21. August 2015

Zauberwort Entschuldigung


Gegensätze ziehen sich an. Wie leicht „rutscht“ einem im Eifer des Gefechts eine unbedachte Bemerkung heraus. Hierfür gibt es das Zauberwort Entschuldigung

Zauberwort Entschuldigung – die Chance des Verzeihens

Da jeder Mensch ein einzigartiges und geheimnisvolles Wesen mit einer je eigenen Geschichte darstellt, mit seiner physischen und psychischen Verfasstheit, mit seinen speziellen Wünschen und Zielen, liegt gerade darin die große Chance für eine gelingende eheliche Beziehung. Heißt es doch so schön: Gegensätze ziehen sich an. Gerade durch diese Verschiedenheit gestalten wir unsere Ehe extrem spannend. Gerade weil wir in unserem Wesen vollkommen unterschiedlich sind, dürfen wir ein erfülltes und glückliches Eheleben führen. Das Geheimnis dafür liegt hauptsächlich darin begründet, dass wir uns nicht gegenseitig verändern wollen, sondern den jeweils anderen in seinem Sosein, mit allen Stärken und auch Schwächen wie er nun mal ist, liebend respektieren. In einer solchen Beziehung kann man auch mal übereinander lachen, weil von Herzen kommender Humor immer ein Zeichen für Verständnis und gegenseitiger Liebe ist. Und damit teilen wir als Ehepartner nicht nur Tisch und Bett miteinander, sondern das ganze Leben mit all seinen zahlreichen Facetten. Weil wir über lange Zeit miteinander verbunden sind, kennen wir die wichtigen Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen und Verletzlichkeiten des anderen. Darin liegt aber auch die Versuchung, diese Schwächen bei Meinungsverschiedenheiten gegen den Partner auszuspielen und ihn auf diese Weise zu verletzen. Wie leicht „rutscht“ mir dann im Eifer des Gefechts eine unbedachte Bemerkung heraus, die ich später zutiefst bereue.

Zauberwort Entschuldigung

So ein Wort kann ich jedoch durch das „Zauberwort“ Entschuldigung neutralisieren. Damit gebe ich dir die Chance, meine Fehler ohne großen Worte zu verzeihen und die „Gnade des Vergessens“ zu praktizieren. Ein ständiger Lernprozess, der hilft, uns auf Gemeinsamkeiten zu konzentrieren und Widersprüche zuzulassen. Das Ziel ist, uns nicht nur zu vertragen, sondern auch, uns gegenseitig zu ertragen. Dazu gehört die Erfahrung eines ganzen Lebens, vor allem aber ein tiefes, von Liebe geprägtes Verständnis für meinen Partner in dem Wissen, dass unsere eheliche Gemeinschaft nicht nur ausschließlich aus vollkommener Harmonie besteht, sondern immer wieder aus Widersprüchen und Unterschieden neu erwächst.

Außerdem ist in Christus selbst der Gegensatz zwischen Mann und Frau als Erbe der Sünde in seinem Wesen besiegt; denn “ihr alle seid einer in Christus Jesus” schreibt Paulus an die Kolosser (Kol 3,28). Und damit ist die Gleichheit zwischen Mann und Frau wieder hergestellt, ohne die Verschiedenheit der beiden Geschlechter auszulöschen.

Die Beziehung zwischen Mann und Frau

Im Kolosserbrief heißt es weiter: “lhr seid zu einem neuen Menschen geworden, der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird, um ihn zu erkennen” (Kol 3,10). Das bedeutet, dass die Beziehungen zwischen Mann und Frau erlöst sind, und zwar in dem Sinne, dass der Mann nicht mehr herrscht, sondern dient, und die Frau nicht auf ihre Weise gegen ihn sich behaupten muss. Beide verstehen jetzt in der durch den Pfingstgeist geprägten “Neuen Schöpfung” besser ihr Zueinander, ohne dass eine Überlegenheit oder Demütigung darin mitschwingt und keiner sich oder den anderen überfordert. Die Frau soll das Recht haben, gleichwertig und anders Mensch zu sein als der Mann. Die Geschlechter sollen sich begegnen in einer Liebe, die den anderen mündig macht, ihn weder erdrückt noch ihn verherrlicht. Während ich als Ehemann Christus als das Haupt meiner Familie repräsentiere, handelt Christus selbst in mir als der gute Hirte für meine Frau und meine Kinder. Ich darf einen priesterlichen Dienst als der „Episcopus“ meiner Hauskirche ausüben, dessen Aufgabe es ist, in der liebenden Hingabe als Ehemann und Vater seine Familie zur Heiligkeit zu führen.

Die Rolle in der Familie

Ich als Frau bin nicht ausgeschlossen von dieser Verantwortung. Ganz im Gegenteil, während ich als Mutter und Gattin mit Liebe meinem Mann und den Kindern gegenüber trete, ist mir das Privileg einer spontanen und natürlichen Religiosität gegeben, gleichsam als ein Echo der liebenden Kirche Christus gegenüber. Darum begegne ich meinem Mann im Geist der Hochschätzung und Umsichtigkeit. In schwierigen Augenblicken darf ich ihm neuen Mut und Selbstvertrauen schenken und in den Kindern eine herzliche Beziehung der Achtung ihrem Vater gegenüber wecken. Meine aktive Rolle in der Familie bietet mir die Garantie dafür, dass die gegenseitige Hochachtung ganz konkret gelebt und bezeugt wird. So nehmen wir beide Ehepartner an jener Liebe teil, mit der Christus seine Kirche liebt und mit der die Kirche sich ihm in Hingabe und Ehrfurcht schenkt.

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EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe ins Heilige Land führte, fand ich meine Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe und Reiseleiter fand ich hier auch meine “wahre” Heimat.


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