12. Oktober 2017

Gebet als Ehepaar: Gemeinsam in Beziehung mit Gott

Als Paare gemeinsam beten - meinefamilie.at

Für das Gebet als Ehepaar haben wir unsere Formen und Rituale gefunden, um gemeinsam auf Gott zu hören und durch das Gebet immer wieder zueinander zu finden – auch nach dem Streit.

Dieser Beitrag ist in der Zeitschrift Familie als Berufung erschienen. Autoren sind diesmal Christine und Felix Mayer, Schönstatt-Familientrainer aus Wien.

Als wir vor vielen Jahren unsere Ehevorbereitung bei Schönstatt gemacht haben, hat Pater Beller zu allen Teilnehmern gesagt: „Und wenn diese Woche dazu dient, dass ihr herausfindet, dass euch Gott NICHT einander zugedacht hat, war sie auch sinnvoll!“

Zuerst waren wir ein bisschen schockiert. Die meisten Paare hatten schon ihren Hochzeitstermin festgelegt und waren mitten in der Planung ihres Festes. Was, wenn wir jetzt herausfinden, es ist doch nicht die richtige Entscheidung?

Aber dann haben wir dem bewusst nachgespürt: Gehören wir zusammen? Wie hat Gott uns zusammengeführt? Was ist uns am anderen wertvoll? Und schließlich: Möchten wir wirklich den Bund fürs Leben schließen – mit Gott als Dritten im Bunde? Es war für uns ein bewusstes JA zueinander und ein JA zu Gott, der uns zugesagt hat, uns auf unserem Weg als Ehepaar zu begleiten, mitzugehen, da zu sein – auch wenn es vielleicht einmal schwierig ist. Und wir glauben, diese bewusste Entscheidung hat uns auch später immer wieder geholfen, unseren gemeinsamen Weg weiterzugehen, weil wir gewusst haben, wir sind nicht alleine unterwegs.

Gott spricht durch den Ehepartner zu uns

Unser Gott ist ein Gott, der sich mitteilt. Wir glauben, dass er durch die Zeitgeschehnisse zu uns spricht und dass er auch durch Menschen zu uns spricht. Manchmal spricht er auch durch die Schönheiten der Natur zu uns oder er fordert uns heraus, wenn uns bewusst wird, wo es Handlungsbedarf gibt.

Wenn wir das auf unsere Ehe anwenden: Es ist schön, vom Ehepartner mitgeteilt zu bekommen: „Du, ich habe dich sehr lieb. Habe ich dir das heute eigentlich schon gesagt?“ Dann kommt das vom Partner selbst, aber ganz sicher auch als Botschaft vom lieben Gott.

Vielleicht sind die Botschaften aber auch einmal herausfordernd: „Du, kannst du mir bitte helfen, die Winterreifen zu montieren?“ oder „Ich merke, du bist in deiner Arbeitsstelle nicht so ganz glücklich. Möchtest du nicht einmal überlegen, was du da ändern könntest?“ oder „Bitte lass nicht immer die Socken neben deinem Bett liegen. Kannst du sie nicht gleich in die Schmutzwäsche geben?“

Gemeinsam hinhören, gemeinsam entscheiden

Es ist natürlich etwas ganz Besonderes, wenn beide Partner aus dem Bewusstsein leben: Gott teilt sich durch den Ehepartner mit, weil ja dann beide einerseits auf den anderen hinhören müssen, aber andererseits auch bewusst überlegen müssen: WAS sage ich dem anderen und WIE, in welcher Art und Weise, sage ich es dem anderen?

Denn auch der Ton macht die Musik, und wir glauben nicht, dass Gott herumkeppeln würde, dass es ihm „auf den Wecker geht“, wenn die Socken herumliegen.

Wir standen einmal vor der Entscheidung einer beruflichen Veränderung. Es war eine intensive Zeit des Ringens – was meinst du dazu? Was glauben wir, möchte Gott? Die Entscheidung war nicht leicht, weil auch mit Nachteilen verbunden und wir haben sie wirklich im gemeinsamen Gebet vor Gott hingelegt. Schließlich haben wir der Sehnsucht im Herzen nachgegeben und gemeinsam die Entscheidung zur Veränderung getroffen. Im Nachhinein, nach einigen Jahren, können wir sagen: Das hat Gott wirklich gut gefügt.

Einfach nur bei Gott verweilen

P. Beller hat immer wieder gesagt, es wäre theologisch richtig, vor einem Ehepaar eine Kniebeuge zu machen, weil durch das Sakrament der Ehe Gott anwesend ist. Und wenn schon Gott anwesend ist, möchten wir mit Gott auch als Ehepaar im Gespräch bleiben.

Vielleicht kann man besser sagen, wir möchten mit Gott in Beziehung bleiben, denn es müssen nicht immer Worte sein, um dem Ausdruck zu geben. Wir setzen uns manchmal in unser Hausheiligtum, zünden eine Kerze an (es kann auch die Hochzeitskerze sein, so noch vorhanden), als Zeichen, dass Gott da ist. Und dann passiert – nix. Rein äußerlich passiert nichts. Wir sitzen einfach da und verweilen bei Gott. Wir schauen Gott an, und Gott schaut uns an. Das ist Anbetung Gottes im Ehesakrament.

