15. Dezember 2014

Freiheit und Beziehung


Freiheit und Beziehung ist das überhaupt möglich? Viele Paare scheitern an diesem Widerspruch. Unsere Blogserie soll zeigen, dass beides möglich ist.

Mein Gesicht ist tief in meiner Linken versunken. Mein rechter Arm umgreift mich…wenigstens versucht er es zu tun, ein vergebliches Bemühen, mir selbst eine Geborgenheit zu schenken, die jetzt völlig unerreichbar zu sein scheint. Was ist da passiert? Ich denke ein paar Jahre zurück. Es war so klar, so offensichtlich. ER war es, kein anderer. Noch nie hatte ich so ein Gefühl von Freiheit verspürt, noch nie war ich mir einer Sache so sicher. Und er sich doch auch! Und doch, unsere Beziehung verwandelt sich seit einigen Monaten in einen immer realer werdenden Alptraum. Von Freiheit ist immer weniger zu spüren, ich fühle mich immer mehr von ihm eingeengt. Schau mich doch heute an: Ich stehe neben mir, ich bin nicht mehr ich. Ich will meine Freiheit wieder haben, mich selbst wieder finden! Aber ist nicht alles gebrochen, “auseinandergebrochen in zwei” (Coldplay, Magic)? Kann da noch etwas werden?

Freiheit und Beziehung: Widerspruch oder Ergänzung?

Das ist die Frage, zu der dieser Blog nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch Orientierung anbieten will. Der Mensch scheint sich gewaltig nach Beziehung zu sehnen, aber eben auch nach Freiheit, vor allem nach einer inneren Freiheit, also über sich selbst bestimmen dürfen, unbelastet zu sein, das Gefühl zu haben, ich bin ich selbst, meine Beziehung engt mich nicht ein sondern lässt mich erst wirklich ich selbst werden. Oft genug scheint Beziehung die Freiheit einzuengen, das macht sie anscheinend schon in dem Moment, in dem man sich für einen und eben nicht gleichzeitig für verschiedene Lebenspartner entscheidet. Wie kann dann jemals aus Beziehung Freiheit entstehen, wenn schon das Fundament der Beziehung selbst eine Freiheitseinschränkung voraussetzt? Muss man sich nicht einfach auf ein Leben der Kompromisse einstellen, sich damit wohl oder übel zufrieden geben, um gewisse Freiheiten in einer Beziehung noch haben zu dürfen? Besteht nicht vielleicht auch gerade deswegen das Problem vieler Beziehungen darin, dass sie sich zu viel von der Beziehung erwarten? Sind es nicht gerade die enttäuschten Erwartungen, die zu den meisten Beziehungskrisen führen?

 Anwendbare Prinzipien

Die Beiträge in dieser Blogserie wollen zwar praktische Hilfestellung liefern, zugleich aber nicht jeden möglichen Fall exemplarisch behandeln. Vielmehr geht es darum, Prinzipien von Beziehung und Freiheit anzubieten, die man an unterschiedliche Situationen anpassen kann. Das Leben zeigt uns ja, dass die Alltagswirklichkeit noch viel komplexer ist als die Theorie oder auch als mögliche Fallbeispiele, die man sich ausdenken könnte. Jeder Mensch ist eben anders, jede Beziehung auch und es wäre sehr schädlich, die eigene doch sehr persönliche Situation außen vor zu lassen. Allerdings wussten schon die Griechen um die Tugend der Phrónesis, die Klugheit, deren Merkmal es ist, allgemeine Prinzipien auf konkrete Umstände anzuwenden. Das ist auch hier der Ansatz. Der Blog richtet sich in erster Linie an junge Paare, die gerade geheiratet haben und sich in den ersten Jahren ihres gemeinsamen Lebens befinden. Das will natürlich nicht heißen, dass die hier erwähnten Prinzipien nur für sie gelten, aber der Autor hat sie besonders vor Augen, wenn er darüber schreibt. Es geht also um Themen, die besonders junge Paare betreffen, die in einer verbindlichen Beziehung stehen.

Warum der Titel dieses Blogs? Weil der Autor überzeugt ist, dass eine gesunde Integration beider Aspekte, Freiheit und Beziehung, die Voraussetzung für erfüllte Zweisamkeit und Familienleben ist.

Hier einige der Themen

Zuerst versucht man die Begriffe zu klären, was ist denn eigentlich Freiheit? Wie geht sie? Was ist Beziehung? Wie steht sie in Bezug zur Freiheit? Wie kann man freier werden, das heißt, wie geht Freiheit? Wie steht sie in Bezug zur Beziehung? Die Untersuchung des Begriffes “Beziehung” führt dann schnell zum Thema Liebe, aber auch zur Frage, was es heißt, dass zwei Menschen in eine Beziehung treten, was die Voraussetzungen für eine gesunde Beziehung sind und wie die Freiheit dort nicht verloren gehen muss, sondern harmonisch integriert werden kann. Das Thema Liebe wird von verschiedenen Perspektiven und Niveaus angeschaut: Gefühlsliebe, emotionale Liebe, Liebe als Wohlgefallen, als Begehren, als Wohlwollen, der Schritt von Sympathie zur Freundschaft, zur bräutlichen Liebe. Was die Rolle der Freiheit in der Beziehung angeht, wird auch noch das Thema der Scham und der Zärtlichkeit näher betrachtet. Mindestens 12 Blogbeiträge werden zum Thema erscheinen, und zwar immer am 2. Freitag des Monats.

Weiterführende Links


Das Zentrum Johannes Paul II. ist ein Ort der Begegnung, des Austausches, des gemeinsamen Gebets und der Glaubensvertiefung. Im Geist von Johannes Paul II. soll das Zentrum eine Schule der Evangelisierung sein, wo Gemeinschaft erfahren, Glaube gefestigt sowie zur Glaubensweitergabe und Jüngerschaft befähigt wird.


Ein Schwerpunkt ist das Thema „Leiblichkeit und Sexualität“ zur „Theologie des Leibes“ von Johannes Paul II. Im Denken und in der Lehre von Johannes Paul II. verbinden sich Vernunft und Glaube, Leib und Geist, menschliche und spirituelle Werte, Lebensfreude und Frömmigkeit.


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EIN ARTIKEL VON
  • Fr. George Elsbett

    Ich bin katholischer Priester. Meine Heimat ist in der kanadischen Wildnis. Studiert habe ich zwischen Chicago, Köln, Salamanca und Rom. Seit 2004 wirke ich in Österreich. Unter anderem leite ich das Zentrum Johannes Paul II. in Wien und habe mich auf Theologie des Leibes, Ehe- und Berufungspastoral spezialisiert.


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