27. Juni 2018

So fördern wir das Lesen bei unseren Kindern

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Es gibt bestimmte Kindheitserinnerungen, die bei allen, die sie erlebt haben, ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit hervorrufen: die Erinnerung an das Vorlesen! Uns wurde als Kinder das Medium „Buch“ nie langweilig! Genauso eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung wollten wir unseren Kindern mitgeben.

Dieser Beitrag ist in der Zeitschrift „Familie als Berufung“ erschienen. Autor ist diesmal Familie Zöhrer (Schönstatt-Familientrainer).

„Bitte noch eine Geschichte“. Es ist abends, ich liege bereits im Bett und bin müde. Meine Oma sitzt am Bettrand mit einem Märchenbuch in der Hand und liest mir vor. Es ist ein seltener Moment. In meiner Kindheit gehörte zum Ritual des Schlafengehens das Abendgebet, aber nicht das tägliche Vorlesen. Irgendwie war einfach zu wenig Zeit dafür. Und trotzdem erinnere ich mich sehr stark an diese Begebenheit. Vielleicht war das der Moment, in dem ich unbewusst und intuitiv beschlossen habe: Meinen Kindern werde ich oft vorlesen!

Eine weitere Kindheitserinnerung findet einige Jahre später im Schulalter statt: Es ist ein heißer Tag in den Sommerferien. Ich sitze auf den Stufen vor der Hauseingangstür im Schatten, habe ein Buch auf den Knien und lasse mich in eine spannende Welt entführen! Aber auch die Stunden im kühlen Zimmer, um der Hitze zu entgehen, beim Hören von Musik und Lesen von Abenteuerbüchern. Einfach herrlich! Sommertage, die wir zu Hause verbringen und die uns durch die Bücher in eine spannende, abenteuerliche Welt entführen. Lesen machte uns immer Spaß!

Uns wurde als Kinder das Medium „Buch“ nie langweilig! Genauso eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, wollten wir unseren Kindern mitgeben.
Eine ganze Wand mit einem Bücherregal aus Holz, in dem vom Bilderbuch, über das Kinderlesebuch, Jugendliteratur, bis zur studentischen Fachliteratur ein breites

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Buchangebot zu finden war. So habe ich das ehemalige Jugendzimmer im Elternhaus meines Mannes kennengelernt. Und auch in unserem Wohnzimmer gibt es diese Vielfalt an Büchern im Regal. Obwohl unsere Kinder schon dem Kinderbuchalter entwachsen sind, gibt es einige ausgewählte Bilderbücher. Wenn nun eine junge Familie mit Kindern zu Besuch kommt, genügt ein schneller Griff ins Regal und ein gutes Buch ist da! Für unsere Kinder ist in den sommerlichen Besuchswochen bei den Großeltern das Jugendzimmer von Papa bis heute ein beliebter Ort. Wir finden sie dann oft in diesem Zimmer mit einem Buch in der Hand.

„Leben entzündet sich am Leben“ So bezeichnet P. Kentenich in einem Satz die Beobachtung, dass wir nur das gut weitergeben können, was uns selbst wichtig ist, was wir selbst praktizieren. Vom Kleinkindalter zu erleben, dass für die Eltern das Medium Buch wichtig ist, ist die erste Voraussetzung, um Kinder damit vertraut zu machen. Damit geben wir unseren Kindern ein gutes Startkapital, das über ein besseres Zurechtkommen in der Schule weit hinausgeht.

Wer liest lernt denken

Natürlich fällt uns als Vorteil des gut „Lesenkönnens“ sofort die Schule ein. Eine gute Lesekompetenz ist eine Voraussetzung, um in allen Schulfächern gut mitzukommen. Eine Bestätigung dafür haben wir kürzlich in unserem Bekanntenkreis gefunden.
Eine Mutter erzählte uns von ihren Sorgen um ihre Tochter, die durch eine längere Abwesenheitsphase in einigen Lernfächern notenbestimmende Tests versäumt hat. Bald darauf erzählte sie freudenstrahlend, dass durch die gute Lesekompetenz und damit verbundene schnelle Auffassungsgabe die Tests mit gutem Erfolg nachgeholt wurden.
Lesen ist für unser Gedächtnis wie ein Muskeltraining für unseren Körper, das wir für eine gute Haltung und somit für einen guten schmerzfreien Bewegungsablauf brauchen. Beim Lesen nehmen wir in Schriftform gebrachte Gedanken wahr, wir lernen abstrahieren.

Lesen öffnet uns die Tür zu neuen Welten

„Wenn ein Kind lesen gelernt hat und gerne liest, entdeckt und erobert es eine zweite Welt, das Reich der Buchstaben“, meint der bekannte Autor Erich Kästner.
In der bekannten Geschichte „Die Chroniken von Narnia“ von C.S. Lewis, gelangen die Kinder durch einen Kleiderschrank in eine neue, unbekannte Welt – das Land Narnia – das ihr Leben bereichert.