Es gibt viele Gebetsformen. Wir können uns Gott natürlich auch mit Worten zuwenden, freie oder fest geformte Gebete sprechen. Oder wir können gemeinsam ein Lied singen, es heißt ja, wer singt, betet doppelt. Da gibt es reichlich Möglichkeiten und es ist schön, gemeinsam das eine oder andere auszuprobieren oder sich mit anderen Familien auszutauschen und dann ein eigenes Gebetsbrauchtum zu entwickeln.

Das Gebet als Ehepaar ist anders als mit Kindern

Das Gebet als Ehepaar ist für uns schon ein bisschen anders als das Gebet mit den Kindern. Aber wir haben auch, als unsere Kinder noch bei uns gewohnt haben, nicht krampfhaft versucht, das zu trennen. Wenn wir am Abend mit den Kindern unseren Dank für den Tag vor Gott gebracht haben, haben wir auch unseres dazu gesagt und es hat für uns gepasst. Und manchmal haben wir dann, wenn sie schon geschlafen haben, uns nochmals hingesetzt und bei Gott verweilt.

Inzwischen sind unsere Kinder schon erwachsen. Wir haben uns als Paar ausgemacht, wann wir gemeinsam beten wollen. Das ist bei uns das Morgengebet und das Abendgebet. Für das Morgengebet ist der eine zuständig, für das Abendgebet der andere. Das haben wir uns so ausgemacht, weil einer von uns ein Morgenmensch ist und der andere ein Abendmensch. So darf immer der, der noch nicht oder nicht mehr so ganz „frisch“ ist, sich getragen fühlen. Und Sprechverbot hat man ja sowieso nicht, man kann immer noch etwas beitragen, aber man wird vom anderen durchgeführt.

Beim Morgengebet lesen wir auch manchmal gemeinsam das Evangelium des Tages. Man kann sich vielleicht dann auch ein Wort Gottes, einen Gedanken für den Tag, mitnehmen. Am Morgen bitten wir Gott, uns den Tag über zu begleiten bei unserer Arbeit und bei den Begegnungen mit den Menschen. Und wenn wir wissen, dass es an diesem Tag ein besonderes Gebetsanliegen gibt, z.B. eine Prüfung oder eine Operation, die jemand hat, nehmen wir das auch mit hinein.

Gemeinsam für andere beten

Am Abend beten wir auch immer den Abendsegen für alle, die den Segen in dieser Nacht besonders brauchen, für die Kranken, die Trauernden, die Einsamen, für die, die Sorgen haben oder vor schwierigen Entscheidungen stehen und für alle Menschen, die uns anvertraut sind bzw. für die es uns gibt.

Manche Ehepaare haben ein eigenes Ehegebet oder ein Weihegebet an die Gottesmutter geschrieben, das sie dann gemeinsam beten.

Wertvoll ist es auch, wenn man als Paar ein Brauchtum entwickelt hat, wie man aus einem Streit oder Konflikt – wenn es im Moment in der Beziehung „Funkstille“ gibt – wieder mit Gottes Hilfe herauskommen kann.

Ein gemeinsames Ritual kann sein, eine Kerze anzuzünden als Zeichen, dass man wieder versöhnungs- oder zumindest gesprächsbereit ist. Oder dass man gemeinsam ein Vaterunser betet und sich dabei an der Hand hält. Das kann man übrigens auch ohne Streit machen, in der Hl. Messe, und beim Friedensgruß geben wir einander nicht nur die Hand, sondern auch einen Friedenskuss, als Zeichen, dass wir den anderen ganz annehmen wollen.

Für uns gibt es aber noch viele andere Gelegenheiten, Gottes Gegenwart wahrzunehmen. In der Natur, beim Wandern, fällt uns unterwegs vieles auf: wie wunderschön die Blumen am Wegrand sind, die Tiere, die tolle Aussicht, die frische Luft, die Wolken am Himmel, der sanfte Wind. Wir machen uns auch manchmal gegenseitig aufmerksam auf das, was wir entdecken oder beobachten. Da spüren wir Dankbarkeit und andächtiges Staunen, wir nehmen Gottes Schöpfung ganz bewusst wahr und fühlen uns sehr beschenkt.

Anregungen für das Paargespräch

  • Wie hat Gott uns als Paar zusammengeführt? Wir kosten nach, wie wir uns kennen- und lieben gelernt haben.
  • Wann habe ich schon einmal erlebt, dass Gott sich durch meinen Partner mitgeteilt hat?
  • In welcher Art und Weise spreche ich unangenehme Dinge an – wie würde Gott es sagen?
  • Unser Gebetsbrauchtum als Ehepaar: Was lebt bei uns schon? Und wonach haben wir Sehnsucht?
  • Welches Versöhnungszeichen gibt es bei uns?

Familie als Berufung - meinefamilie.at

Dieser Artikel ist in der Zeitschrift Familie als Berufung (FAB) erschienen, der Zeitschrift für Paare, die zusammenbleiben wollen ;-). Bestelle ein kostenlose Probenummer oder ein Abo. Die FAB erscheint viermal pro Jahr und wird nur durch Spenden finanziert. Richtwert pro Jahr: Ö 13 EUR, EU 18 EUR, Ch 23 SFr – jederzeit kündbar.

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