4. Februar 2021

Corona: Durchschnaufen in den kurzen Ferien 

ferienzeit durchschnaufen - meinefamilie.at

Bald beginnen in Tirol die Semesterferien. Danach sollen, so der aktuelle Plan, die Schulen in eine Art von „Schichtbetrieb“ wechseln. Ein Grund zur Freude?

Irgendwie ja. Irgendwie nein. Diesen „Schichtbetrieb“, definiert als eine Teilung der Klasse und damit einhergehend auch unterschiedlichen Schultagen, kennen wir ja schließlich schon. Er hat damals im letzten Jahr nach dem Schullockdown zwar Erleichterung gebracht, letztlich die Belastung für Eltern und Schüler aber nicht verringert. Nach wenigen Tagen Schule galt es abermals in den Homeschooling-Modus zu wechseln.

Das hatte zwar den entscheidenden Vorteil, dass die sozialen Kontakte zwischen den Kindern wieder intensiviert wurden. Die Zeiten der absoluten Isolation der Kinder ohne Freundinnen und Schulkollegen und -kolleginnen war zu Ende. Doch die in den Online-Schulwochen zuvor erworbene Routine war plötzlich wieder auf eine Probe gestellt. 

Da „switchen“ zwischen mehreren Schul-Modi fiel sowohl uns Eltern als auch unseren Mädels (8 und 12 Jahre alt) nicht immer leicht. Auch die Enttäuschung über diese „Hybrid-Lösung“ stand ihnen trotz allem oft in die Gesichter geschrieben. Nach Wochen des Sehnens und Wartens war es letztlich für sie nur eine halbherzige Lösung.

Stehen wir nunmehr wieder vor einer solchen „Lösung“, die natürlich aus virologischer und infektiologischer Sicht Sinn macht? Müssen wir uns wieder auf die Gesichter unserer Kinder einstellen, in denen sich dezentes Glück mit ebenso dezenter Enttäuschung mischt? Müssen wir einfach akzeptieren, dass es noch lange nicht mehr „wie früher“ wird? 

Auszeit Ferienzeit

Noch etwas bemerken wir bei uns, neben diesem ambivalenten Mix der unterschiedlichen Emotionen. Dass die Tage in Lockdown- und Corona-Zeiten gleichförmiger geworden sind, ist dabei natürlich verständlich. Das geht wohl jeden so. Aber letztlich bemerken wir auch, dass wir uns von Ferienzeit zu Ferienzeit gewissermaßen entlanghanteln. 

Wir können das alles nicht mehr „ewig“ durchhalten.

Solche Ferien, egal wie lange sie sind und ob sie Sommer- oder Semester-Ferien heißen, sind wie ein unbeschriebenes Blatt, das alles wieder kurzfristig auf „Null“ stellt. Es sind nicht Zeiten, in denen wir hoffen, dass alles wieder gut und „normal“ wird. Aber es sind Zeiten, in denen wir den von uns etablierten Strukturen des Homeschoolings oder des Schul-Schichtbetriebes entkommen können. 

ferienzeit durchschnaufen

Wir können zwar nicht ganz normal beliebig viele Freunde und Verwandte treffen, wir können uns aber als Familie darauf zurückziehen, was uns guttut. Etwa gemeinsames Spazierengehen, gemeinsame Filmabende oder Wintersport (Rodeln oder Eislaufen). Dieser temporäre Fast-Normal-Zustand tut uns gut. Er lässt uns durchatmen und Kraft schöpfen

Die Zeit „Danach“

Diese Kraft brauchen wir. Denn diese relative Selbstbestimmung unserer Abläufe folgt mit Gewissheit wieder eine Zeitphase, die von starker Fremdbestimmung durchzogen ist. Dann wird wieder klar sein, was wir zu tun haben, sich unsere Kinder in der Schule zu verhalten haben und welcher Work-Load von uns als Eltern begleitet werden sollte. Es wird Abgabetermine und Deadlines geben, die wir, im Gegensatz zum vollständigen Präsenzunterricht, verstärkt „überwachen“ müssen. 

Das mag nur unsere Haltung dazu sein. Vielleicht haben wir auch nur das Gefühl, zuhause alles kontrollieren zu müssen und als „Letztinstanz“ zu walten. Dadurch, dass die an sich „ausgelagerte“ Schule jetzt in unsere Privaträume gekommen ist, können wir das aber schwer vermeiden. Der Spagat zwischen laufendem Geschirrspüler und Videokonferenz der Großen ganz in der Nähe ist auch nicht immer leicht zu bewältigen. Diese Situation ist ein Sinnbild für die derzeitige Gesamtsituation

Dieser Spagat gelingt zwar meist. Vorbei sind die Tage, an denen es uns wegen solcher Situation, die natürlich weiter gehen als das Geschirrspüler-Zoom-Problem, fast zerrissen hätte und brenzlige Momente an der Tagesordnung standen. Es ist ruhiger und routinierter geworden. 

Dennoch können wir das alles nicht mehr „ewig“ durchhalten. Eine Perspektive auf wirkliche Änderung und Absichten auf eine Art Normalisierung wären wichtig. Das würde womöglich mehr bringen als all die Ferien-Auszeiten der Welt.

Angebot

Familienberatung finden




EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

MeineFamilie.at