6. April 2016

Drei Haltegurte der lebenslangen Ehe

Lebenslange Ehe - meinefamilie.at

Eine christliche Ehe ist lebenslang. Dank dreier Haltegurte reißt sie nicht: dank der wachsenden Liebe, dem gegenseitigen Aufbauen und dem ständigen Neu-Entdecken des Ehepartners.

Vielleicht seid ihr auch schon Leuten begegnet, die sagten: „Wenn ich daran denke, dass ich mit einem Menschen ein ganzes Leben lang zusammen leben müsste, dann wird es mir ganz schwarz vor den Augen. Bei dem Gedanken, mich ewig an einen Menschen zu binden, oh je, da kommen mir Albträume. Außerdem habe ich schon so viele negative Erfahrungen gemacht mit Menschen, die mich bitter enttäuscht haben, obwohl ich ihnen mein ganzes Vertrauen geschenkt hatte. Nein danke, liebe nicht. Lebenspartnerschaft auf Zeit ja, aber nicht mehr“.

Liebe soll sich vertiefen

Im Buch Kohelet heißt es: „Eine dreifache Schnur reißt nicht so schnell“ (Koh 4,12). Auf die christliche, lebenslange Ehe bezogen, könnte man so eine Schnur als ein festes Seil oder Haltegurt bezeichnen. Wie das erste Seil geknüpft werden kann, empfiehlt der Apostel Petrus in seinem Ersten Brief: „Mit reinem Herzen liebt einander inständig“ (1.Petr 1,22). Hier wird die Qualität der Liebe auf einen Punkt gebracht: anhaltend, beharrlich und von Herzen. Während zu Beginn der Ehe die Liebe in ihrer Frische einem wilden Gebirgsbach gleicht, so soll sich diese Liebe immer mehr zu einem klaren Bergsee vertiefen, dessen Grund tiefer Zuneigung füreinander nicht mehr von der heftigen Gefühls-Bewegungen der Oberfläche aufgewühlt werden kann.

Dem Ehepartner Mut machen

Die Gebrauchsanweisung für den zweiten Haltegurt finden wir bei Paulus im Ersten Brief an die Thessalonicher: „Macht einander Mut; ein jeder baue den anderen auf“ (1.Thess 5,11). Einander Mut machen beinhaltet, dem Ehepartner Freude schenken, beispielsweise in kleinen Aufmerksamkeiten während der Hektik des Alltags: ein gemeinsames Abendessen bei klassischer Musik und Kerzenlicht, ein unerwarteter Blumenstrauß voller duftender Nelken. Sich gegenseitig aufbauen bedeutet, alles für den anderen tun, was ihm Freude macht, sowohl auf praktischer als auch auf geistlicher Ebene.

Den Ehepartner ständig neu entdecken

Der dritte und wichtigste Haltegurt besteht darin, dass wir Jesus selbst mit auf den Weg nehmen. Bei Lukas 24 gingen die zwei Jünger mit ihm nach Emmaus. Ist nicht unser ganzer Lebensweg als Ehepartner ein Weg nach Emmaus? Wie die Emmausjünger stolpern vielleicht auch wir manchmal verbittert, verzweifelt, innerlich ausgelöscht vor uns hin. Wir merken zunächst gar nicht, dass da ein Dritter mit uns den Weg geht. Weil wir in unserem Weltschmerz den Blick auf den Boden gesenkt halten. Wir sehen nur die irdischen Zusammenhanglosigkeiten.

Und doch ist er da. Er geht einfach mit. Obwohl er uns ganz nahe ist, glauben wir ihn fern und verloren. Er zeigt sich sogar bereit, mit uns – so wie mit den Emmausjüngern – in die falsche Richtung zu gehen. Aber gerade durch seine Gegenwart öffnet sich ein Tor in der Dunkelheit unserer Seele. Und es lichtet sich das Bewusstsein: Christus will in unserer Ehe gegenwärtig sein, heute und jetzt. Unser Weg nach Emmaus besteht in einer ständigen Neuentdeckung seines Antlitzes in unserem Ehepartner und in unserem Nächsten.

Wir hatten ein Wort lieblos hingeworfen, eine feste Meinung uns über ihn gebildet. Da erkennen wir plötzlich ganz neue Seiten an ihm, von dem wir glaubten, er sei innerlich verknöchert.

Und die negative Meinung, die wir uns von ihm gebildet hatten, zerfällt wie ein Kartenhaus. Dieses Gesicht war uns doch so nichtssagend vorgekommen, so flach und langweilig wie eine blasse Tapete, zeigt sich jetzt von einer völlig anderen Seite. Eine Tür tut sich auf: brennende Herzen und die Hoffnung auf einen Neubeginn. Aus der Selbstverschließung wachsen Ergriffenheit und Dank.

Ein Leben lang Höhen und Tiefen teilen

So besteht der eigentliche Kern einer christlich verstandenen Ehe darin, ein Leben lang gemeinsam die Höhen und Tiefen des Alltags in eine liebevoll gestalteten Beziehung zu teilen. Gerade weil sich zwei Menschen auf diesen dauerhaften, lebenslangen Weg eingelassen haben, kann sich eine Form der Liebe entwickeln, die nur ihnen beiden gehört, die Außenstehende vielleicht nur erahnen können. Eine Liebe, die durch nichts mehr bedroht werden kann, selbst nicht durch den Tod am Ende des Lebens. Eine solche Liebe bedeutet letztlich ein Geschenk „von oben“, ein Geheimnis und eine Gnade, deren Flamme durch den christlichen Glauben genährt und lebendig gehalten wird.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe aus Deutschland ins Heilige Land führte, fand ich meine zukünftige Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe, Reiseleiter und Schriftsteller fand ich in der Heimat Jesu auch meine “wahre” Heimat.



1 Kommentare
  • Tiramisu, 7. April 2016, 17:26 Antworten

    Kohelet 4,12 war die Stelle, die wir bei unserer Hochzeit als Lesung hatten... danke für diesen schönen Artikel!

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at