28. Dezember 2015

Für immer verheiratet – wie kann es gehen?

lebenslang verheiratet - meinefamilie.at

Lebenslang verheiratet zu sein – wie kann das gehen? Lies, was einem Paar geholfen hat, das nach 50 Jahren seine Goldene Hochzeit gefeiert hat.

Vor kurzem haben wir die Goldene Hochzeit meiner Schwiegereltern gefeiert – mit einem wunderbaren Gottesdienst, einem festlichen Buffet und persönlichen Beiträgen. Es war sehr berührend, verschiedenste Stationen ihres gemeinsamen Lebens zu streifen und zu sehen, wie diese Beziehung gereift ist. Fünfzig Jahre Ehe sind etwas ganz Besonderes. Eigentlich hätten sie sich wirklich einen goldenen Lorbeerkranz dafür verdient.

In unserer heutigen Zeit eine gute Paarbeziehung zu führen ist nicht einfach. Nicht, dass ich denke, früher wäre es grundsätzlich einfacher gewesen. Aber wenn ich die aktuellen Statistiken der Ehescheidungen (fast jede 2. Ehe wird geschieden) betrachte, kommt es mir schon so vor, dass sich da einiges geändert hat. Erstens heiraten viele Paare gar nicht mehr – aus welchem Grund auch immer. Es gibt genügend andere Lebensformen. Es kostet viel Geld. Heiraten ist nur eine von vielen Optionen.[/fusion_text][fusion_text]

Nur verheiratet „solange es passt“…?

Zweitens sehen viele, die doch heiraten, diese Verbindlichkeit nicht mehr unbedingt als „lebenslänglich“. Ich habe mit einigen Ehepaaren im Gespräch mitbekommen, dass sie die Ehe schätzen, „solange es eben passt“. Sollte es aber irgendwann einmal nicht mehr passen, sei es, dass man sich „eben auseinandergelebt hat“ oder ein Seitensprung passiert, gibt es auf jeden Fall die Option einer Scheidung. Natürlich wünscht sich das niemand und doch wollen manche dafür gerüstet sein, indem sie zum Beispiel ganz praktisch den gesamten Besitz im Vorhinein “aufteilen“.

Natürlich spielen auch völlig unbeeinflussbare Faktoren eine Rolle, wie viel Zeit man als Ehepaar zur Verfügung hat. Nicht jedes Paar hat das Glück, 25 oder gar 50 Jahre zusammenzuleben, da einer viel zu früh stirbt. Dieser Punkt ist vielleicht heute leichter, da die Menschen aufgrund der guten medizinischen Versorgung einfach älter werden.[/fusion_text][fusion_text]

20 Jahre verheiratet – wir fühlen uns als Dinosaurier

Mein Mann und ich feiern in zweieinhalb Jahren unser 20-jähriges Jubiläum. Unglaublich, aber sogar unsere Silberhochzeit rückt in greifbare Nähe. Wenn wir mit jungen Paaren sprechen, fühlen wir uns manchmal wie „Exoten“ oder „Dinosaurier“. Wirklich, zehn Jahre sind schon eine lange Zeit.

„Wie hält man es dann bloß 20, 30 oder gar 50 Jahre miteinander aus? Geht man sich gegenseitig nicht irgendwann total auf die Nerven? Wird der Alltag nicht grau und öde?“

Diese Frage kommt von jungen Paaren immer wieder. Wenn ich meine Schwiegereltern in ihrer Unterschiedlichkeit ansehe, denke ich auch manchmal, dass gemeinsam alt werden wirklich eine Kunst ist. Besonders, wenn man nicht nur „nebeneinander“ leben, sondern eine erfüllte Beziehung leben möchte. Doch sie geben auf solche Fragen meist folgende Antwort: „Es ist eine große Gnade. Viele Etappen haben wir nur mit Gottes Hilfe geschafft.“ Und: „Wir leben einfach Tag für Tag. Jeden Tag machen wir Fehler, lernen dazu, vergeben, beginnen neu. Ehe ist nie fertig, so wie wir selbst bis zu unserem Tod nicht fertig sind. Gott ist geduldig und barmherzig mit uns allen.“[/fusion_text][fusion_text]

Was sagt Gott zur Ehe?

Wenn wir eine gute christliche Ehe führen wollen, ist es gut, uns damit zu beschäftigen, was Gott dazu sagt. Es gibt sehr viele Bibelverse zum Thema Ehe, wie zum Beispiel, dass der Ehebund bis zum Tod dauern soll. Auch für die ganz praktische Umsetzung im Alltag hält die Bibel gute Ratschläge bereit.

Wir sollen uns beispielsweise keine Sorgen machen – auch nicht um die Beziehung. Es ist gut, darüber nachzudenken, aber Sorgen führen uns leicht in eine Negativspirale. In Matthäus 6,34 steht: „Jeder Tag hat seine eigene Plage.“ Insofern ist dieses „Tag für Tag“ aus der Gnade Gottes leben eine sehr weise Sache. In der Bibel steht auch: „Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht.“ (Kol. 3,13-14)[/fusion_text][fusion_text]

Verheiratet sein und einander ertragen

Diese Verse wurden übrigens im Gottesdienst meiner Schwiegereltern vorgelesen. Ich höre da immer ein gewisses Augenzwinkern Gottes heraus. Jemanden zu ertragen klingt nicht gerade romantisch. Und doch trifft es die Realität sehr genau. Manche Eigenheiten des Partners können einem unheimlich auf die Nerven gehen. Manche täglich, sogar nach fünfzig Jahren. Einmal beobachtete ich schmunzelnd meine Schwiegermutter, wie sie ihrem Mann eine liegengelassene Bananenschale laut zeternd hinterhertrug. Bei uns sind es Joghurtbecher. Bei anderen Zahnpastatuben. Da hilft es sehr, den eigenen Stolz zu bekämpfen, ruhig zu bleiben, sich selbst auf die Zunge zu beißen (nicht zu fest!) 🙂 – und das Corpus Delicti kommentarlos zu entfernen.

Zu einem späteren, geeigneten Zeitpunkt kann man ja ganz in Ruhe dem anderen seine Gefühle diesbezüglich mitteilen – nicht als Vorwurf natürlich. Kommunikation ist eines der wichtigsten und auch empfindlichsten Instrumente im Ehealltag, mit dem sich die spitzen Klippen unnötiger Auseinandersetzungen geschickt umschiffen lassen. Die ständige Beschäftigung mit diesem Bereich ist übrigens auch der Hauptgrund, warum eine Ehe nie langweilig wird! Doch dazu ein andermal…

Auch interessant: Warum überhaupt noch kirchlich heiraten?

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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