20. Februar 2015

Vertrauen schenken in fünf Punkten


Das Vertrauen wächst, nicht indem man Bücher darüber liest, sondern indem man es ausübt, indem man sich auf einen anderen immer wieder neu einlässt.

Vertrauen und Freiheit ergänzen sich. Denn überhaupt zu vertrauen, ist schon eine freie Entscheidung. Außerdem wächst das Vertrauen, nicht indem man Bücher darüber liest, sondern indem man es ausübt, indem man sich auf einen anderen immer wieder neu einlässt, indem man Vertrauen schenkt.

An den anderen glauben

Immer wieder dem anderen zeigen, dass man an ihn glaubt, besonders dann, wenn der andere an sich selbst zweifelt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, was für eine enorme Motivation und Inspiration es für mich mit etwa 20/22 Jahren war, dass ein älterer Freund mir zur Seite stand, der wirklich an mich glaubte. Er sah etwas in mir, das ich nicht sehen konnte. Er hätte mich die ganze Zeit auch nur kritisieren, mir sagen können, was ich alles schlecht mache. Aber er tat das Gegenteil. Das war enorm aufbauend. Öfters sind es die kleinen Dinge, die Gesten, ein Wort, ein Blick, ein “das schaffst du, ich weiß das”, “das hast du super gemacht”, “ich bin stolz auf dich”. Die Wege, WIE man am besten einem Menschen den Glauben an sich selbst (und als Priester würde ich noch hinzufügen: zu was er fähig ist mit Gottes Hilfe) bestätigt, sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Aber es geht um das Prinzip: Den Menschen nicht einfach oberflächlich betrachten, nicht einfach anhand seiner jetzigen Taten beurteilen, sondern tiefer gehen, das Herz, den Menschen selbst wahrnehmen.

Auf die Gegenwart einlassen

In der Gegenwart leben, die Lateiner sagten dazu, “Age quod agis” – tue das, was du tust. Denn es gibt immer eine Zukunft. Vertrauen wächst nicht, indem man ständig in der Vergangenheit gräbt oder ängstlich in die Zukunft sieht, sondern indem man sich auf die Gegenwart einlässt. Nur in der Gegenwart geschieht Veränderung, Gestaltung der Welt, aber auch der eigenen Beziehung. Man kann nicht alles kontrollieren, die Vergangenheit schon gar nicht und die Zukunft noch weniger. Aber man kann jetzt leben, jetzt lieben, jetzt das beste für die Beziehung tun. Im Jetzt zu leben kann sehr helfen, Vertrauen zu stärken. Denn es bedeutet, die Vergangenheit loszulassen und die Zukunft auch in Gottes Hand zu legen. Wo das wirklich aus einer freien Entscheidung heraus geschieht, kann man gelassen und sicher in der Gegenwart leben.

Vertrauen schenken heißt, zu vergeben

Vergebung schenkenVergebung erbitten. Vergebung lockt aus der eigenen Verletztheit heraus. Vergebung schenkt einer Beziehung Zukunft, weil es ein Schritt des Vertrauens ist. Man beginnt, sich wieder auf den anderen einzulassen. Vergebung heißt nicht, dem anderen eine Generalvollmacht auszustellen, genau dieselben Fehler wieder zu machen. In manchen Extremsituationen muss man sogar sagen, “Ich vergebe dir immer, aber wenn das noch einmal geschieht, dann wird das diese Konsequenz haben.” Vergebung ist daher nichts, wodurch man sich erpressen lässt, im Gegenteil. Vergebung zeigt nämlich, dass man noch innerlich frei ist und nicht von seiner Verletztheit versklavt. Vergebung ist vor allem eine Herzenshaltung, die die Hand ausstreckt und dem anderen zeigt, dass man an ihn über seine Schwäche hinaus glaubt. Das kann ihm helfen, wieder an sich selbst zu glauben. Vergebung ist kein Gefühl, sondern eben auch eine freie Entscheidung.

Den anderen lieben

Das Bemühen darum, das Beste für den anderen zu suchen, egal ob dieser das erwidert oder nicht. Das ist einfach ein anderer Weg zu sagen: Liebe den anderen. Aber authentische Liebe ist selbstverständlich Quelle des Vertrauens, weil man dann weiß: Er liebt mich um meiner selbst willen, nicht für das, was er von mir bekommt. Und das weckt Vertrauen, die Bereitschaft, sich noch mehr zu öffnen, auf den anderen einzulassen und sich dadurch verwundbar zu machen.

Gott um Hilfe bitten

Gebet. In manchen verkeilten Lebenssituationen und Beziehungsherausforderungen stehen wir einfach an. Da braucht es Hilfe, aber nicht nur, um etwas zu verstehen, sondern oft auch, um etwas tun zu können. Es braucht eine innere Kraft, die wir uns aber nicht selbst schenken können. Wenn Vertrauen mit freier Entscheidung zu tun hat, dann muss der Partner nicht nur etwas verstehen, sondern auch etwas tun. Aber zuweilen fehlt einfach die Kraft, zuweilen sind die Verletzungen zu groß. Aber es gibt nichts, das Gott nicht heilen kann. Für Gott gibt es immer Zukunft. Ihn um Hilfe zu bitten, tut einfach gut, besonders dann, wenn wir es gemeinsam tun.

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EIN ARTIKEL VON
  • Fr. George Elsbett

    Ich bin katholischer Priester. Meine Heimat ist in der kanadischen Wildnis. Studiert habe ich zwischen Chicago, Köln, Salamanca und Rom. Seit 2004 wirke ich in Österreich. Unter anderem leite ich das Zentrum Johannes Paul II. in Wien und habe mich auf Theologie des Leibes, Ehe- und Berufungspastoral spezialisiert.


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