17. Mai 2018

Das gewünschteste Wunschkind: Gelassen durch die Jahre 5 bis 10

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Rezension des Buches „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn. Gelassen durch die Jahre 5 bis 10″ der Autorinnen Katja Seide und Danielle Graf.

Man könnte meinen, ist die Babyzeit samt Autonomie- vulgo „Trotzphase“ vorbei, haben Eltern Verschnaufpause bis die Kinder in die Pubertät kommen. Aber schon mal was von der Wackelzahn- und der Vorpubertät gehört? Die Zeit zwischen fünf und zehn Jahren hat es in sich: Das Autonomiebedürfnis der Kinder wächst, für vieles sind sie schon zu groß, für anderes noch zu klein. Die beiden Autorinnen Danielle Graf und Katja Seide haben nun einen Erziehungsratgeber genau für diese Zeitspanne geschrieben. „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn. Gelassen durch die Jahre 5-10.“ Sehr empfehlenswert für alle, die – so wie wir – einen oder mehrere Wackelzahnrebellen zu Hause haben.

Machtkämpfe beim Essen

Ich kann sogar von unmittelbaren Auswirkungen des Buches auf ein großes Konfliktfeld unseres Familienalltags berichten: Das Essen. Ein Schauplatz, der sich für Machtkämpfe wunderbar eignet, nicht? Die Autorinnen sagen klipp und klar: Die Verantwortung dafür, ob ein Kind (sofern es gesund ist) genügend isst, liegt beim Kind. Wir Eltern haben dafür zu sorgen, dass ausreichend gesunde Nahrung zur Verfügung steht, und dass es genügend Zeit und Gelegenheiten gibt, diese zu essen.

Seitdem ich das gelesen habe, fällt es mir viel leichter, zu akzeptieren, dass meine Tochter an manchen Tagen fast nichts frühstückt. Ich kann leichten Herzens auch mal etwas kochen, von dem ich weiß, dass es eines meiner Kinder nicht so gerne mag. Dann isst mein Sohn mittags eben nur Nudeln, weil er die Sauce nicht mag. Er wird sich dann eben beim Abendessen oder am nächsten Tag das holen, was er braucht. Die beiden Autorinnen klären ausführlich über das Essverhalten von Kindern auf, und liefern Ideen, wie man mit wählerischen Essern umgehen könnte (Neues immer wieder anbieten, kleine Portionen anbieten, Zutaten trennen usw.)

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Win-Win-Kompromisse

Mir gefällt, dass Katja Seide und Danielle Graf anhand vieler konkreter Beispiele aufzeigen, wie das Miteinander von Eltern und Kindern ohne Machtkämpfe funktionieren kann. Sie nennen es „Win-Win-Kompromiss“, wenn man sich mit dem Kind zusammen überlegt, wie man ein Problem lösen könnte. Je nach Alter des Kindes könnte ein solcher Kompromiss so aussehen: Mama möchte vom Spielplatz nach Hause gehen, das Kind will noch bleiben. Mama und Kind einigen sich darauf noch zehn Minuten länger zu bleiben. Natürlich funktioniert das nicht immer reibungslos. Unsere Kinder, und oft auch wir Eltern, müssen dieses Aushandeln über Jahre hin üben.

Je älter die Kinder werden, umso routinierter werden sie im Finden solcher Kompromisse. Wir Eltern sind gefordert, auch mal „out of the box“ zu denken. Also zu hinterfragen, ob es wirklich stimmt, dass etwas nicht geht. Ein kleines Beispiel aus unserem Familienleben: Wenn meine Kinder schon sehr müde sind, wird das Pyjamaanziehen abends zur Tortur. Irgendwann habe ich beschlossen: Dann gehen sie eben hin und wieder im Tages-T-shirt ins Bett. Seide und Graf sagen dazu: „Scheiß drauf. Unsere Familie. Unser Spiel. Unsere Regeln.“

Hinter das Verhalten schauen

Die beiden Autorinnen ermutigen dazu, immer wieder hinter das Verhalten eines Kindes zu schauen. Sie erklären: Wir Menschen haben Bedürfnisse, wählen aber oft Strategien zur Erfüllung, die nicht zielführend sind. Zur Veranschaulichung erzählen Graf und Seide von einem Mädchen, das abends regelmäßig seine Eltern provoziert und schließlich heulend ins Bett geht. Will es ihnen auf der Nase herumtanzen oder seine Grenzen austesten? Nein. Nach längerem Nachdenken haben die Eltern herausgefunden, dass das Mädchen ein Ventil zum Stressabbau braucht. Unglücklicherweise hat es unbewusst eine Strategie gewählt, die extrem nervenaufreibend ist.

Fazit des Buches “Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn”

Graf und Seide liefern zwar auch ganz konkrete Tipps, die den Erziehungsalltag vereinfachen. Sie klären aber vor allem auf, was sich auf der biologischen, sozialen und evolutiven Ebene bei unseren Kindern abspielt und regen anhand zahlreicher Geschichten an, als Eltern auch mal die Perspektive zu wechseln.

Die beiden schreiben zwar nicht belehrend, hin und wieder sind sie mir beim Lesen aber doch als „Übermütter“ erschienen, die in jeder Situation bedürfnisorientiert und dem Kind zugewandt handeln. Bei mir wirkt so etwas demotivierend. Noch ein kleiner Kritikpunkt: Ein Fünfjähriger ist mit einem Zehnjährigen kaum vergleichbar, und an manchen Stellen differenzieren die Autorinnen nicht nach Alter des Kindes.

Nicht alles aus dem Buch kann und will ich in unserer Familie eins zu eins umsetzen. Ich picke mir das heraus, was ich sinnvoll und nachvollziehbar finde. Und genau das sollten Leser und Leserinnen des Buches auch tun, sagen die Autorinnen. Alles in allem habe ich im Buch aber sehr viel gefunden, über das ich mit meinem Mann diskutiert habe und das direkte Auswirkungen auf unser Familienleben hatte. Lesenswert!

das gewünschteste wunschkind allerzeiten - meinefamilie.at

 

 

 

 

 

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EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.


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