28. Januar 2016

Eine lebenslange Beziehung wird nie langweilig

Lebenslange Beziehung - meinefamilie.at

Am eigenen Partner gibt es immer etwas zu entdecken. Eine Ermutigung für Paare, in eine lebenslang wachsende Freundschaft zu investieren.

Wenn zwei Menschen einander kennenlernen, gibt es eine Menge zu entdecken. Es gibt Gemeinsames, aber auch Unterschiedliches. Es gibt Komisches, Liebenswertes, Schrulliges. Es gibt Eigenheiten, die uns anfangs originell erscheinen, mit der Zeit aber auch nerven können. Es gibt Geschichten von früher, die wir nach und nach erzählt bekommen oder dem anderen entlocken. Es ist unglaublich spannend, die Welt mal aus der Perspektive des anderen wahrzunehmen. Seine Eindrücke, Gedanken und Gefühle kennenzulernen. Ein neuer Mensch ist wie ein eigenes Universum, das es zu erkunden gilt. Immer wieder entdecke ich neue Seiten an meinem Mann, die ich bisher nie wahrgenommen hatte und denke mir: „Gibt es das? Wie konnte ich das übersehen?“ Vielleicht aber hat er diese Seiten erst im Lauf der Jahre kultiviert. Das ist ja gerade das Besondere daran: Wir entwickeln uns auf verschiedenen Ebenen ständig weiter. Deshalb wird meiner Meinung nach die Beziehung zu nur einem Lebenspartner nie langweilig! Denn wenn beide offen sind, sich weiterzuentwickeln, gibt es eine gesunde, vorwärts gerichtete Dynamik. Ein ganzes Menschenleben ist nicht genug, um alles am anderen zu entdecken!

Gleichzeitig ist diese spannende Entdeckungsreise aber auch eine Reise zu mir selbst. Indem ich den anderen kennen- und lieben lerne, lerne ich auch eine Menge über mich selbst. Ich merke, was mir persönlich wichtig ist. Ich merke, wie ich mich durch die Zuneigung und Annahme des anderen entfalte und aufblühe. Ich merke, wie das wachsende Vertrauen schlummerndes Potential in mir weckt.

Die Freundschaft gewinnt an Tiefe

Mir gefällt der Spruch von Friedrich von Bodenstedt:

„Eine einzige Stunde vertraulicher Mitteilung bringt zwei fremde Menschen einander näher als ganze Jahre gewöhnlichen Zusammenseins.“

Wenn nun die Stunden vertraulicher Mitteilung mit zunehmenden gemeinsamen Jahren immer mehr werden und die Freundschaft an Tiefe gewinnt, ist das einer der kostbarsten Schätze, den man sich wünschen kann.

Intimer Austausch ist wie Schatzsuche

Als mein Mann und ich erst kurz ein Paar waren, nannten wir solche Zeiten „Schatzsuche“. Jedes Mal, wenn einer von uns etwas sehr Persönliches von sich preisgab, vielleicht zum allerersten Mal vor einem menschlichen Wesen, bezeichneten wir dies als „Schatz“. Dazu gehörten Kindheitserinnerungen, peinliche Erlebnisse, komische Situationen, aber auch schmerzhafte Erfahrungen. Nicht selten brach ich beim Erzählen in Tränen aus, weil das Erlebte so stark nachwirkte. Manchmal mussten wir aber auch über einzelne Situationen so sehr lachen, dass uns die Tränen kamen. Ich liebe solche Zeiten vertraulicher Mitteilung. Sie bringen mich direkt zum Herzen meines Mannes. Die Verletzlichkeit, die mit dieser Offenheit einhergeht machte mir anfangs ein wenig Angst, doch mit den Jahren habe ich gemerkt, wie gerade dieses Sich-Verletzlich-Machen uns zusammenschweißt. Das Risiko, in diesem Sich-vertrauensvoll-Öffnen verletzt zu werden, betrifft beide. Es gehört Mut dazu, das stimmt. Andererseits ist der Gewinn eine tiefe, vertrauliche und einzigartige Beziehung und mit nichts zu ersetzen.

In Sir. 6,14-15 heißt es:

Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt;
wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden.
Für einen treuen Freund gibt es keinen Preis,
nichts wiegt seinen Wert auf.

Freundschaft ist die Basis einer gelungenen, lebendigen Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau. So haben wir es zumindest erlebt. Ich möchte jedes Paar ermutigen, zur Pflege dieser wachsenden Freundschaft Zeit, Interesse und Offenheit zu investieren. Ihr werdet es nicht bereuen!



EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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