6. November 2019

Buchrezension: Gute Hoffnung, jähes Ende


Fehlgeburt, Totgeburt und Verluste in der frühen Lebenszeit. Seit mehr als 25 Jahren begleitet der „Klassiker“ Eltern auf dem Weg durch die Trauer.

Nicht allein

Hannah Lothrop, Psychologin, Therapeutin und Stillberaterin gilt als Pionierin der ganzheitlichen Geburtsvorbereitung. In ihrem bereits in dritter Auflage erschienenen Buch, erläutert sie einfühlsam wie umfangreich und detailgetreu die Thematik in ihrer erschütternden Breite: Von Definitionen, rechtlicher Situation bis hin zu medizinischen Abläufen und Trauerprozess.

Sie denkt auch hier ganzheitlich: Es braucht das Zusammenwirken von allen – Ärzten, Hebammen, Pflege, Psychologen, Seelsorgern. Passend: Der zweite Teil widmet sich der Begleitung von Trauernden. Im Anhang sind Rituale, Gesetzliches, Liturgisches zu finden.

Lothrop zeigt, Fehl- oder Totgeburt ist ein Schicksalsschlag, der nicht nur Frauen trifft, sondern mit ihnen auch Partner, Geschwisterkinder, Großeltern und Freunde. Lebensecht webt sie Erfahrungsberichte von Familien zwischen die einzelnen Textpassagen. Dies und ihr praxisnaher Behelf lassen das schwermütige Gefühl der Isolation, das zu Beginn der Lektüre steht, mit jeder weiteren Seite zumindest verblassen.

Ein wahrer „Ersthelfer“ also.

Denn was bleibt ist Trost und die Zuversicht, nicht allein mit den eigenen fremden Gefühlen und der unsagbar großen Trauer zu sein.

Tipps im Umgang mit trauernden Eltern

Passende Worte: 

  •  „Es tut mir leid.“
  •  „Das muss schwer für euch sein.“
  • „Ich bin da und höre zu.“
  • „Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“
  • „Wie kann ich etwas für dich tun?“
  • „Wie geht es dir mit alldem?“
  • „Ich hab an euch gedacht.
  • „Lass dir Zeit.“

Die üblichen Phrasen:

  • „Besser jetzt als später.“
  • „Es war wohl das Beste.“
  • „Gott sei Dank hast du das Kind noch nicht gekannt.“
  • „Wein doch nicht.“
  • Zum Vater: „Du musst jetzt für deine Frau stark sein.“

Unpassendes Verhalten:

  • Ignorieren. So tun, als wäre nichts geschehen.
  • Beschwichtigen, um Schmerz zu lindern, Tatsachen herunterspielen.
  • Wegräumen der Babysachen.
  • Thema in Gesprächen meiden.
  • Gefühle der Trauernden be- und verurteilen.

Das Buch „Gute Hoffnung, jähes Ende“ – Fehlgeburt, Totgeburt und Verluste in der frühen Lebenszeit. Begleitung und neue Hoffnung für Eltern. Vollständig überarbeitete Neuausgabe.

von Hannah Lothrop

Paperback , Klappenbroschur, 384 Seiten, 15,0 x 22,7 cm
2. Auflage 2017
ISBN: 978-3-466-34632-5
Kösel-Verlag
€ 25,00

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EIN ARTIKEL VON
  • Lisa Maria Schweiger-Gensluckner

    Ich bin Theologin und Journalistin, als Pressereferentin und Redakteurin in der Erzdiözese Salzburg bestimmen Medien meinen Berufsalltag. Das Leben in meiner Familie mit meinem Mann und meiner Tochter (2) sind der willkommener Ausgleich. Kindskopf war ich schon immer – ich singe den Soundtrack von Disneyfilmen nach und zitiere Janosch-Geschichten. Schreiben will ich über das, was mich beschäftigt in meinem kurzweiligen Familienleben.


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