15. September 2018

Familienzuwachs: Neustrukturierung zu viert

familienzuwachs - meinefamilie.at

„Am Anfang wird’s euch ein bisschen durchbeuteln“, kündigte uns ein vierfacher Familienvater an, als die Geburt unseres zweiten Kindes nahte. Hat er recht behalten? Hm. Von einer alles  über den Haufen werfenden, einmaligen Riesenänderung kann ich nicht berichten. Eher, dass sich öfters als zuvor ständig etwas ändert.

Mit Kind ist ja bekanntlich nichts statisch. Und mit zweien  noch weniger.  Wir Eltern müssen unsere Gewohnheiten, Tagesabläufe und Routinen nun häufiger hinterfragen und darauf reagieren, wenn sie für uns vier oder einen von uns nicht mehr passen.

Veränderungen in der ersten Zeit zu viert

Die ersten Wochen nach der Geburt war es mir wichtig, mein kleines Baby kennenzulernen, viel zu kuscheln und zu staunen. Da unser Neugeborenes ohnehin viel schlief, hatte  ich dennoch ausreichend Zeit, mich meinem Großen intensiv zu widmen. Zugleich gab es handfeste Änderungen in unserer Familie. Unser Zweijähriger schlief nun nicht mehr die halbe Nacht in unserem Doppelbett, denn da lag nun das kleine Bündel. Dafür rüstete sich mein Mann mit Faltmatratze neben dem Bett im Kinderzimmer aus. Und da schläft er bis heute ganz viel. Die meisten Nächte galt und gilt: Mama und Baby im Schlafzimmer, Papa und Erstgeborener im Kinderzimmer. Keine Dauerlösung, aber im Moment jene Lösung, die allen Beteiligten den meisten Schlaf garantiert. Und wenn wir schon beim Thema Schlafen sind: Ab der Geburt des Kleinen übernahm mein Mann das Niederlegen des Großen. Das hatte er zuvor seltener als ich gemacht.

Auch unsere Freizeitgestaltung am Wochenende sah in den ersten Monaten nach der Geburt plötzlich anders aus. An den Tagen ohne diverse Besucherempfänge machte mein Mann üblicherweise ein paar Stunden lang einen Ausflug mit dem Großen, während ich es genoss, mal nur ein Kind zu hüten, das womöglich sogar schlief. Das mir womöglich sogar erlaubte, den Geschirrspüler in Ruhe auszuräumen. Oder zu putzen. Ein Hochgenuss! Dass ich das mal nicht zynisch meinen würde, hätte mir mein kinderloses Ich wohl kaum abgekauft.

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Beziehungspflege zu viert

Aber unlängst haben wir erkannt, dass es wieder an der Zeit für Veränderung in unserem familiären Miteinander ist.  Wir wollen nicht zwei und zwei sein, sondern vier. So haben wir das Papa-Kleinkind-Team und das Mama-Baby-Team bewusst aufgelockert. Schließlich möchten wir ja alle miteinander in Beziehung stehen und diese Beziehungen auch pflegen. Das kann schon mal Arbeit bedeuten. Wieso Arbeit? Nun ja. Natürlich ist es oft verlockend, die Kinder „aufzuteilen“, besonders für mich. Immerhin habe ich ja im Alltag meistens zwei davon. Aber ich habe festgestellt, dass der Alltag für meinen Großen und mich nicht reicht. Es ist wie in jeder Beziehung: Wir brauchen auch Highlights miteinander.

Und die habe ich schon sehr vermisst. Auch als Familie brauchen wir Highlights. Nichts Aufregendes, aber eben Aktivitäten, die wir zu viert machen können, und die uns allen Freude bereiten.  Zum Beispiel letztes Wochenende: Da haben wir einen spätsommerlichen Ausflug die Liesing entlang gemacht; der Große auf dem Laufrad, während ich neben ihm herlief, und der Papa mit dem Kleinen im Kinderwagen schäkerte. (Seit geraumer Zeit wird der Kinderwagen von dem nicht mehr ganz so kleinen Bündel akzeptiert.) Anschließend haben wir uns ein Eis gekauft und sind in süßer Seligkeit auf einem Bankerl zusammengesessen. „Das ist lustig!“, hat mein Großer irgendwann in den Nachmittag hinein gegluckst. Und es stimmte! Es war wirklich ein lustiger Ausflug!

familienzuwachs - meinefamilie.atUnd spätestens da habe ich gewusst: Danke, guter Mann, dass du mich überredet hast, das Baby zusammenzupacken und gemeinsam loszustarten. Das warme Mittagessen auf später zu verschieben und das Staubsaugen auch.

Den Abend gemeinsam ausklingen lassen

Ebenso sind wir nun dabei, das Abendritual zu adaptieren. Sofern es möglich ist, sind wir abends alle noch eine Weile zu viert im Kinderzimmer: singen gemeinsam ein Lied, sprechen über den Tag, und endlich lese auch ich mal wieder eine Gutenachtgeschichte vor, während mein Mann dem Babybuben vielleicht eine Rassel unters Näschen hält. Der Große besteht übrigens darauf, dass sein kleiner Bruder während des Vorlesens neben ihm liegt. Der bekommt dann immer wieder Bussis auf die Wange gedrückt (die nett gemeinten) und wird umarmt (zumindest nett gemeint).

Wir stehen erst am Anfang unserer neuen Erkenntnis und unseres Vorhabens vermehrt zu viert bewusste Zeit zu gestalten. Das heißt nicht, dass wir auf Biegen und Brechen alles zu viert machen müssen. Manchmal ist es ja auch gut und schön, mit einem Kind eine intensive Zeit zu erleben. Aber unsere bereichernden Erfahrungen zu viert sind dennoch etwas besonders Wertvolles und knüpfen  feste Verbindungen zwischen uns allen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Julia Pass

    Beruflich bin ich als AHS-Lehrerin tätig, derzeit jedoch bei meinen kleinen Söhnen zuhause. Meine Kinder sind die fantastischsten Geschenke, die ich jemals bekommen habe, und mit ihnen entdecke ich vieles neu: mich, Gott und die Welt. Auf meinem Blog www.vielfaltigkeit.at schreibe ich neben anderen christlichen Themen über gelebten Glauben mit Kindern.


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