15. April 2015

Hingabe ist Liebesbeweis


Wie oft nörgle ich am Ehepartner herum und sehe nur seine Schwächen? Die tägliche Dosis der Hingabe erhält die Liebe: Schwächen verzeihen, Zuneigung zeigen.

Die von Christus überströmende Liebe zwischen Mann und Frau will unser ganzes, gemeinsames Leben formen. Sie ist auch die Basis jeder erotischen und sexuellen Liebe; weil sie geprägt wird von Ehrfurcht und Hochachtung, gepaart mit Zuwendung und Zurückhaltung, die vor allem uns Eheleuten einen geschützten Freiraum schafft.

Die Schrift sagt, Gott habe die Menschheit so sehr geliebt, dass er seinen eigenen Sohn für sie hingab (1 Joh 4,10). Das ewige Wort Gottes wird Mensch, die Liebe des Vaters erscheint sichtbar in Jesus Christus. Es bleibt eine unbestreitbare Tatsache: Der höchste Beweis der Liebe zu einem anderen Menschen erweist sich in der Hingabe des Lebens für die geliebte Person. Genau das tut Christus für seine Kirche, die für die ganze Menschheit steht. Jesus gibt sich am Kreuz freiwillig für alle hin und zieht sie als der erhöhte Herr ganz zu sich. Indem er sein Leben verschenkt, gewinnt er es nicht nur für sich selbst, sondern schafft damit gleichzeitig neues, unvergängliches Leben für die Kirche.

Durch Zuneigung oder Versöhnung Hingabe zeigen

Aber übersteigt dieser Anspruch nicht unsere menschlichen Möglichkeiten als Ehepartner? Natürlich dürfen wir nicht übersehen, dass die Realität oft hinter dem Ideal zurücksteht. Aber gerade darin bleibt diese Liebe Christi ein Maßstab für unsere eheliche Liebe durch die Bereitschaft, in den täglichen Dingen des Alltags das Leben in kleinen Raten füreinander zu geben: durch unausgesprochene Zeichen der Zuneigung, aber auch in einer großzügigen Geste des Verzeihens gegenüber Schwächen und Fehlern, selbst wenn vielleicht nie die Situation eintritt, auch das physische Leben für den geliebten Menschen hinzugeben.

Diese tägliche Dosis der Hingabe des Lebens für den anderen zeigt sich vor allem darin, ob wir als Ehepartner am anderen die kleinen Reibungsflächen ohne inneres Zähneknirschen verkraften.

Wie leicht nörgle ich an ihm herum, bin mit nichts zufrieden und sehe oft nur seine Schattenseiten. Manchmal erschrecke ich darüber, wie negativ ich über ihn denke, wie ich mich an vielen Kleinigkeiten stoße. Dann gibt es nur eines: Ich darf keinesfalls meinen Ärger in mich „hineinfressen“, sondern ich lasse lieber alle „wichtigen Verpflichtungen“ stehen und liegen. Wir nehmen uns jetzt Zeit, in Ruhe und Gelassenheit, vielleicht bei einem Spaziergang, uns zu erzählen, was wir empfinden, auch welche Ängste wir verspüren. Wir sprechen in aller Offenheit auch jene Dinge an, die uns am anderen nerven: dass man in Gegenwart anderer sich möglicherweise über den Partner lustig gemacht hat oder seine kleinen und großen Schwächen in den Vordergrund stellte, dass man „von oben herab“ zu ihm redete, ihm manchmal das Wort abschnitt, ihn unterbrach oder ihn ständig korrigierte. Als Liebende sind wir uns diese Form der Ehrlichkeit aus der Achtung dem anderen gegenüber einander schuldig. Ein Wort der Entschuldigung kann offene Wunden heilen, damit diese nicht immer wieder aufreißen.

Lachen können ist wie Partnerschaftsversicherung

Wie oft merke ich dann, dass ich mir in meinen Missverständnissen einen negativen Gedankenballon aufgepumpt hatte, der sich jetzt selbst in der Aussprache als „Ent-Täuschung“ entlarvt und sich wie eine Seifenblase in Luft auflöst, sodass wir beide nur herzhaft darüber lachen. Überhaupt, wenn wir über uns und unsere Beziehung zu lachen in der Lage sind, auch in schweren Zeiten, dann ist uns in dieser Art Partnerschaftsversicherung schon viel geholfen.

Natürlich befindet sich unsere Beziehung als Ehepartner in einer dauernden Entwicklung und ist nie ein Endzustand. Jeder von uns verändert sich. Deshalb dürfen wir auch immer wieder voneinander und füreinander lernen, wenn wir zum Beispiel dem anderen von unserem beruflichen Erfolg berichten, was wir Neues entdeckt und erfahren haben. Wir lassen einander teilhaben an unseren persönlichen Entwicklungen, damit auch unsere Liebe sich weiterentwickeln kann.

Passend zum Thema: Die persönliche Liebesgeschichte lebenslang erhalten

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EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe ins Heilige Land führte, fand ich meine Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe und Reiseleiter fand ich hier auch meine “wahre” Heimat.


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