21. September 2018

Kindererziehung: Wenn sich Eltern nicht einig sind

eltern uneinig - meinefamilie.at

Wenn ein Kind geboren wird, steht auch ein gut eingespieltes Paar vor neuen Herausforderungen. Und dabei kommt es immer wieder zu Situationen, in denen sich junge Eltern nicht einig sind. Doch wie geht man damit um, wenn die Erziehungsvorstellungen zum Streitthema werden?

„Schau, was ich unserem Sohn beigebracht habe!“ Sagte eines Tages mein Mann stolz zu mir. Ich war schon gespannt. Unser Sohn, 20 Monate alt, machte sich seine Hände schmutzig und wischte sie in seiner Hose ab. Mein Mann blickte zu mir und lächelte zufrieden. Ich fragte ihn, ob er wirklich darauf stolz ist, dass sich unser Kind seine Hände in die Hose abwischt? War er.

Das war eine Geschichte, über die ich lachen konnte. Doch was ist, wenn die Erziehungsstile so dermaßen auseinander gehen, dass es für die Liebesbeziehung belastend wird? In erster Linie muss man sich im Klaren sein, woher eigentlich die Erziehungsstile kommen.

Reise in die Vergangenheit

Manche gehen mit Kindern liebevoll und locker um, manche erwarten Disziplin, manche versuchen eine Mischung aus allem zu machen. Egal, welche Vorstellungen man hat, die meisten stammen aus der eigenen Kindheit und prägen uns das ganze Leben. Viele nehmen ihre Eltern als Beispiel und wollen es genau so machen. Aber es gibt auch Menschen, die der Meinung sind, dass sie alles anders machen wollen, als es ihre Eltern getan haben. Und dann ist da noch die Tatsache, dass wir vieles unbewusst übernehmen und oft unseren Eltern ähnlicher sind als uns lieb ist. Wird man sich dessen bewusst, kann man analysieren, was unsere Kinder mit ihrem Verhalten in uns auslösen und wie reagieren wir am Besten darauf?

Wie erziehst du?

Stoßen zwei Menschen aus unterschiedlichen Familien zusammen, kann es schon mal zu Spannungen kommen. Vor allem wenn es um die eigenen Kinder geht, wird oft emotional reagiert und laut gestritten. Denn jeder will nur das Beste für das eigene Kind. Doch das Beste kann in den Augen meines Partners ganz anders aussehen, als in meinen Augen. Deshalb lohnt es sich bereits in der Schwangerschaft einige Fragen zu klären. Man kann sich nicht auf alles vorbereiten, dennoch erspart man sich viel Stress, wenn man bereits weiß, was dem eigenen Partner wichtig ist und wie er das gemeinsame Kind erziehen möchte.

Wie lange bleibe ich bei dem Kind zu Hause? Möchtest du auch zu Hause bleiben? Wo soll das Kind schlafen? Braucht es überhaupt ein eigenes Zimmer? Wann und wie viel soll es fremd betreut werden? Werden wir es streng erziehen oder eher bedürfnisorientiert? Soll es mehr auf einer Augenhöhe mit uns kommunizieren oder einfach tun, was wir sagen? Wie werden wir mit Erziehungsfehlern umgehen? Und was tun wir, wenn wir uns nicht einig sind? Ein offenes Gespräch hilft in der Zukunft sich zu einigen und vermeidet böse Überraschungen.

Flexibel bleiben

Jeder, der ein Kind bereits hat, wird es bestätigen: die Vorstellungen, die man vorher hatte, ändern sich oft und manches tut man doch anders als geplant. „Unser Kind wird nie bei uns im Bett schlafen.“ Das war mein Lieblingssatz bevor unser Sohn zur Welt kam. Heute schläft er noch immer bei uns und ich habe nicht vor, ihn schnell aus dem Bett zu verbannen… Damit will ich sagen, man sollte an den eigenen Vorstellungen nicht so hängen und mal auch hinterfragen, ob die eigene Lösung wirklich die beste ist. Vielleicht hat der Partner recht und seine Reaktion in einer bestimmten Situation wäre für alle besser.

Wenn ich meinem Mann immer das Gefühl geben würde, seine Meinung wäre nichts wert, würden wir uns in einem ewigen Kampf befinden.

Ich finde, es macht Sinn, wenn man auch viel auf das eigene Bauchgefühl hört. Unsere Urinstinkte sind noch immer in uns verankert und bieten oft die besten Lösungen. Und als eine gute Ergänzung gibt es unzählige Bücher über die kindliche Entwicklung. Wenn man Kinder versteht, reagiert man oft auch anders und kann auch besser argumentieren. So hat mir mein Mann schon oft recht gegeben. Obwohl er anderer Meinung war. Aber meine Argumente basierten auf der kindlichen Entwicklung. Und er war froh etwas Neues gelernt zu haben. Allerdings habe ich ihm auch schon oft recht gegeben und ich finde, wir ergänzen uns ganz gut.

Wichtig ist einen Weg zu finden, der für beide Partner zufriedenstellend ist. Wenn ich als Mama meinem Mann immer das Gefühl geben würde, seine Meinung wäre nichts wert, würden wir uns in einem ewigen Kampf befinden und anstatt zusammen zu arbeiten, uns voneinander entfernen. Und das wäre das Ende einer kleinen glücklichen Familie.

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EIN ARTIKEL VON
  • Mirka Huber

    Ich bin Journalistin und seit 2016 Mama von einem Jungen. Seitdem ist mein Leben erfüllter denn je. Meine kleine Familie ist wie eine Ruheinsel, denn neben Beruf und Familie betreue ich noch eine Pfadfindergruppe. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit Lesen, in der Natur, mit Freunden oder Sport.


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