27. Oktober 2016

Kindern vom Tod erzählen: „Der Tod auf dem Apfelbaum“

Mit Kindern über den Tod sprechen, Der Tod auf dem Apfelbaum - meinefamilie.at

Dass der Tod zum Leben dazugehört, ist Thema des Bilderbuches „Der Tod auf dem Apfelbaum“.

Allerseelen und Allerheiligen – Zeit, um sich mit Fragen zu Sterben und Tod auseinanderzusetzen. Doch gerade im Umgang mit Kindern stoßen wir Eltern schnell an unsere Grenzen. Wie soll man diese Themen ansprechen? Bereitet den Kleinen das Thema Tod nicht viel zu viel Angst? Und: Ist es überhaupt angemessen für ein Kind, sich mit solchen Themen auseinander zu setzen? Muss das Thema Tod, Sterben, Trauer tatsächlich bis ins Kinderzimmer kommen? Sollte man Kinder nicht viel eher davor bewahren?

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Tod und Trauer aus dem Leben von Kindern fern zu halten, ist weder sinnvoll noch auf Dauer möglich.

Kinder vorbereiten

Nein, sagt Kathrin Unterhofer, Expertin für Kindertrauer bei der Kontaktstelle Trauer der Caritas. Im Gegenteil. „Uns Erwachsenen fehlen gerade bei Themen wie Tod und Trauer oft die Worte“, sagt Kathrin Unterhofer, Expertin für Kindertrauer bei der Kontaktstelle Trauer der Caritas. Spezielle Kinderbücher seien da oft eine gute Hilfe, die richtigen Worte zu finden. Klar sei nämlich: Tod und Trauer aus dem Leben von Kindern fern zu halten, sei weder sinnvoll noch auf Dauer möglich. „Früher oder später erfahren die Kinder die Trauer bei einem Todesfall am eigenen Leib und es ist wichtig, dass sie das nicht völlig unvorbereitet trifft. Sie müssen lernen, dass auch der Tod zum Leben dazugehört“, so Kathrin Unterhofer. Kinder seien dankbar über Offenheit, gerade auch wenn es um schwierige Themen geht. So lernen die Kleinen auch, dass man mit Mama und Papa, mit Oma und Opa oder einem anderen nahestehenden Erwachsenen tatsächlich über alles sprechen kann, was einen bewegt.

Buchtipp: Der Tod auf dem Apfelbaum

Eines jener Bücher, das Erwachsenen die Worte zurückgeben kann, die so dringend fehlen, ist Kathrin Schärers „Der Tod auf dem Apfelbaum“. Schärer erzählt darin die Geschichte eines alten Fuchses und seiner Füchsin. Längst hat kein Tier mehr vor ihnen Angst und Amseln, Spatzen und Eichhörnchen plündern fröhlich und ungehemmt den Apfelbaum, den die Füchse als ihr Eigentum betrachten. Die Empörung darüber ist groß, doch eines Tages kommt die vermeintliche Rettung in Form eines Zauberwiesels, das den Apfelbaum der Füchse verzaubert. Ab diesem Zeitpunkt bleiben alle Tiere, die den Baum oder einen Apfel berühren, an ihm kleben. Und nur wenn der Fuchs es befiehlt, lässt sie der Apfelbaum wieder gehen. Endlich hat der Fuchs wieder seine Ruhe und muss keine Angst um seinen Besitz haben.

Den Tod überlisten?

Doch eines Tages betritt ein äußerst ungebetener Gast die Szenerie: Der Tod taucht neben dem Apfelbaum auf und macht dem Fuchs klar, dass es Zeit ist, zu gehen. Der schlaue Fuchs willigt scheinbar ein, bittet aber den Tod um die Erfüllung eines letzten Wunsches: Er solle ihm doch bitte einen Apfel vom Baum pflücken. Der Tod erfüllt diesen Wunsch… bleibt kleben und kann den Fuchs nun nicht mehr mit sich fort nehmen. Der Fuchs ist begeistert von seinem Geistesblitz, mit dem er dem Tod ein Schnippchen geschlagen hat. Doch dann stirbt seine Füchsin und die Traurigkeit des Fuchses kennt kein Ende. Ohne sie sein? Wie soll das gehen? Hinzu kommt, dass er keinen Ansprechpartner, keinen Freund mehr hat – die anderen Füchse, die jüngeren, tollen viel lieber herum, als sich mit ihm, dem Alten, abzugeben. Und eines Tages erkennt der Fuchs, dass es keinen Sinn hat, den Tod ewig an der „Ausübung“ seiner Pflicht zu hindern, befreit ihn vom Apfelbaum und geht mit ihm davon.

Gelungen in Wort und Bild

Nicht nur die Geschichte „Der Tod auf dem Apfelbaum“ ist wirklich gelungen, vor allem auch die Zeichnungen sind sehenswert. Empfohlen ist das Buch ab 4 Jahren. Es eignet sich aber bestimmt auch, um Tod und Sterben mit Kindern im Volksschulalter zu thematisieren.

Der Tod auf dem Apfelbaum

Cover Der Tod auf dem Apfelbaum - meinefamilie.at

Kathrin Schärer
2015, Atlantis Verlag
ISBN: 978-3-7152-0701-8

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EIN ARTIKEL VON
  • Andrea Harringer

    „Meine Mami schreibt das auf, was ihr andere Leute erzählen.“ Das sagte mein Sohn, als man ihn fragte, was seine Mama beruflich mache. Seit 2001 bin ich Redakteurin in der Erzdiözese Wien, schreibe für den „Sonntag“ und versuche, Themen wie Familie, Kinder und Erziehung auch aus einem christlichen Blickwinkel zu beleuchten.


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