5. November 2019

Lieblingsbuch: „Irgendwie Anders“

Lieblingsbuch: ,,Irgendwie anders"

Das Kinderbuch „Irgendwie Anders“ von Kathryn Cave und Chris Riddell begleitet uns schon viele Jahre. Vor allem deshalb, weil die Botschaft zwar einfach, aber nicht banal ist – und wichtige Lektionen für das Leben bereithält.

Der Protagonist des Buches ist wirklich „anders“. Er – oder sie oder es – verhält sich nicht wie die Tiere um ihn herum. Er isst gänzlich andere Sachen, spielt andere Spiele und sieht vor allem ganz anders aus. Exakte Zuschreibungen und präzise Verortungen der Identität von „Irgendwie Anders“ sind seinem Umfeld unmöglich.

Wenn man anders ist …

Also begnügt sich dieses Umfeld damit, ihn als „anders“ zu stigmatisieren und ihn damit auf diffuse Weise auszuschließen. Der imaginäre Raum, in dem sich „Irgendwie Anders“ von da an aufhält, ist außerhalb des Raumes derer, die eine klare Identität vorzuweisen haben oder dies zumindest behaupten.

Dass unser Protagonist mit diesem Zustand nicht glücklich ist, liegt auf der Hand. Dennoch wird dieser „Außenraum“ definierend für sein Außenseiter-Leben. Unglücklich, aber in diesem Unglück doch gefestigt und fix-fertig in einen Außenraum ausgeschlossen und zugleich aufgehoben, richtet sich „Irgendwie Anders“ in seinem Zuhause und in seiner Einsamkeit ein.

Als ein merkwürdiges Wesen an seine Türe klopft, das anscheinend wegen seiner Andersheit von den Tieren ebenso ausgeschlossen werden würde, reagiert „Irgendwie Anders“ auf erschreckende Weise gleich wie die Tiere, die seinen Ausschluss vollzogen haben: Er schickt das seltsame Tier, das es sich schon in seinem Einsamkeits-Domizil einrichten wollte, wieder weg.

Schließlich war es nicht genauso ,,irgendwie anders“ wie er selbst.

Erst langsam begreift er: Es ist eine Chance! Die Erfahrung der eigenen Andersheit kann zu einem anderen Identitätsbegriff führen, der nicht auf Gleichheit und Andersheit basiert. Die beiden werden Freunde. Sie spielen nicht immer dasselbe und essen nicht immer dasselbe. Sie verhalten sich nicht immer gleich. Aber sie verstehen und respektieren sich. Ausschlüsse aufgrund der „Andersheit“ des anderen finden nicht statt.

So entwickeln die beiden quasi ein anderes „Gesellschaftsmodell“, das nicht auf Ein- und Ausschlüssen und einer damit einhergehenden eng gefassten Identitätspolitik basiert. Zumindest ist es das, was man auf einer Meta-Ebene aus dem Buch mitnehmen und seinen Kindern weitergeben kann.

Irgendwie anders – von Kathryn Cave und Chris Riddell

ab 4 Jahren, 28 Seiten

Verlag Friedrich Oetinger

ISBN: 978-3-7891-6352-4

Lieblingsbuch: ,,Irgendwie anders"
(c) Oetinger Verlag
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EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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