29. Mai 2015

Passive Aggression macht Beziehung kaputt


Gary Chapman beschreibt passive Aggression als Reaktion auf Verletzungen durch andere. Man beginnt, ihnen Unterstützung oder Aufmerksamkeit zu verweigern.

Wenn zwei oder mehrere unterschiedliche Menschen eng zusammenleben, bedeutet dies unweigerlich Konflikte und Auseinandersetzungen, auch wenn diese vielleicht nur unterschwellig schwelen und nicht offen ausgetragen werden.

Georg und ich sind eindeutig ein Paar, das die offene Konfrontation lebt. Wir halten es beide nicht aus, wenn Ungereimtheiten in der Luft liegen. Lieber mal ein ordentliches reinigendes Gewitter als ständig frostige Nebelschleier des Schweigens oder der passiven Aggression. Das war nicht immer so.

Passive Aggression kommt schleichend und unbemerkt

Den Begriff „Passive Aggression“ habe ich zum ersten Mal im Buch „Die andere Seite der Liebe“ von Gary Chapman kennengelernt. Er meint damit jene Reaktion auf Verletzungen durch andere, dass man plötzlich beginnt, ihnen Unterstützung oder Aufmerksamkeit zu verweigern. Es ist eine versteckte Form von Rache, die den anderen durch Liebesentzug bestraft. Er schreibt, passive Aggression sei oft sogar zerstörerischer als offene Aggression, da sie so schleichend und unbemerkt eine Beziehung „aushungert“ und letztlich kaputtmacht.

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich oft auf Konflikte mit passiver Aggression reagiert. Ich gab zwar vor, dem Partner zu verzeihen, doch sobald er dann etwas von mir wollte, hatte ich plötzlich keine Zeit und soo dringend etwas anderes Wichtiges zu tun…ich wollte es ihn noch ein wenig spüren lassen, dass er mir davor wirklich weh getan hatte.

Konflikt in Ruhe klären

Genau das sollte durch einen offenen Umgang mit Konflikten vermieden werden. Die Sache soll geklärt werden, in aller Ruhe und Tiefe. Georg und ich setzen uns meist erst zu einem Gespräch zusammen, wenn die Emotionen etwas abgekühlt sind. Dann versuchen wir, abwechselnd unsere Sichtweise zu schildern und dem anderen wirklich zuzuhören. Jeder bekommt z.B. zehn Minuten zum Reden und der andere fasst dann das Gesagte zusammen. So sieht man auch, ob die Botschaft angekommen ist. Das Ganze führen wir so lange fort, bis wir den Eindruck haben, dass alles geklärt ist.

Manchmal ist es nötig, Konfliktthemen in mehreren Sitzungen, eventuell auch mit einer dritten Person als „Schiedsrichter“ zu bearbeiten. Wir hatten im Verlauf unserer Ehe schon wirklich schwierige Themen, wo wir solche Unterstützung durch einen Coach brauchten. Und ich bin sehr froh, dass wir diesen Schritt auch gewagt haben. Klar fühlt man sich komisch, wenn man „Hilfe von außen“ in Anspruch nimmt. „Wir sollten das allein checken!“, könnte man denken, oder: „Wir sind doch zwei vernünftige erwachsene Menschen…“

Auch Erwachsene haben „unreife Zonen“

Mittlerweile bin ich mir dessen bewusst, dass auch Erwachsene Bereiche in ihrer Persönlichkeit haben können, die „unreif“ und somit nicht gerade „vernünftig“ sind. Wenn aus irgendeinem Grund eine solche unreife Zone angerührt wird, etwa durch einen Vorwurf, kann man aus heiterem Himmel super-emotional werden. Der andere drückt (meist unbewusst) einen Auslöseknopf und plötzlich kommen Verletzungen aus der Vergangenheit mit hoch. Wenn dann nicht zumindest einer der beiden versteht, was da gerade vorgeht, schaukelt sich die Sache hoch und endet in gegenseitigen Beschuldigungen, Verletzungen und Unverständnis.

Um Kraft zur Vergebung bitten

Deshalb ist es gut, in solchen Situationen zunächst mal eine kurze Auszeit zu nehmen und selbst zu reflektieren, was da gerade los war. Ich ziehe mich dazu allein in ein Zimmer zurück und frage Gott um Rat. Er kennt schließlich meine ganze Geschichte.

Meist zeigt er mir irgendeinen Punkt auf, der Heilung braucht. In meinem Tagebuch schreibe ich mir das auf, um es beim nächsten Seelsorgegespräch loszuwerden. Dann bitte ich ihn um Kraft zur Vergebung und entschuldige mich bei Georg für meinen Anteil am Streit, der mir bewusst geworden ist.

Passend dazu: Wenn sich zwei streiten und Tipps: Wenn Kinder streiten

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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