4. Oktober 2016

Die Phasen der Beziehung – alles hat seine Zeit

Phasen der Beziehung - meinefamilie.at

Es gibt die Phasen der Beziehung, in denen wir unsere Liebe feiern und jene, in denen wir uns unverstanden fühlen – beide haben ihre Zeit. Wie können wir damit umgehen?

Ich mag den Bibelabschnitt aus Kohelet, auch Prediger genannt, der das 3. Kapitel einleitet. Er beschreibt in sehr einfachen, doch eindrucksvollen Worten das Leben, wie es ist:

Jedes Ereignis, alles auf der Welt hat seine Zeit: Geborenwerden und Sterben, Pflanzen und Ausreißen, Töten und Heilen, Niederreißen und Aufbauen, Weinen und Lachen, Klagen und Tanzen, Steinewerfen und Steinesammeln, Umarmen und Loslassen, Suchen und Finden, Aufbewahren und Wegwerfen, Zerreißen und Zusammennähen, Reden und Schweigen, Lieben und Hassen, Krieg und Frieden. (Koh. 3,1-8)

Man könnte die Aufzählung unendlich lang fortsetzen: Ebbe und Flut, Überfluss und Mangel, Lärm und Stille, Hitze und Kälte…  Mal ist dieses dran, mal jenes. Mal kommt diese Phase, dann jene. Eine gute Mischung aus allem bewirkt in unserem Leben Ausgeglichenheit und Fülle. Schwere Zeiten sind leichter zu ertragen, wenn wir wissen, dass es auch wieder Zeiten der Freude geben wird. Freude gewinnt aber auch an Tiefe, wenn wir sie als etwas Besonderes, nicht Selbstverständliches sehen, im Bewusstsein dessen, dass sich alles sehr schnell ändern kann.

Zeiten des Streits, Zeiten der Versöhnung

Auch in unserer Beziehung gibt es diese Gegensätze. Es gibt Zeiten der Ausgelassenheit, in der wir unsere Liebe feiern. Es gibt Zeiten, in denen wir uns zurückziehen, uns vom Partner unverstanden fühlen. Es gibt Zeiten des regen Austauschs und der gegenseitigen Inspiration und es gibt Zeiten, in denen wir einander anschweigen. Es gibt Zeiten, in denen wir einander im Streit verletzen und Zeiten der Versöhnung und Heilung unserer Emotionen.

Es ist menschlich, zwischen diesen Extremen zu leben. Allerdings kann es auch sehr herausfordernd sein, wenn die Atmosphäre in einer Beziehung sehr zwischen den Extremen schwankt.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Ich kenne das Gefühl, meinen Mann vor lauter Verliebtheit auffressen zu wollen, und im nächsten Moment könnte ich ihn tatsächlich “fressen”, da er einen wunden Punkt in mir berührt hat. Das ist dann der Zeitpunkt, wo ich schweigen sollte, um mit Gott die Angelegenheit zu besprechen. Würde ich weiterreden, käme nur ein schlimmer Streit dabei heraus, der zu nichts führt, da alles einfach nur emotional überspannt ist. Habe ich das Bedürfnis, mit jemandem darüber zu sprechen, kann ich Seelsorge in Anspruch nehmen. Oft erkennen wir erst im Erzählen, was eigentlich mit uns los ist und erfahrene Seelsorger können uns auf wichtige Dinge hinweisen. Erst wenn ich mir dann im Klaren darüber bin, welche Verletzung vorliegt und warum ich so überreagiert habe, ist es wieder dran, zu reden.

Das wichtige Gespräch mit dem Ehepartner

In einem ausführlichen Gespräch kann ich meinem Partner versuchen zu erklären, was mich so verletzt oder getroffen hat und welche Geschichte dahintersteckt. Sehr oft sind Bemerkungen oder Aussagen, die wir als verletzend empfinden, nur Auslöser, sogenannte “Trigger”, die eine tiefe verborgene Wunde wieder aufreißen. Der “Auslösende” ist dann sehr erschrocken über die heftige Reaktion seines Gegenübers. Doch eigentlich hat die Reaktion nicht wirklich direkt mit ihm zu tun. Ich finde es wichtig, das auch mitzuteilen, denn es können sonst unnötig riesige Schuldgefühle beim anderen entstehen.

Nun ist die Zeit, Frieden zu schließen, indem ich mich entschuldige für meine Überreaktion. Der andere hat die Möglichkeit, sich für seinen Anteil zu entschuldigen. Die Zeit der Versöhnung ist da. Nicht eine oberflächliche Form von Waffenstillstand, sondern ein echter, tiefer Friede.

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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