22. Oktober 2019

Mein Buchtipp: Wölfchen

Wölfchen

Eines meiner Lieblingsbücher, welches ich gerne zu Schulbeginn in meinem Religionsunterricht den Schüler und Schülerinnen der Volksschule vorlese, ist das Buch „Wölfchen“, von Gerda Wagener und Jósef Wilkon.

Denn die Geschichte beinhaltet viele wertvolle Themen, wie das Erleben von Erwartungshaltungen und die Erfahrung des Außenseiter-Seins. Den Mut zu haben zu sich selbst zu stehen und sich so zu akzeptieren wie man ist, sowie die Diversität von anderen anzunehmen und auszuhalten.

Die bunte Vielfalt

Wölfchen

Voraussetzung für gute Klassengemeinschaft

Gerade in einer ersten Klasse, wenn sich eine (Klassen-) Gemeinschaft neu zusammenfindet und jedes Kind schaut, welchen Platz und welche Rolle es in der Gruppe einnimmt, empfinde ich es als sehr wichtig den Kindern zu vermitteln, dass sich niemand verstellen muss, um angenommen zu werden. Gleichzeitig sollen sie selbst aber auch die bunte Vielfalt der anderen anerkennen.

Ich denke wenn jedes Kind weiß, dass es mit seiner Individualität seinen Platz in der Klasse hat und keine Angst vor Hänseleien haben muss, dann können sich eine gute Klassengemeinschaft und ein angenehmes Klassenklima bilden. Was wiederum dazu führen, dass Kinder gerne in die Schule gehen.

Sicherlich braucht es dazu natürlich mehr, als nur das einmalige Vorlesen eines Buches, um die Entwicklung von Grundhaltungen von Akzeptanz und Wertschätzung zu fördern, dennoch darf die unterstützende Bedeutung, welche Geschichten für Kinder haben nicht unterschätzt werden.

Zum Inhalt

Wölfchen

Schon als kleiner Welpe ist Wölfchen – sehr zum Leidwesen seiner Eltern –  vollkommen anders als seine Geschwister. Er spielt lieber „Häschen in der Grube“ mit seinen besten Freunden den Kaninchen, anstatt sie zu jagen. Er schwimmt mit den Forellen lieber um die Wette, anstatt sie zu fischen.

Und zum Entsetzen aller, ist sein Lieblingsfressen Sauerrampfer.

Wölfchen wird deshalb von allen anderen ausgelacht. Als er merkt, wie unglücklich seine Eltern über ihn sind, weil er nicht „richtig“ ist, läuft er von Zuhause fort. Im Wald trifft er auf Maus Mäuserich, der ihm mit Unterstützung anderer tierischer Freunde helfen möchte, ein gefährlicher, angsteinflößender Wolf zu werden.

Wölfchen, ist eben Wölfchen, ganz unverwechselbar!

So bekommt Wölfchen ein Fell vom Tiger umgehängt, Stacheln vom Igel auf den Kopf gesetzt und Zähne vom Löwen in den Mund platziert.

Wölfchen ist sich sicher, so furchteinflößend müssen ihn die anderen nun akzeptieren. Doch anders als erwartet, können sich seine Brüder und Schwester vor lauter lachen kaum halten und die Eltern schlagen bloß die Pfoten über den Kopf zusammen.

Enttäuscht weil er noch immer kein gefährlicher Wolf ist, legt Wölfchen seine Verkleidung ab und beginnt einfach wieder Wölfchen zu sein.
Nach einiger Zeit gewöhnen sich seine Geschwister und Eltern daran und die Wolfmutter meint zum Abschluss, als alle gemeinsam den Mond anheulen „Wölfchen, ist eben Wölfchen, ganz unverwechselbar!“.

Christliche Dimension

Im Religionsunterricht spanne ich nach der Bearbeitung des Bilderbuches noch einen Bogen zur christlichen Dimension, um den Schüler- und Schülerinnen die christliche Sichtweise zu erläutern und ihnen anzubieten.

Denn auch aus christlicher Sicht lässt sich die Annahme von Diversität finden und begründen.

Schöpfungstheologisch gesehen ist jeder einzelne Mensch ein wunderbarer, unverwechselbarer, geliebter, von Gott erschaffener Gedanke – weshalb jeder Menschen gleich viel Wert ist und eine unantastbare Würde besitzt. Um Missverständnisse zu vermeiden möchte ich hier kurz einwerfen, dass natürlich jeder Mensch, egal ob gläubig, oder nicht gläubig, eine unantastbare Würde besitzt.

Die Begründungen, woher diese Würde stammt, unterscheiden sich. Und im Christentum wird diese eben in der Gottesbeziehung begründet. Im Neuen Testament wendet sich Jesus besonders den Ausgestoßenen und Außenseitern zu, und verspricht ihnen die bedingungslose Liebe Gottes. Er möchte das Heil aller Menschen. Zudem zielt der christliche Glaube über das Individuum auf eine Gemeinschaft hin. Der Mensch ist kein Einzelwesen, er lebt mit anderen zusammen und trägt somit zugleich eine gewisse Verantwortung – für sich, für die anderen, für die Welt.

Leib Christi

Paulus versucht dies zu veranschaulichen anhand des Beispiels vom Leib Christi mit den vielen unterschiedlichen Gliedern: Jeder Körperteil hat seine bestimmte Aufgabe und wird gebraucht. Und genauso benötigen wir in unserer Gesellschaft die unterschiedlichen Charaktere und die bunte Vielfalt.

Außerdem: Wäre jeder Mensch gleich, wäre die Welt wohl sehr eintönig und langweilig.

„WÖLFCHEN“ – von Gerda Wagener 

Wölfchen

Mit Bildern von Józef Wilkoń
Ab 3 Jahren / 32 S. / 20 x 28,5 cm / vollfarbig
Hardcover mit Leinenbezug und Farbprägung
ISBN 978-3-85581-566-1
€ 15,40

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EIN ARTIKEL VON
  • Doris Dolezal

    Mit Herz, Hirn und Humor versuchen mein Partner und ich den Alltag mit unseren zwei wundervollen Mädels (8 Jahre und 5 Monate) und unserem Kater zu meistern. Doch nicht nur in der Familie sammle ich die unterschiedlichsten Erfahrungen mit Kindern, auch in meinem Beruf als Religionspädagogin.


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