5. August 2019

Die Tochter mit dem Extra-Chromosom lehrt Papa, die Welt neu zu sehen


Die Geburt seiner Tochter mit Down-Syndrom hat Fabian Sixtus Körners Leben verändert. Kein Grund für den Abenteurer, seine Reisen um die Welt zu beenden. Jetzt ist Tochter Yanti dabei und lehrt Papa, die Orte und Menschen neu zu sehen. Empfehlung für das berührende Buch „Mit anderen Augen“.

„Wanderwoman“ und „Journeyman“ reisen gerne, arbeiten wo es ihnen gerade gefällt, lieben insgesamt ihre Freiheit über alles. Als „Wanderwoman“ Nico von „Journeyman“ Fabian schwanger wird, ist die Freude zwar groß, die Sorge aber von Anfang an da, dass sich jetzt ihr Leben grundlegend verändern könnte. Surfen an den Stränden der Welt, einfach mal so abhauen, das große Abenteuer erleben – all das würde wohl bald passé sein.

Immer auf der Suche nach Abenteuern

In der Zeit der Schwangerschaft sucht Fabian, da plötzlich ortsgebundener, kleine Mikro-Abenteuer in seiner Heimatstadt Berlin. Er kommt sich dabei blöd vor, empfindet die künstlich erzeugten Abenteuer, im Vergleich zu den bis dahin tatsächlich auf der ganzen Welt erlebten Abenteuern, künstlich und schal. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, dass ihm das größte Abenteuer noch bevorsteht: das Leben mit seiner Tochter.

Unsicherheit nach der Geburt

Anfangs nach der Geburt ist die Unsicherheit groß. Als Nico und er nach Hause kommen, wissen sie nicht recht etwas mit ihrer beeinträchtigten Tochter anzufangen. Zudem ist die Angst vor den Blicken der Mitmenschen groß. Wird es Mitleid sein oder doch Bewunderung, dass sie quasi das Beste aus der misslichen Situation machen?

Das Reisen ist anders – aber mit Kind nicht vorbei

Langsam findet die junge Familie aber zu so etwas wie Normalität und zurück zu ihrer Abenteuerlust. Die Abenteuer – die Familie beginnt wieder zu reisen – werden nicht weniger, aber komplexer. So muss neuerdings auch bedacht werden, wo das nächste Krankenhaus liegt, für den Fall der Fälle. Das Buch endet jedoch versöhnlich, mit einem mehr als positiven Unterton.

Mit anderen Augen© Fabian Sixtus Körner

Die Fröhlichkeit der Tochter überträgt sich auf die Eltern

Die kritischen Blicke der Umgebung haben sich gelegt. Wenn die Tochter, Yanti, Sitznachbarn in der U-Bahn anlächelt, dann lächeln diese zurück. Die Lebensfreude der Kleinen wirkt ansteckend. Der Blick der Eltern auf die Welt hat sich außerdem verändert. Vielleicht haben Nico und Fabian ein wenig an Leichtigkeit verloren, sie haben aber auch durch den unverstellten und bedingungslos fröhlichen Blick ihrer Tochter Yanti auch viel von diesen Eigenschaften angenommen.

Tochter mit Down Syndrom: Bereicherung für die Familie

Auch formal überzeugt das Buch bei alldem. Die Sprache ist glasklar, die Fotografien im Buch punktgenau platziert. Wenn Körner über seine Leidenschaft, das Surfen schreibt, ist unvermittelt ein Bild seiner Tochter platziert. Man kann sich also fragen: Ist seine Tochter eine Zäsur in seinem Leben, die wirklich alles verändert hat und noch verändern wird? Oder ist sie vielmehr eine bereichernde Erweiterung, die bisher in all der Sorglosigkeit und Unbekümmertheit sogar noch gefehlt hat?

Ist die Tochter vielmehr eine bereichernde Erweiterung, die bisher in all der Sorglosigkeit und Unbekümmertheit gefehlt hat?

Yanti mit Papa © Fabian Sixtus Körner

Das Buch tendiert zu Zweiterem: Die Reisetaschen stehen für die junge Familie stets bereit. Sie sind nicht bereit, den Alltagstrott einkehren zu lassen – auch weil die Reisen ihrer Kleinen und der Familie im Gesamten gut tun.

Mit anderen Augen - Ullstein BuchverlageMit anderen Augen. Wie ich durch meine Tochter lernte, die Welt neu zu sehen.
Fabian Sixtus Körner
Ullstein Extra, 2018
230 Seiten, Klappenbroschur
15,50 EUR
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EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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