15. Dezember 2016

Ich versteh dich manchmal einfach nicht!

Ich versteh dich manchmal einfach nicht - meinefamilie.at

Auch den besten Ehepartner können wir manchmal einfach nicht verstehen. Warum es gut tut, sein eigenes Denken und Handeln zu reflektieren – oft verurteilen wir andere unbewusst.

Solange es uns gut miteinander geht, wir gemeinsam in die gleiche Richtung blicken und einander unterstützen, lebt es sich beziehungstechnisch ganz gut. Gut, dass es in einer langjährigen Beziehung bzw. Ehe viele solcher Phasen gibt. Doch was ist, wenn ich manche Verhaltensweisen oder Aussagen des Partners einfach nicht verstehe? Wenn mich seine Meinung nervt, aufregt, vielleicht sogar verletzt? Wenn unsere Sichtweise diametral auseinanderliegt? Wenn diese Meinungsverschiedenheiten nicht nur die Harmonie der Beziehung trüben, sondern ganz praktisch den Alltag einschränken? Nicht jede solcher Situationen ist durch ein Gespräch oder gemeinsames Gebet lösbar.

Manchmal hab ich weder Lust zu beten noch zu reden, sondern einfach nur den Wunsch, endlich mal verstanden zu werden.

Können Frauen und Männer denn einander wirklich verstehen? Viele Ratgeber sind darüber schon geschrieben worden, die unsere Unterschiedlichkeit erklären wollen. So sehr ich es mir selbst wünsche, manchmal frage ich mich wirklich, ob es überhaupt in der Form möglich ist, wie ich mir das vorstelle.

Ich versteh dich manchmal einfach nicht - meinefamilie.atKönnen wir uns wirklich verstehen?

Jeder Mensch ist nun mal sehr unterschiedlich geprägt durch die eigenen Erfahrungen und nicht jeder hat die gleiche Fähigkeit, empathisch zu sein. Völlig verstehen kann mich wahrscheinlich kein Mensch, genauso wenig wie ich andere völlig verstehen kann. Ich ertappe mich selbst oft dabei, dass ich von mir, meinen Gefühlen und Verhaltensweisen ausgehe, wenn ich das Verhalten meines Gegenübers beurteile. Und da bin ich wahrscheinlich bereits einen Schritt zu weit gegangen. Das „Beurteilen“ liegt nahe am „Verurteilen“. Sobald ich beginne, jemanden aufgrund seines Verhaltens in eine „Kiste“ zu stecken, ist eigentlich jede Basis für wirkliches Verständnis zerstört. Wenn ich mir innerlich denke: „Ist ja klar. Wiedermal macht er… Er denkt ja nur an sich…“ kann ich klarerweise nicht mehr unvoreingenommen die Begebenheit betrachten und neugierig bleiben.

Kinder sind da viel unverdorbener. Sie sehen eine Handlung und stecken sie nicht gleich in eine Kiste.

Kinder sind neugierig und fragen: „Warum machst du das?“

Das gibt dem Gegenüber die Möglichkeit, sein Handeln zu erklären. Sehr oft merke ich, dass ich mit meiner – oft  zu schnellen – Interpretation sehr falsch liege. Gar nicht so selten habe ich dadurch Menschen Dinge unterstellt, die so gar nicht stimmten. Im Nachhinein tat es mir dann sehr leid und ich entschuldigte mich.

Wir handeln oft unbewusst

Oft merken Menschen gar nicht, dass sie uns mit ihrem Verhalten stören, nerven oder verletzen. Bis auf ein paar Ausnahmen geschieht vieles unbewusst. Deshalb ist es auch wichtig, das in der Situation anzusprechen. Man könnte z.B. sagen: „Ich respektiere deine Meinung in der Angelegenheit, doch ich merke, dass es mich stört, wenn du so sehr auf deiner Sicht beharrst. Ich sehe es anders und möchte, dass du meinen Standpunkt auch respektierst.“

Oftmals gibt es kein „Entweder-Oder“, sondern ein „Sowohl-als-auch“. Es ist nicht immer eine Meinung komplett richtig und eine komplett falsch. Falls einer der Partner das Recht für sich beansprucht, wird es schwierig, weiterzureden. Es braucht eine gewisse demütige Haltung zum gegenseitigen Verständnis. Wichtig dabei ist, dass wir uns nicht so sehr auf das sachliche Problem konzentrieren, sondern auf die Person dahinter einlassen, sie noch näher kennenlernen wollen und ihre Meinung stehen lassen können. Dann entsteht das Gefühl des Akzeptiertseins, trotz allem. Und das bildet eine gute Basis für mehr Verständnis.

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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