6. Dezember 2019

Mit Kindern wirklich lesen lernen

mit kindern wirklich lesen lernen

Dass jedes Kind in der Schule lesen lernt ist ein Faktum. Ebenso, dass Eltern dabei in den Anfängen Unterstützung leisten. Doch Lesen ist weit mehr als nur das gekonnte Entziffern von Buchstaben.

Zu Beginn ist die Begeisterung bei Kindern meist groß. Endlich können sie die Bücher lesen, die die große Schwester schon vor Jahren gelesen hat! Auch die Aufschriften und die bis dahin nicht entzifferbaren „Codes“ auf der Straße und im Alltag ergeben plötzlich mehr und mehr Sinn! Langsam erkennen Kinder dann Worte auf Anhieb und müssen nicht erst mehr oder weniger mühsam lesen, was sie an „verschriftlichter“ Sprache umgibt.

Lesen verlernen

Angesichts dieser Tatsache und dieser kindlichen Anfangseuphorie fragt man sich doch, warum es dann später tatsächlich Jugendliche und junge Erwachsene gibt, die nur äußerst ungern lesen. Ja sogar solche, die das sinnerfassende Lesen zwar einst erlernt, aber später offenkundig wieder verlernt haben.

Die Antwort ist meiner Meinung nach simpel: Die Kinder habe in diesem Fall nicht „richtig“ lesen gelernt und die Funktion des Lesens nicht ausreichend verstanden. Sie haben zwar anfänglich das Handwerk gelernt, dessen Wert aber nicht richtig begriffen.

Denn was ist Lesen?

Es ist zu begreifen und zu erkennen, dass es neben der realen Welt noch eine weitere Welt gibt. Diese „weitere Welt“ ist, anders beispielsweise als die Natur, zu 100 Prozent menschengemacht. Sie ist eine kulturelle Konstruktion. Diese Konstruktion ist aber nicht abgekoppelt von der „realen Welt“, sondern steht in einem regen Austausch.

Sprich: Sprache, Zeichen und Codes prägen unseren Zugang zu dieser Welt und die „reale Welt“ beeinflusst uns zugleich, wie wir mit Sprache umgehen.

Das ist es, was wir Kindern erklären sollten – natürlich kindgerecht. In etwa so: Mit Sprache erschließt du dir nicht nur die Welt, etwa in dem du plötzlich Bücher lesen kannst oder Zeichen rund um dich herum erkennst, sondern Sprache ist auch eine eigene Welt für sich, die dir einen besseren und interessanter Zugang zu der Welt um dich herum erschließen kann.

Die passenden Bücher finden

Besonders die Begeisterung für Bücher versiegt oft schneller, als Eltern es lieb ist. Der Grund ist wiederum erklärbar: Viele Kinder haben nicht das Gefühl, dass Bücher viel mit ihrer Welt und ihrem Alltag zu tun haben. Das liegt zum Teil sicher an der „falschen“ Bücherauswahl an Schulen.

Bücher müssen in erster Linie mit der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen korrespondieren, sollten diese aber auch dezent herausfordern und ihren Horizont damit erweitern.

Bleibt das Buch jedoch eine steife Pflichtübung, die man vornehmlich deshalb erfüllen muss um dem Lehrer zu gefallen, dann wird das Buch schnell als etwas Isoliertes wahrgenommen, dass mit dem eigenen Leben nichts zu tun hat.

Vorbild sein

Das alles ist jedoch graue Theorie und letztlich wenig fruchtbar, wenn man seinen Umgang mit Sprache und mit Büchern nicht vorlebt. Der tägliche Umgang mit Büchern, Zeitungen, Magazinen oder ähnlichem belegt, dass die „reale Welt“ einfach nicht ausreicht und man sich der „weiteren Welt“ bedienen muss, um diese überhaupt und manchmal auch neu und anders zu verstehen und interpretieren zu können.

Bücher sollten von Kindern dadurch nicht als lästig Pflichtübung verstanden werden, sondern als notwendiges „Futter“ für den Alltag, das dabei hilft, mit diesem besser und klüger umzugehen.

 

 



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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