17. September 2020

Corona: Dauer-Alarm rund um den Schulstart

Corona: Dauer-Alarm rund um den Schulstart

Der Grat zwischen umfassender Information und Dauer-Alarmismus ist schmal. Im Moment scheint alles in die zweite Richtung zu kippen.

Niemand will schuld sein, wenn eine Information nicht bis zu den Eltern durchdringt. Es könnte ja durchaus sein, dass es das eigene Kind war, das vor wenigen Tagen irgendwo in einem weit entlegenen Tal von einem positiv getesteten Bademeister beim Anziehen eines Schwimmreifens unterstützt wurde. In diesem Fall dürfte das Kind dann mehrere Tage nicht in die Schule gehen und der Gesundheitszustand müsste ganz akribisch beobachtet werden.

Man kann davon ausgehen, dass das erst der Anfang ist. In Zukunft wird, vorsichtshalber – denn man will ja an nichts Schuld sein – jede auch noch so kleinste Wahrscheinlichkeit einer potentiellen Infektion per Schul-App ausgeschickt werden. Tagtäglich wird man sich durch die dortigen Mails wühlen müssen und langsam wird man den Eindruck gewinnen, dass die Bedrohung so akut ist, dass man das Haus am besten gar nicht mehr verlässt.

Ampelfarben und Schutzmaßnahmen

Diese Informationsflut gesellt sich noch zu der medialen Informationsflut hinzu. Ampeln stehen auf grün, gelb oder orange, Schutzmaßnahmen gelten lokal oder österreichweit, die MNS-Maske feiert einstweilen ein glorreiches Comeback und wird auch für die Kinder in der Schule zu einem Dauerbegleiter außerhalb des Klassenzimmers.

Hat man damals erleichtert aufgeatmet, so stehen einem und natürlich den Kindern wieder Monate mit Maske bevor. Und auch wenn die Kinder am ersten Schultag, man beobachtet sie ja von der Ferne während man sich auf den Weg zur Arbeit macht, ob der Masken nicht wirklich irritiert scheinen fragt man sich unweigerlich, welche „Spätfolgen“ diese Zeit haben wird.

Es ist eine vorübergehende Maßnahme, die wir dann auch wieder loswerden? Oder ist es doch ein Kulturwandel, dem wir hier beiwohnen und gegen den wir Einspruch erheben sollte? Ist die Maske dann auch künftig, „nach“ Corona, unser Begleiter bei sonstigen Krankheiten?

Und was passiert eigentlich mit der Psyche von Kindern, wenn sie zunehmend bei Menschen auf Distanz bleiben müssen? Geht damit auch eine innere Distanz einher? Entfremden sie sich von Menschen und nehmen sie Mitmenschen als potenzielle Gefahr wahr?

Weitermachen wie bisher

Was können wir Eltern tun, um in diesem Wust an Informationsüberflutung von Seiten der Schule und der Medien und der Sorge um die psychische Gesundheit der Kinder ganz normal zu funktionieren? Es gibt wohl nur die eine Option: Tag für Tag auf die neuesten Entwicklungen reagieren und vor allem filtern. Filtern, was neu ist und was altbekannt.

Wichtig ist wohl auch, alles mit einer gehörigen Dosis Pragmatismus und Unaufgeregtheit aufzunehmen und dabei nicht in den Gleichgültigkeits-Modus zu schalten. Auch zu viel Widerstand gegen Dinge, die man ohnehin nicht ändern kann, ist ermüdend und führt letzten Endes mitten hinein in die große Erschöpfung. Ein Zustand, in der man seinen Kindern kaum mehr Schutz bieten kann und sie wiederum der Gesamtsituation ausgeliefert sind.

Das wiederum führt zu einem der besten Ansätze, die man sich als Elternteil zu Herzen nehmen kann. Man darf sich natürlich Schwächen erlauben und darf diese auch vor seinen Kindern zeigen. Es ist legitim zu zeigen, dass man mit der Situation manchmal auch überfordert ist. Aber es ist die Aufgabe von Eltern, inmitten dieser Bewältigungsstrategien zu etablieren, Gelassenheit als Grundstimmung in den eigenen vier Wänden und außerhalb zentral werden zu lassen.

Ob man dadurch dann gut durch Herbst und Winter kommt? Das ist unklar. Aber die grundlegenden Settings sind richtig. Die Haltung stimmt dann gewissermaßen. Die Zeit wird dann immer noch schwer. Und es kann nicht ausgeschlossen werden, dass man bei etwaigen neuerlichen Homeschooling-Phasen abermals an die Grenzen der Belastbarkeit gerät. Auch gut denkbar, dass es etwas mit den Kindern „macht“, dass sie sich dadurch verändern und die Nähe künftig auch danach schwierig wird. Aber man sollte positiv denken und bleiben. Und hoffen, dass wir danach wirklich zu einer Art Normalität zurückkehren können.

 



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at ✰