„Leben entzündet sich am Leben“ So bezeichnet P. Kentenich in einem Satz die Beobachtung, dass wir nur das gut weitergeben können, was uns selbst wichtig ist, was wir selbst praktizieren. Vom Kleinkindalter zu erleben, dass für die Eltern das Medium Buch wichtig ist, ist die erste Voraussetzung, um Kinder damit vertraut zu machen.

Lesen ist ein Abenteuer im Kopf

Lesen ist wie das Entdecken von unbekannten Ländern. Ohne ins Auto, Schiff und Flugzeug zu steigen, können wir in Gedanken unsere eigene Phantasiewelt erschaffen.
Wenn wir für unsere Kinder in der Zeit Ihres Volksschulalters von der Bücherei ein Buch mitgebracht haben, dann war es oft ein Buch aus der Serie „Das magische Baumhaus“. Zwei Kinder reisen mittels eines magischen Baumhauses in verschiedene Länder, in denen sie ein Abenteuer zu bestehen haben. Zugleich erfährt man auch Wissenswertes über das Land und über die Zeitepoche, denn auch Zeitreisen sind möglich. Sogar bis ins Innere der Erde und bis zum Meeresgrund kann man mittels eines Buches reisen! Man denke dabei an die Klassiker von Jules Verne „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ oder „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“…

Lesen ist Lebenshilfe

So fördern wir das Lesen bei unseren Kindern - meinefamilie.atDas Lesen hilft der Verarbeitung von Gefühlen, es ist wie ein Ventil, durch das sich starke Gefühle entlasten können.
Wenn ein Kind Angst im Dunkeln hat und eine Geschichte liest, in der es der Hauptfigur genauso geht, dann fühlt es sich mit seinen Gefühlen nicht allein. Es hört oder liest, wie die Angst in der Geschichte überwunden wird und erfährt, dass es Möglichkeiten gibt, dieses Problem zu überwinden. Solche Möglichkeiten werden stark in den Märchen aufgezeigt. Da gibt es zum Bespiel das Grimms Märchen „Von Einem der auszog, das Fürchten zu lernen.“
Manche Märchen gelten in jüngster Zeit als pädagogisch umstritten, weil es neben den guten auch bösen Gestalten gibt. Gerade durch ihre Schwarz-, Weißzeichnung können Märchen bei der Verarbeitung von Gefühlen helfen. Das Kind lernt, dass das Böse nicht übermächtig ist und das Gute zuletzt siegt. Wichtig ist dabei, die Kinder mit den Geschichten nicht alleine zu lassen, sondern mit ihnen darüber zu sprechen.

Lesen hilft bei der Werteerziehung

Wir haben bemerkt: wenn wir von fremden Erfahrungen, Erlebnissen und Ideen lesen, machen wir sie oft zu unseren Eigenen.
Vor einigen Jahren ist die Trilogie „The Maze Runner“ von James Dashner erschienen, ein Jugendbuch ab 12 Jahren. Dieses Buch haben wir im Urlaub in einer öffentlichen Bücherei entdeckt. Nicht nur unsere Kinder, auch wir haben dieses Buch mit Begeisterung gelesen. Mit den zwei weiteren Bänden ergab sich dadurch eine gute Gelegenheit für ein sinnvolles Geburtstagsgeschenk an unsere Kinder. Beeindruckt hat uns der jugendliche Helden Thomas. Er lebt Eigenschaften, die nachahmenswert sind: Mut, Entschlossenheit, das Schwimmen gegen den Strom, das nicht Aufgeben in aussichtslosen Situationen.

In der Pädagogik P. Kentenichs spielt die Erziehung zu Idealen eine große Rolle, vor allem die Ermutigung, sein ganz persönliches Ideal zu finden, seine ganz persönliche Berufung und Aufgabe in der Welt zu entdecken. Mithilfe von Identifikationsfiguren aus Büchern kann diese Suche unterstützt werden.

Bücher sind auch eine wertvolle Hilfe bei der religiösen Erziehung. In unserem Bücherregal im Wohnzimmer steht noch immer das Bilderbuch „Eine Geschichte vom Nikolaus“ von Mira Lobe. Es ist eine lustige und spannende Geschichte. Die Kinder begleiten den Nikolaus, der die Kinder liebt und den man einfach gernhaben muss, um die ganze Welt.
Durch kindgerechte Illustrationen und in einfacher Sprache verfasste Kinderbibeln erfahren Kinder religiöses Grundwissen und werden mit dem Medium Bibel vertraut.

Lesekompetenz bringt viele Vorteile

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Leseförderung beginnt bereits lange vor dem Schuleintritt. Das darf Spaß machen und Interesse wecken. Eine Beobachtung: Wir sind bei einer jungen Familie zu Besuch. Der kleine Felix sitzt auf seiner Krabbeldecke mit einem Stoffbuch in den Händen, auf dem einzelne Alltagsgegenstände abgebildet sind. Er erforscht es mit Händen und mit dem Mund.
Bereits am Ende des sechsten Monats fängt die Leseförderung mit Hilfe von einfachen Papp- und Stoffbilderbüchern an. Auf diese Weise nehmen die Babys Bilder wahr. Aus Bildern werden dann Worte und aus Worte Geschichten.
Schon im frühen Kindergartenalter können die Kinder mit eigenen Worten Bilder beschreiben zB. in den „Wimmelbüchern“ in der Bücherei.
Wir sind als Familie immer gerne in die Bücherei gegangen. Voll Freude suchten sie sich aus dem Bilderbüchersortiment und später aus den Erstlesebüchern ihre Favoriten aus.

