18. November 2019

Ein ganzes Dorf für die Kindererziehung? 

Ein ganzes Dorf für die Kindererziehung?

Buchrezension. Mit ihrem neuen Buch „Rundum geborgen …weil es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind großzuziehen“ stellt Susanne Mierau die These auf: Familien brauchen Menschen um sich herum, die nachvollziehen können, warum die jungen Eltern sich so verhalten, wie sie es tun – und für sie da sind.  

Salzburg. Hübsch kommt‘s daher. Optisch ansprechend. Handlich, kompakt. „Zum Verschenken“ war der erste Eindruck; zugegeben nicht einer, der beste Voraussetzungen für die weitere Lektüre verspricht. Die Autorin, der Titel „Rundum geborgen“ als Hinweis auf bindungsorientierte Elternschaft und vorangegangene Werke sind mir nicht unbekannt. Deshalb waren meine Erwartungen auch trotz der Kompaktheit nicht allzu groß. Doch dann kam das Aber.

Alles anders?

Susanne Mierau ist eine der Leitfiguren was Bindung zwischen Eltern und Kind angeht. Die dreifache Mama, Pädagogin sowie erfolgreiche Autorin und Bloggerin („geborgen wachsen“) versteht (natürlich!), wovon sie schreibt. Der Spruch des Untertitels „… weil es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind großzuziehen“ ist auch kein Novum. Umso schwieriger war es für mich, mir etwas Konkretes vorzustellen.

Wer konnte denn ahnen, dass es tatsächlich genau um das ganze Dorf geht?

„Wenn ein Kind geboren wird, wandelt sich nicht nur das Leben der Eltern, sondern auch das Leben einer ganzen Familie, eines Freundeskreises“, erklärt Mierau in ihrer Einleitung.

Wie recht sie damit hat, jede(r) würde das unterschreiben. Auf knackigen 144 Seiten schafft es die Berlinerin, einen Rundum-Ratgeber für das ganze Dorf zu  liefern. Das Themenspektrum ist weitreichend; auch wenn freilich aufgrund der Kürze manche Themen nur gestreift oder angeschnitten werden.

Sie beginnt mit Bindungstheorie allgemein, dem Wandel von Erziehungsmethoden, dem darin liegenden Konfliktpotenzial und der heutigen Herausforderung Internet. Danach geht sie chronologisch vor. SchwangerschaftGeburt – Leben mit Kind.

Sie arbeitet die großen Themen von Geburtsvorbereitung und -begleitung, über Stillen, Schlaf, Ernährung, Wochenbett und Windeln ab und scheut dabei nicht Tabuthemen wie Ängste, Babyblues und Babies mit Behinderung.

Konstant hält sie den Blick aufs ganze Dorf gerichtet: Zielgruppe sind nämlich sowohl die Eltern selbst wie nicht minder ihr persönliches Umfeld. Mit Feingefühl aber Überzeugung gibt sie allen zu verstehen, was es für gelungene Bindung und Elternschaft braucht: Unterstützung, dieses Stichwort fällt mantraartig häufig, Liebe, Empathie, Geduld, ein offenes Ohr.

Generationenkonflikte

Gerade was „Generationenkonflikte“ angeht, erinnert Mierau daran, dass doch alle das Wohlergehen des Kindes als Motor Ihres Handelns und Sagens, wenn auch manchmal Besserwissens haben. Und doch zeigt der praxisnahe Ratgeber mögliche Pfade durch die Ratlosigkeit. Apropos Praxis: Grafisch besonders schön aufbereitet sind passend zu den Kapiteln in unterschiedlichen Farben Praxistipps gestreut.

Das erleichtert nicht nur das spätere Nachlesen und Raussuchen beispielsweise von Rezepten (Stillkekse, Wochenbettkraftsuppe), Listen, Optionen und Tipps; z. B. wie wertvoll Vorgekochtes, Unterstützung im Haushalt, aber auch geschenkte Erholungszeit sein können. Diese Elemente lockern das ohnehin schon kurzweilige Lesevergnügen auf. Übrigens gibt‘s als Anhang noch hilfreiche Adressen und Links zur Unterstützung aufgelistet.

Mit jeder weiteren Seite verdichtete sich jedenfalls meine Wehmut, nicht bereits vor meiner Schwangerschaft und Geburt dieses kleine Büchlein als Stütze gehabt zu haben. Ja, und nicht nur für uns als Eltern, sondern auch und gerade für mein „Dorf“. Das hätte vielleicht vieles einfacher machen können oder aber mich in meinem Weg gestärkt und mich auf entgegengerichtete Sichtweisen sensibilisiert und vorab mit Argumenten ausgerüstet.

Das Buch wird mich aber definitiv noch weiter begleiten – im eigenen Dorf oder in benachbarten denn: Mein anfängliches Urteil bleibt.

Das Buch ist definitiv etwas „zum Verschenken“ und zwar im wahrsten und nützlichsten Sinne des Wortes.

Rundum geborgen … weil es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind großzuziehen

von Susanne Mierau

Hardcover, Pappband, 144 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

Durchgehend vierfarbig mit Illustrationen
ISBN: 978-3-466-31108-8
Ein ganzes Dorf für die Kindererziehung? 
(c)Kösel Verlag
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EIN ARTIKEL VON
  • Lisa Maria Schweiger-Gensluckner

    Ich bin Theologin und Journalistin, als Pressereferentin und Redakteurin in der Erzdiözese Salzburg bestimmen Medien meinen Berufsalltag. Das Leben in meiner Familie mit meinem Mann und meiner Tochter (2) sind der willkommener Ausgleich. Kindskopf war ich schon immer – ich singe den Soundtrack von Disneyfilmen nach und zitiere Janosch-Geschichten. Schreiben will ich über das, was mich beschäftigt in meinem kurzweiligen Familienleben.


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