26. Januar 2015

Verzeihung und Versöhnung


Versöhnung funktioniert nicht ohne Verzeihen. Meine vier Schritte um Versöhnung zu erreichen.

Vier Schritte zur Versöhnung

Streit liegt mir immer schwer im Magen. „War das notwendig?“, denke ich mir dann, „ist das Leben nicht schon kompliziert genug?“ Hätte ich nicht liebevoller reagieren können, hätte ich nicht einfach einmal nichts sagen können? Dann würde ich neu anfangen können.

Maßeinheit Stolz

Verzeihung und Versöhnung erscheinen oft unendlich fern. „Verzeihen kann ich ihm, wenn es sein muss, aber Vergessen werde ich das nicht!“ hört man allzu oft. Nicht wenige von uns hegen einen tiefen Groll gegen bestimmte Menschen und warten sogar Jahre auf Gelegenheiten, es ihnen „heimzuzahlen“.

Die Maßeinheit der Entfernung zur Versöhnung ist der Stolz. Und diesen muss man gleich doppelt nehmen: nämlich mein Stolz plus der des Kontrahenten. So unüberwindlich das Problem aber auch erscheint, liegt der Umgang mit dem eigenen Stolz dennoch in der eigenen Hand.

Meine 4 Regeln der Versöhnung

Um meinem Stolz ein Schnippchen zu schlagen und durch Versöhnung mit etwas weniger Härte zu leben, wende ich vier Regeln an:

  1. Ich sehe den Konflikt in seinem objektiven Kontext:

    Verzeihen ist leicht, wenn der andere seinen Fehler einsieht und sich zerknirscht entschuldigt. Aber wenn er das nicht tut, dann wird Verzeihung heroisch, ja, heldenhaft, und zeugt von Größe und damit Überlegenheit. Wenn wir verzeihen, werden wir Gott ähnlicher. Gott ist nämlich der „perfekte Verzeiher“ – alles verzeiht er, und zwar jederzeit. Manchmal braucht man Zeit, bis man verzeihen kann. Manchmal auch Hilfe von oben. Jemand hat mir erzählt, dass sie jahrelang mit Zorn gegen eine Person, die sie sehr verletzt hat, kämpfen musste. Verzeihen konnte sie erst, als sie begann, bei jemand aufsteigenden Hassgedanken schnell ein „Ehre sei dem Vater“ zu beten.

    Versöhnung ist etwas Bewegendes

    Versöhnung kann eine Freundschaft sogar vertiefen. Genauso ist es mit Gott. Von Gottes Seite aus ist die Hand zur Versöhnung ausgestreckt. Egal, was man sich zuschulden kommen hat lassen. Man braucht Seine Hand nur zu ergreifen. Das ist zuerst ein Entschluss und eine Hinwendung des Herzens. Für Katholiken besteht die Möglichkeit zu beichten. Klingt altmodisch. Ist es aber nicht. Eine Beichte ist wie eine Dusche, wie Fitness und Wellness für die Seele. Es fühlt sich genial an, wenn ein Priester im Auftrag Gottes meine „Sünden vergibt“. Dann gibt es einen echten Neuanfang.

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EIN ARTIKEL VON
  • Gudrun Kugler

    Ich bin Juristin, Theologin und Mutter von vier Kindern. Im Wiener Landtag und Gemeinderat bin ich Politikerin, leite die Online-Dating-Agentur www.KathTreff.org für katholische Singles und bin Autorin von Büchern über Menschenrechte sowie Lebensfragen, z.B. „Niemand ist eine Insel – wie man den Partner fürs Leben findet“.


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