern visualisieren. Man könnte mit einem Aufstehritual in den Tag starten,  wie beispielsweise mit einem gemeinsamen Gebet.

In den Vormittag gehören hinein: Lernen und Aufgaben machen. Viele Pausen und gute Snacks. Nachmittagsaktivtitäten: Ein bisschen rausgehen, im Garten oder Bewegungsraum austoben und spielen. Auf Medienzeiten und Medienkonsum sollt ihr besonders achten: Zeiten und Serien auswählen.

Ein Gefühl von Verbundenheit schaffen

Da man aktuell keine Messen besuchen kann, wurde die schöne Möglichkeit geschaffen, Montag bis Samstag immer um 8:00 Uhr morgens an dem Gottesdienst mit Kardinal Schönborn aus der Andreaskapelle virtuell live mit dabei zu sein.

Zu Beginn der Messe des Kardinals wird immer eine Kerze angezündet und ins Fenster gestellt. Das ist ein Zeichen dafür, dass es sich um einen „Netzwerk-Gottesdienst“ handelt.

Unter diesem Stichwort bietet das Liturgiereferat der Erzdiözese Wien unter dem Motto „Wir feiern zu Hause Gottesdienst und knüpfen ein Netzwerk der Verbundenheit von Haus zu Haus“.

Eine brennende Kerze im Fenster signalisiert den anderen Menschen, dass in diesem Haus gerade ein Gottesdienst gefeiert wird. Auf diese Weise soll eine Verbundenheit unter den Gläubigen entstehen, die Trost und Hoffnung spendet und Licht in die Welt bringt, auch den Menschen, die nicht Teil der Kirche sind.

Pausenmomente

Gönnt euch Pausen, vielleicht haben manche von euch das Gefühl, das Wort Pause ist ein Fremdwort, aber ich spreche nicht von den großen Pausen. Hier spreche ich ebenfalls von Momenten. Der Moment, wenn du das Fenster aufmachst, die Sonne siehst und tief Luft holst.

Der Moment, in dem du dir einen Kaffee machst, die Tasse in der Hand hast und die Wärme spürst. Der Moment, wenn ihr draußen gemeinsam eine Blume entdeckt, die gerade aufgeblüht ist. Diese Momente und viele mehr bewusst und dankbar zu erleben können zu solchen Pausenmomenten werden.

Diese Momente erleben wir jeden Tag, nur ziehen sie meistens ungehört und ungesehen an uns vorbei. Gelingt es uns jedoch, sie bewusst wahrzunehmen, kann das unser Leben ungemein bereichern.

Zwei kurze Geschichten

Zum Abschluss noch eine kleine Geschichte. Ein Mann ging mit seinem kleinen Sohn spazieren. Der Vierjährige hatte keine Lust mehr zu gehen und jammerte lautstark und beständig vor sich hin.

Eine Mutter mit einem Baby im Kinderwagen ging den gleichen Weg und hatte Vater und Sohn schon geraume Zeit beobachtet. Sie hörte den Vater konstant ruhige, liebevolle und ermutigende Worte sprechen, wie „Wir schaffen das, alles wird gut, es ist nicht mehr weit“ usw.

Die junge Mutter wandte sich an den Vater und sagte: „Sie sind wirklich sehr geduldig mit ihrem Sohn.“ Der junge Mann blickte fast irritiert auf uns gab zur Antwort: „Wissen Sie, ich spreche im Moment mehr mit mir selbst als mit meinem Sohn.“

Und noch eine kurze Anekdote:

Als meine Tochter klein war und eine Aufgabe erledigen sollte, saß sie einmal in ihrem Zimmer und ich hörte, wie sie zu sich selbst sagte: „Hokuspokus, Geduld, Geduld!“

In diesem Sinn, wünsche ich euch vor allem viel Geduld und einen liebevollen Umgang mit euch selbst. Ihr werdet euch wundern, die Geduld mit den anderen kommt dann von selbst.



EIN ARTIKEL VON
  • Karin Roth

    Mein Name ist Karin Roth, ich bin Mutter von vier erwachsenen Kindern und habe fast fünf Enkelkinder und einen Hund. Wir leben in einem Haus mit drei Generationen, ein turbulentes und spannendes Leben – mein geringstes Problem ist Langeweile. Beruflich leite ich die Ombudsstelle der Erzdiözese Salzburg für sexuellen Missbrauch und Gewalt, habe eine Praxis für Lebens- und Sozialberatung und halte Seminare und Trainings.


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