30. April 2015

Als Ehepaar: Gemeinsam sind wir stark


Mit drei Kindern ist viel zu tun, doch dank meiner Ehefrau schaffte ich es, mein Doktorat abzuschließen. Als Ehepaar gilt eben: Gemeinsam sind wir stark!

Gemeinsam sind wir stark – Oder: Wie der dreifache Papa sein Doktorat schafft

Als ich im Jahr 1981 nach Jerusalem auswanderte und mit Louisa unseren gemeinsamen Lebensweg begann, ermunterte mich meine Frau, neben der gemeinsamen Arbeit als Pilgerführer durch das Heilige Land auch mein Diplom in Theologie durch weiter Studien am Jerusalemer Bibelinstitut „Studium Biblicum Franciscanum“ mit einem „Master degree“ zu ergänzen. Louisa hatte dort schon sieben Jahre lang die Vorlesungen besucht und konnte so durch ihre guten Kontakte mit dem Archäologieprofessor Bellarmino Bagatti ihrem Mann die „Fackel“ der Wissenschaft leicht weiterreichen. Mit Begeisterung nahm ich erneut seine Studien in biblischer Theologie und Archäologie auf. Es war nicht immer leicht, zwischen der Arbeit noch eine freie Stunde für die Vorlesungen zu finden und sich dann am Ende des Semesters auf die Prüfungen vorzubereiten, zumal sich zwischen den Jahren 1983-1985 unsere drei Kinder als außerordentliche „Geschenke des Himmels“ angemeldet hatten.

Wir ergänzen uns als Eltern

Beim Fläschchengeben, Windeln-Wechseln und die Kleinen-in-den Schlaf-Singen ergänzten wir uns als Eltern gegenseitig. Zwischendurch erinnerte Louisa mich an meine bevorstehenden Examina in neu- und alttestamentlicher Exegese, im biblischen Griechisch, in Kirchengeschichte und Geographie des Heiligen Landes. Bei Studium des Aramäischen, der Sprache Jesu, entdeckte sie eine enge Verwandtschaft zum Arabischen, Louisas Muttersprache.

Die Professoren am Bibelinstitut schmunzelten manchmal, wenn ich mit tiefen Ringen unter den Augen vom nächtlichen Büffeln zur Prüfung antrat. Gleichzeitig machten sie mir aber auch Mut, nur entschieden weiter am „Ball zu bleiben“, damit weiterhin meine Kinder auf ihren Studentenpapa stolz sein konnten. Professor Bagatti riet mir als Spezialist für frühchristliche Archäologie zu einer archäologischen, theologischen und geschichtlichen Forschung über das biblische Ephraim, dem heutigen christliche Dorf Taybeh. Professor Michele Picirillo begleitete als Freund der Familie wissenschaftlich diese Arbeit, die ich mit Louisa als Rückenwind zu einem erfolgreichen Abschluss bringen konnte.

Nach dem Masterdiplom die Doktorarbeit

Als ich meiner Frau das Masterdiplom als „Familie-Trophäe“ überreichte, meinte sie mit einem liebevollen Blick: „Warum packst du jetzt nicht eine Doktorarbeit an?“. Ich erhob jedoch abwehrend die Hände. „Eine Dissertation ist normalerweise ein „Full time job“ von mindestens zwei Jahren intensiven Studiums. Wie soll das geschehen, da ich die Zeit dazu nicht erkenne?“ Louisa schaute mich jetzt herausfordernd an und stellte dabei lakonisch fest: „Gemeinsam sind wir stark, auch wenn nicht alles in „normalen“ Bahnen verläuft. Du wirst sehen, auch die Zeiteinteilung kriegen wir schon gemeinsam in den Griff.“ Bei soviel Zuversicht musste selbst ich mich geschlagen geben. Wenige Wochen darauf führten wir eine amerikanische Gruppe aus der Familienerneuerungs-Bewegung „Marriage
Encounter“ auf die Spuren der Bibel. Die abendlichen Gespräche mit den Ehepaaren kreisten immer wieder um die Bibelstelle des fünften Kapitels in Epheserbriefen, die Verse 21-32. Denn von dort leitet die Kirche das Ehesakrament ab, wenn der Apostel Paulus die Liebe Christi zu seiner Kirche mit der Liebe zwischen Mann und Frau vergleicht und diese Realität als ein „großes Geheimnis“ bezeichnet.

Dank der Ehefrau geschafft – gemeinsam sind wir stark

Damit stand für mich und Louisa das Thema für die Dissertation fest. Die Forschungsarbeit konnte beginnen – zwischen Gruppenführungen, Doktorantenkurs, Kinder-zum-Arzt-Bringen und den ruhigen Stunden in der Nacht. Ohne Louisas „Schützenhilfe“ hätte ich diese Aufgabe nie bewältigt. Immer wieder machte sie mir Mut, wenn ich manchmal frustriert die „Flinte ins Korn“ werfen wollte. Wie oft weckte sie mich morgens um vier Uhr mit dem „Schlachtruf“: „Aufstehen, mein Doktorant! Der Computer ist schon eingeschaltet. Dein Stapel Bücher liegt daneben. Gleich stelle ich dir eine Tasse starken Kaffee auf den Schreibtisch“. Und so nahm die Arbeit allmählich Formen an. Schließlich war es soweit. Am 21. Juni 1994, am Fest des heiligen Aloisius: Magna Aula an der Lateran Universität in Rom. Am Professorentisch Dr. Romano Penna, mein Doktorvater. Der Direktor der Universität begrüßt die Anwesenden, allen voran Louisa, die Frau des Kandidaten, indem er ihr alles Gute zu ihrem heutigen Namenstag wünscht. Während ich meine These in der Aktualisierung von Epheser 5, 21-32 für die Ehepaare von heute vortrage und verteidige, malen meine drei Kinder mit ihrer pfiffigen Beobachtungsgabe auf ihrem Zeichenblock, die elfjährige Mirjam, der zehnjährige Emmanuel und die neunjährige Elizabeth die einzelnen Professoren: wie der eine mit seiner Brille spielt, der andere sich alle zwei Minuten hinter dem Ohr kratzt und ein dritter ununterbrochen gähnt.

Als schließlich am Ende die Professoren mein Doktordiplom aushändigten und anschließend bei einem Glas Sekt zu meinem Erfolg gratulierten, umarmten unsere Kinder mit Mama Louisa spontan ihren Papa, was wohl an dieser theologischen Fakultät in Rom kaum jemals erlebt hatte.

Passend dazu: Papa und ich – eine besondere Zeit

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EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe aus Deutschland ins Heilige Land führte, fand ich meine zukünftige Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe, Reiseleiter und Schriftsteller fand ich in der Heimat Jesu auch meine “wahre” Heimat.


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