17. April 2018

Partnerschaft – ein Plädoyer für direktere Kommunikation

gespräch in der partnerschaft - meinefamilie.at

Bedürfnisse in der eigenen Partnerschaft so kommunizieren, dass sie auch ankommen und etwas bewirken – dies bedeutet vor allem ein großes Stück Beziehungsarbeit. Auch benötigt man Zeit, in der das Vertrauen, sich so ehrlich zeigen zu dürfen, wächst.

Als eine neue Bekannte von mir bei Besuchen damit begann meinen Mann und sein Engagement in unserer Familie nicht nur anzuerkennen, sondern ihn regelrecht in den Himmel zu heben, war ich nicht nur verärgert, sondern zugegeben auch eifersüchtig. Mittlerweile habe ich jedoch erkannt, dass sie sich nicht an ihn heranmachen will, sondern es nur nicht schafft, ihre Bedürfnisse in ihrer eigenen Partnerschaft so zu kommunizieren, dass sie auch ankommen und etwas bewirken.

Wenn ich an meine Single-Zeit mit wechselnden Beziehungen und unsere stundenlange Gespräche mit Freundinnen über die jeweiligen Partner zurückdenke, schüttle ich im Nachhinein manchmal über mich selbst den Kopf. Sich bei Freundinnen ausweinen und verzweifelt Verhaltensweisen zu interpretieren. All das ist mir so fremd geworden, dass ich regelrecht irritiert bin, wenn ich in Kaffeehäusern Frauen über ihre Männer klagen höre. Ich verstehe nicht, wieso diese nicht gleich mit ihrem Partner sprechen. Denn ich habe die Gnade mich in meiner Partnerschaft so gehalten zu fühlen, dass ich meinem Partner ohne Bedenken jederzeit direkt sagen kann, was mir weh tut, mich ärgert oder mein Bedürfnis ist. Und ich werde ernst genommen. Natürlich basiert dies auf Gegenseitigkeit.

Vertrauen aufbauen

Natürlich war dies ein großes Stück Beziehungsarbeit. Auch wir benötigten Zeit, in der das Vertrauen, sich so ehrlich zeigen zu dürfen, gewachsen ist. Es ist nicht immer leicht klar und ehrlich zu sich und seinen Bedürfnissen zu stehen. Und dennoch liebevoll zu bleiben. Eine Methode, die uns dabei hilft ist die „Gewaltfreie Kommunikation“ nach Marshall B. Rosenberg. Sie wurde von Dr. Marshall B. Rosenberg entwickelt, um im Alltag friedlicher miteinander kommunizieren zu können. Ohne den anderen zu manipulieren, indem versucht wird, ihn zum gewünschten Verhalten zu bewegen. Die Grundhaltung ist wertschätzend, im Versuch die Verantwortung für das eigene Gefühl und Handeln zu übernehmen.

Das Modell der vier Schritte

Das Modell der vier Schritte beinhaltet Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte.

#Schritt 1

Beim ersten Schritt wird eine Beobachtung konkret beschrieben ohne diese zu bewerten oder zu interpretieren.

#Schritt 2

Der zweite Schritt ist der Ausdruck des eigenen Gefühls das dadurch entsteht. Wichtig dabei sind die Ich-Form und das Erkennen der tieferen Gefühle die oft hinter Interpretationen und Bewertungen stehen.

#Schritt 3

Im dritten Schritt wird das eigene Bedürfnis benannt welches hinter dem Gefühl steht.

#Schritt 4

Abschließend wird im vierten Schritt eine konkrete Bitte formuliert. Diese sollte positiv und klar ausgedrückt werden. Es bleibt jedoch eine Bitte, keine Forderung.

Wie sieht dies in der Praxis aus?

Zusammengefasst drückt Marshall B. Rosenberg dies so aus: „Wenn a, dann fühle ich mich b, weil ich c brauche. Deshalb möchte ich jetzt gerne d.“ Die Reihenfolge kann dabei variieren. Ein Beispiel:
➢ Du gehst zweimal pro Woche abends Fußball spielen. Ich bin an diesen Abenden mit den Kindern alleine.
➢ Ich fühle mich allein gelassen und überfordert mit der Kindererziehung.
➢ Ich benötige mehr Unterstützung von dir und auch eigenen Freiraum zur Entlastung.
➢ Ich würde dich bitten, dass du die Kinder einen Abend in der Woche nimmst, damit ich mich auch mit Freundinnen treffen kann. Oder: Ich würde dich bitten einen Babysitter zu zahlen, damit ich während der Woche entlastet bin.

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