9. Oktober 2017

Buchrezension: “Muttertier – Eine Ansage” von Birgit Kelle

Birgit Kelle, Muttertier - meinefamilie.at

In ihrem neuen Buch erhebt die deutsche Publizistin Birgit Kelle ihre Stimme für alle Mütter, die einfach “nur” Mütter sind. Eine Kriegserklärung gegen den Zeitgeist, durch die Müttern klar wird, welchen Herausforderungen sie heute gegenüber stehen.

Birgit Kelle, die Autorin dieses rhetorisch geschliffenen Buches und vierfache Mutter, wird als “die Wutmutter eines neuen Feminismus” bezeichnet. Tatsächlich liest sich ihr Werk wie ein niedergeschriebener Wutausbruch: bissig, offensiv, definitiv nichts für Harmoniebedürftige. In zwölf Kapiteln rechnet sie ab mit verschiedenen Themen, die das Frau- und Muttersein in unserer Zeit betreffen. Sie nennt die Dinge ungeschminkt beim Namen und tut ohne Zensur ihre Meinung kund.

Viele ihrer Ansichten kann ich teilen, ich habe selbst zum Teil ähnliche Erfahrungen gemacht. Vor allem als unsere ersten beiden Kinder noch klein waren, haben mich manche Haltungen oder Aussagen über das Mutter- oder “Nur-Hausfrauensein” maßlos aufgeregt. Allerdings war ich nicht lange “nur” bei den Kindern, sondern habe mir die Elternzeit mit meinem Mann aufgeteilt und meist in unterschiedlichem Maß daneben gearbeitet. Ich war und bin gern bei den Kindern und andererseits auch wieder froh über berufliche Abwechslung.

Auch Frau Kelle ist ja, obwohl sie als die “Anwältin der Hausfrauen” bezeichnet wird, keine klassische Hausfrau. Immerhin ist sie erfolgreiche Bestsellerautorin und Journalistin und tritt sogar im Fernsehen auf! Dieses Buch trägt bestimmt dazu bei, ihren Bekanntheitsgrad zu steigern und hat durchaus Potential, ein weiterer Bestseller zu werden.

Frau Kelle erhebt ihre Stimme klar und deutlich gegen verschiedene Trends unserer Zeit – und ich bin sicher, dass sie gehört wird.

Mehr Anerkennung für Mütter

Was das Muttersein betrifft, sehe ich das alles mittlerweile etwas anders. Als Hausunterrichts-Mutter habe ich mit jeder Menge Gegenwind zu tun. Ich habe aufgehört, mich zu verteidigen oder zu rechtfertigen. Ich lebe mein Leben so, wie ich es möchte, ob des den anderen passt oder nicht. Frau Kelle sagt das von sich auch, doch ich gewinne aus der Lektüre den Eindruck, dass sie die öffentliche Meinung doch kratzt. Sie hätte gern, dass Mütter mehr Anerkennung bekommen, dass Mutterschaft als wertvolle Leistung wertgeschätzt wird. Damit hat sie natürlich Recht. Doch ich denke, mit bissigen Kommentaren wird sich das nicht verändern lassen. Das verhärtet nur die Fronten. Eine glückliche Mutter, meint die Autorin, sei heute ein Affront. Und wenn man (oder eher frau?) in Gegenwart kinderloser Frauen über Probleme mit dem Nachwuchs klagt, bekommt man schnell mal ein unbarmherziges “Selber schuld” zu hören.

Ich finde es auf jeden Fall gut und wichtig, jungen Frauen den Rücken zu stärken, ihnen Mut zu machen, gegen den Strom unserer Gesellschaftsentwicklung zu schwimmen, die das Muttersein immer mehr in Frage stellt.

Es ist auch gut, für unsere Rechte als Mütter zu kämpfen. Doch letztendlich bewirkt ein positives Vorbild wesentlich mehr als jede noch so brennende Rede. Wenn ich als Mutter einen Weg gefunden habe, meine Berufung zu leben, den ich es als erfüllend empfinde, spricht mein Beispiel mehr als tausend auch noch so treffend formulierte Worte.

Mütter müssen selbst entscheiden

Die Lektüre von “Muttertier” ist herausfordernd. Das Buch ist eine Kriegserklärung gegen den Zeitgeist. Und doch bin ich froh, dieses Buch gelesen zu haben. Besonders jungen Müttern, aber auch Vätern, wird dadurch sicher klarer, mit welchen Herausforderungen wir heute konkret zu tun haben. Der Weg, als Frau “alles unter einen Hut zu bekommen”, funktioniert nicht mehr. Wir müssen uns entscheiden, wie wir unser Leben gestalten wollen. Diese Entscheidung liegt bei jeder einzelnen von uns. Es ist gut, Vorreiterinnen und Vorbilder zu haben, Frauen wie Birgit Kelle, die Klartext reden. Doch tun müssen bzw. dürfen wir es selbst.

Muttertier

Birgit Kelle - Muttertier, Fontis Verlag

Eine Ansage.
Birgit Kelle
Hardcover, 240 Seiten
ISBN: 978-3-03848-124-9
€ 20,00

 

 

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung zur Krankenschwester sozial in Indien tätig. Jetzt unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin als Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk tätig.


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