28. August 2015

Strategien gegen den Alltagsstress in Beziehungen


Es gibt Zeiten, da dominiert der Alltagsstress und die Beziehung steht auf Sparflamme. Es gibt aber Strategien, um diese Zeiten besser bewältigen zu können

Im Alltagsstress steht die Beziehung auf Sparflamme

Es gibt Zeiten im Jahr, da dominiert der Alltagsstress. Trotz allem Prioritätensetzen und Zeitoptimieren bleibt nicht viel Zeit für die Beziehung. Wir geben unser Bestes, betreuen die Kinder abwechselnd und geben einander die Klinke in die Hand.

Gleich nach unserer Urlaubszeit wartet eine solche, sehr intensive Phase von mehreren Wochen auf uns. Viele Termine, lange Arbeitstage, To-Do-Berge, die abgebaut werden wollen, Alltagsstress pur. Unsere Beziehungen in der Familie sind gut aufgetankt, das spüren wir, doch solch eine intensive Zeit lässt die emotionalen Reserven schnell wieder schmelzen.

Wie gehen wir mit Alltagsstress um?

Ich habe früher solche Zeiten einfach gehasst und versucht, sie irgendwie zu vermeiden oder, wenn das nicht möglich war, sie möglichst schnell hinter mich zu bringen. Steckte ich dann doch mittendrin, überkam mich manchmal die Panik: „Wie lange soll das noch so gehen? Ich kann nicht mehr!“

Zwar spürte ich, dass auch Georg am Ende seiner Kräfte war, doch erwartete und forderte ich immer wieder Zeichen der Aufmerksamkeit von ihm. Ich wollte doch spüren, dass er mich liebt! Meinerseits versuchte ich, ihm meine Aufmerksamkeiten aufzudrängen, doch er wollte oft einfach nur seine Ruhe, wenn er müde nach Hause kam. Das führte dann logischerweise oft zu Streit. Wenn beide Partner am Ende sind, kann sich erstmal jeder nur um sich selbst kümmern und versuchen zu funktionieren.

Im Lauf der Zeit habe ich gelernt, damit umzugehen. Ich mag solche Stresszeiten zwar immer noch nicht, aber im Vergleich zu früher hat sich viel verändert – vor allem meine Einstellung dazu.

Strategien um eine stressige Phase besser zu bewältigen:

1) Zeitrahmen erstellen
Was mir sehr hilft ist es, die stressige Zeit irgendwie einzugrenzen. In etwa: Die kommenden drei Wochen werden super-intensiv. Danach wird es besser. Manchmal teile ich bewusst einen Abend für uns zu zweit ein, auf den ich mich dann freuen kann.

2) Erwartungen herunterschrauben
Ich versuche bewusst mich gut um mich selbst zu kümmern und emotional ausgeglichen zu bleiben. Von meinem Mann erwarte ich nichts (ich versuche es!) und bin zurückhaltend damit, ihn „zwangszubeglücken“. Gegenseitiger Respekt und Barmherzigkeit sind sehr wichtig in dieser Zeit!

3) Freie Tage einplanen
Auch wenn noch so viel zu tun ist, ein freier Tag pro Woche sollte einfach sein. Egal ob Sonntag oder Montag, ein Ruhetag hilft, längere Durststrecken gut zu bewältigen!

4) Hilfe von außen suchen
Was die praktischen Dinge betrifft, suche ich mir für solche Zeiten Hilfe von außen. Familie, Freunde, Bekannte helfen gerne, wenn sie es früh genug wissen. Für besonders harte Zeiten habe ich auch schon einige Male eine Familienhelferin (z.B. von Caritas oder Hilfswerk) beantragt, die mir in einem Entlastungseinsatz tatkräftig im Haushalt und mit den Kindern geholfen hat.

5) Gelassenheit lernen
Ich bin noch keine Meisterin darin, aber langsam merke ich, dass ich solche Zeiten schon viel gelassener lebe als früher. Ich nehme mir bewusst nicht viel vor, lebe einen Tag nach dem anderen, manchmal auch nur von Stunde zu Stunde.

6) Zeit zu zweit pflegen
Trotz allem Alltagsstress ist es mir wichtig, zumindest minimal in unsere Beziehung zu investieren, sie sozusagen auf Sparflamme trotzdem ein wenig zu nähren. Da Georg jeden Tag früh außer Haus musste, bin ich deshalb bewusst früher aufgestanden (die Kinder schliefen noch!), um mit ihm kurz zu beten und das Wichtigste zu besprechen. Klar bedeutete das einen Verzicht auf wertvollen Schlaf, doch das war mir die Investition in unsere Beziehung einfach wert.

7) Das Ende der Stresszeit feiern
Allzu schnell gewöhnen wir uns an einen zu schnellen und intensiven Lebensstil. Die Beziehung leidet, aber wir werden irgendwie immun dagegen. Um dies zu verhindern, haben wir deshalb diesmal ganz bewusst das Ende der stressigen Zeit gefeiert, mit gutem Essen und einem Familie-Feiertag. Danach ging es in einer etwas langsameren, gemütlichen Gangart weiter.

Siehe auch: Beziehungspflege, Service-Check für die Beziehung

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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