6. Juni 2019

Buchrezension: Schlagfertigkeitsqueen


Wer kennt es nicht, das Gefühl, von jemandem überrumpelt, ungut angequatscht oder verbal angegriffen worden zu sein, ohne sich gewehrt zu haben? Sie starren der unverschämten Person hinterher, die fröhlich und ungerührt ihren Weg fortsetzt. Erst im Nachhinein fallen Ihnen die richtigen Konter ein. Sie ärgern sich, sind ganz durcheinander.

Die Bandbreite der Gefühle kann von Scham bis zu Selbstzweifeln reichen. Die Angriffe kommen oft unverhofft, und manchmal auch total unerwartet, wo wir es nie erwartet hätten. Mama-Kolleginnen, Schwiegermütter, neidische Nachbarinnen, Arbeitskolleginnen,… Wieso machen das manche Menschen? Wie kann man nur so gemein sein? Darauf habe ich leider selbst keine Antwort. Die anderen können wir nicht ändern. Aber Sie müssen sich so etwas in Zukunft trotzdem nicht weiter gefallen lassen. Es gibt nämlich ein Mittel dagegen: Schlagfertigkeit.

Eine seltene Gabe?

Manche haben diese Gabe, sich prompt und sogar witzig zu verteidigen, in die Wiege gelegt bekommen. Solche Menschen habe ich immer beneidet. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht drehten sie den Spieß einfach um, waren die Sieger und ließen den Angreifer dastehen wie einen begossenen Pudel. Ich hingegen war meist zu langsam, um die Situation überhaupt zu checken, geschweige denn mich angemessen zu wehren. Immer wieder las ich Ratgeber zu dem Thema und besuchte einen Selbstverteidigungskurs. Das beste Buch, das ich dazu bisher gelesen habe, heißt: „Schlagfertigkeitsqueen: In jeder Situation wortgewandt und majestätisch reagieren“ von Nicole Staudinger.

Von Stehauf zu Schlagfertig

(c) iStock

Schon ihr Buch „Stehaufqueen“ hat mir gut getan und auch in diesem neuen Bestseller gibt Frau Staudinger wirklich hilfreiche Tipps, vor allem für Frauen. Sie erzählt von eigenen Misserfolgen und erläutert auf sehr unterhaltsame Weise verschiedene Techniken und Taktiken im Umgang mit unverschämten Zeitgenossen. Es ist eigentlich kein Ratgeber im klassischen Sinne, sondern eine gute Mischung aus humorvoller Unterhaltung, Anleitung und praktischen Fallbeispielen. „Schlagfertigkeit ist weit mehr als sprachliches Geschick“, steht hinten am Cover, „Schlagfertig zu sein ist eine Lebenseinstellung.“

Frau Staudinger strukturiert das Buch in drei Teile:

  1. Grundierung – Zunächst einmal: Das sollten Sie wissen
  2. Glitzer – Techniken, die jeder lernen kann
  3. Finish – Typisch Frau!

Humor bringt’s

Im ersten Teil geht es erst mal um grundlegende Themen wie unser Selbstbild. Ohne ein positives Selbstbild bin ich nicht in der Lage, für mich selbst einzustehen. Das ganze Thema Schlagfertigkeit beginnt, wie viele andere, im Kopf, in unserem Denken. Dann geht es weiter mit  „Standfestigkeit“, dem persönlichen Schutzschild und Körpersprache. Schlagfertigkeit ist also eine ganzheitliche Angelegenheit, die im Kopf beginnt! Eine wichtige Sache wird auch gleich zu Beginn angesprochen: Wer austeilt, muss auch einstecken können! Humor ist wichtig, besonders auch die Gabe, über sich selbst zu lachen! Das kann viele angespannte Situationen entspannen.

Den Moment nutzen

(c) iStock

Im zweiten Teil werden verschiedene Techniken erläutert und die Autorin geht auch auf die Unterschiede der weiblichen bzw. männlichen Kommunikation ein. Das Wichtigste, so die Autorin, ist allerdings nicht die Technik, sondern dass Sie überhaupt reagieren, und das möglichst schnell. Um schlagfertig zu sein, darf man nicht zu viele kostbare Sekunden verstreichen lassen, sonst ist die Chance vorbei. Besser, eine zweitklassige Antwort als gar keine. Sie macht den Lesern Mut, auch mal Ungewohntes auszuprobieren und gegen Tabus zu verstoßen. Wer sagt denn, dass Eigenlob stinken muss? Manches kann man scheinbar gelangweilt mit dem richtigen Gesichtsausdruck überhören, in einer anderen Situation passt eine Redewendung oder eine Zwei-Silben-Antwort. Je geübter man wird, desto mehr mögliche Antworten kann man sich zurechtlegen, als „Waffen“ für Überraschungsangriffe. Nach einigen Kapiteln gibt es Aufgaben zu lösen. Sie können sich überlegen, wie Sie da am besten kontern würden. „Trockentraining“ sozusagen.

Aus Fehlern lernen

Im dritten Teil geht es um die Perfektionierung des Gelernten und auch um darum, warum uns das Scheitern so lange beschäftigt. Besonders wir Frauen neigen dazu, schwierige Situationen wieder und wieder im Kopf abzuspulen und darüber nachzugrübeln. Selbstreflektion ist wichtig, aber dann ist es gut, wieder nach vorne zu schauen. Die Autorin meint dazu: „Niemand scheitert gern. Dennoch gehört es zum Leben dazu. Die Kunst des Scheiterns besteht ganz einfach im Wiederaufstehen.“ (S. 215) Sich nicht runterziehen zu lassen. Humor zu entdecken. Aus Fehlern zu lernen für die Zukunft. „Allein mit dieser inneren Einstellung – denn „Scheiter heiter“ ist eine Lebenseinstellung – wird sich Ihre Körpersprache und -haltung ändern. Und das wiederum führt dazu, dass Sie erstens weniger „angegriffen“ und zweitens sich einfach besser fühlen werden!“ (S. 216)

(c) Droemer Knaur Verlagsgruppe

Im Schlussteil finden Sie dann noch Lösungen zu den gestellten Aufgaben aus den vorherigen Kapiteln. Die vorgeschlagenen Antworten sind teilweise überraschend einfach! Hilfreich finde ich auch die Zusammenfassung aller gelernten Lektionen auf S. 225 sowie eine Übersicht über alle Schlagfertigkeits-Techniken bis S. 230. Die kann man sich auch nochmal extra auf Zettel schreiben und in der Wohnung aufhängen. Übung macht, wie überall, den Meister – oder vielmehr die Schlagfertigkeitsqueen!


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