Wichtig für die Leseförderung ist in dieser Zeit das Vorlesen. Es ist auch mit dem Gefühl von Geborgenheit verbunden und das Kind weiß: Jemand hat Zeit für mich! Es ist gut, das Vorlesen auch dann noch zu praktizieren, wenn das Kind bereits lesen kann.
Im Schulalter ist das Interesse der Eltern am Lesefortschritt und an den gelesenen Büchern förderlich. Das Sprechen mit dem Kind über die gelesenen Bücher unterstützt das Kind, ebenso, dass das Kind die Eltern selbst beim Lesen erlebt.
Wir erinnern uns noch an das Miteinanderlesen von Büchern. Eine Seite war im Großdruck für die Kinder zum selber Lesen, die andere Seite war im Kleindruck für die Eltern zum Vorlesen.
In der Bücherei, die wir regelmäßig besuchten, gab es viele Fußballbücher. Das kam den Interessen unserer Söhne entgegen. In der Schulzeit ist es besonders wichtig, die Bücher nach den Interessen der jeweiligen Kinder zu wählen.

Gute Geschichten für unser Kind

Eine gute Geschichte trifft die Lebenswelt des Kindes und es kann damit eine Verbindung zwischen der eigenen und der fremden Erfahrung herstellen. Ebenso soll ein Buch fremde und unbekannte -Elemente enthalten. So erzeugt es Spannung! Dazu gehören Abenteuer, Detektiv – und Fantasiegeschichten sowie Krimis. „Die drei Fragezeichen – Kids“ und die „Drei Fragezeichen“ waren bei uns beliebte Bücher.
Zu den erzählten Geschichten sind kindgerechte Sachbücher eine gute Ergänzung.

Neue Medien

Wir fahren mit den Kindern im Zug vom Urlaub nach Hause. Jeder von uns hat sein elektronisches Buchangebot als E-book reader oder Handy vor sich. Es ist bequem in unserem Gepäck nicht noch Bücher verstauen zu müssen.
Wie schaut dies mit dem elektronischem Angebot für die Leseanfänger aus?
Es ist sinnvoll die Kinder zuerst mit dem Medium Buch gut vertraut und erst dann durch die elektronischen Angebote zu ergänzen.
Ein elektronisches Lesegerät zeigt immer nur einen Teil der Seite an. Das ist besonders für Bilderbücher unattraktiv.

Buch vor Film

Bei älteren Jugendbüchern kann es vorkommen, dass diese bereits verfilmt wurden, noch bevor das Kind das entsprechende Alter dafür erreicht hat. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es von Vorteil ist, wenn die Kinder zuerst das Buch lesen und danach den Film ansehen, meist gemeinsam mit uns. Die Handlung in den Filmen wirkt oft sprunghaft, weil Details weggelassen und das Augenmerk auf Spannung gelegt wird. Kampfszenen oder ängstliche Situationen werden dadurch oft sehr drastisch dargestellt.
Das Buch hat auch hier den Vorteil gegenüber den bewegten Bildern. Das Kind wird langsam an das Geschehen herangeführt, kann beim Lesen eines Buches das Tempo selbst bestimmen und sich die Handlung mit seiner kindgerechten Phantasie vorstellen.

Perpetuum Mobile

Kinder lieben Wiederholungen. Sie sind ein wichtiges Moment in der kindlichen Entwicklung. Die Abläufe und die Erkenntnisse werden dadurch verinnerlicht.
Wer kennt nicht die Situation, dass das Kind immer wieder die gleiche Geschichte hören will oder das gleiche Buch anschauen möchte?

Das Wiederholen vertrauter Geschichten lässt auch Erwachsene ihre Kindheit wieder neu erleben und führt, aufgrund der Lebenserfahrung, zu neuen Sichtweisen, die das Gespräch mit den Kindern fruchtbar werden lassen.

Rückblickend können wir sagen: „Es zahlt sich aus, in gute Bücher und Filme zu investieren!“. Damit haben wir nicht nur den Grundstein für eine Werteerziehung unserer Kinder gelegt, sondern sie mit einem wertvollen „Familienschatz“ ausgestattet. Wir hoffen, dass sie diesen auch an ihre Kinder weitergeben werden!

 

Dieser Artikel ist in der Zeitschrift Familie als Berufung (FAB) erschienen, der Zeitschrift für Paare, die zusammenbleiben wollen. Du möchtest mehr solcher Beiträge lesen? Abonniere die Zeitschrift „Familie als Berufung“. Bestelle ein kostenlose Probenummer oder ein Abo. Die FAB erscheint viermal pro Jahr und wird nur durch Spenden finanziert. Richtwert pro Jahr: Ö 13 EUR, EU 18 EUR, Ch 23 SFr – jederzeit kündbar.

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