4. Mai 2018

Endlich Zeit zu zweit!

zeit zu zweit - meinefamilie.at

Zeit zu zweit ist angesagt. Die Kinder sind bei Oma und Opa „geparkt“. Die Koffer, dieses Mal erstaunlich leicht, sind gepackt. Dem Glück zu zweit sollte somit eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Eigentlich.

Der Zug wartet schon. Da zuvor noch ein beruflicher Termin zu absolvieren war wird es ganz schön knapp. Doch es geht sich noch aus. Jetzt geht es an die Suche der reservierten Plätze. Auf dem Weg zu diesen werden wir von gefühlt 100 Koffern beinahe überrollt. Die Menschen, die ihre Plätze schon gefunden haben, beginnen wenig später ihre Koffer oberhalb der Sitzplätze zu verstauen. Jetzt beginnt die Zeit in denen man von Koffern nicht mehr überrollt, sondern fast erschlagen wird.

Kinderlos glücklich?

Endlich angekommen verstauen auch wir unsere Koffer. Sind die Jacken ausgezogen, schließlich ist es heiß und die Klimatisierung des Zuges funktioniert noch nicht optimal, beginnt erst die Zeit zu zweit. Diese Zeit definieren wird seit jeher, zumindest seit wir Kinder haben, als Zeit ohne Kinder die länger als zwei Stunden dauert. Aber nicht nur das. Es ist ein Zeitraum, in dem wir keine Gespräche führen die mit „Kinderfragen“ zu tun haben. Der anstehende Schulwechsel der Großen? Kein Thema. Die Schuleinschreibung demnächst für die uns noch Unterlagen fehlen? Kein Thema.

Dieses selbstauferlegte Dogma ist aber Fluch und Segen zugleich. Denn nachdem wir endlich sitzen und endlich in unserer „Zuzweitzeit“ angekommen sind schweigen wir erst einmal. Das liegt erst einmal daran, dass Stress abfällt und wir unsere Ruhe haben wollen. Jeder für sich allein. Ganz ohne Erwartungshaltungen, ohne Druck. Das liegt aber auch daran, dass wir jetzt zwar noch immer Eltern sind, wir aber für einige wenige Tage kinderlos sein werden und wir also Dinge tun und besprechen werden, die kinderlose eben so tun und besprechen.

Der Druck ist da

Spätestens nach der ersten Erholungsphase, die von einer kleinen Ratlosigkeitsphase abgelöst wird kommt die Phase, in der wir wieder Druck verspüren. Wir müssen jetzt ja quasi, da der Zeitraum der selbstgewählten Kinderlosigkeit nur beschränkt ist, die Zeit bestmöglich ausnutzen. Wir müssen als Paar mit temporärer Kinderlosigkeit die Zeit effizient und optimal ausfüllen. Nicht dass wir dann nach Hause kommen, womöglich gar nicht wirklich erholt sind und wichtige Dinge gar nicht besprochen oder getan haben.

Wie in die „Nurzuzweitzeit“ hineinfinden?

Allerspätestens da merken wir, dass wir uns schwer damit tun, in unsere „Nurzuzweitzeit“ einzusteigen. Wir haben nämlich unsere Rollen gar nicht gewechselt. Wir waren vorher Vollzeiteltern und wir sind jetzt immer noch Vollzeiteltern. Wir sind Eltern, die Beruf und Kinder einigermaßen gut unter einen Hut bringen. Wir sind Eltern, die hin und wieder ein bisschen Zeit für sich zu zweit brauchen, damit diese Herausforderung gelingt ohne zur Erschöpfung zu führen.

Die „Zuzweitzeit“ lässt sich also nicht ohne die „Kinderzeit“ denken. Sie bedingen sich und lassen sich kaum voneinander abtrennen. Das ist keine problematische Erkenntnis, sondern ein Weg hin zum Realismus. Immer wieder bemerken wir, dass es schlicht dann nicht geht, nicht über Kinder und „Kinderfragen“ zu diskutieren, wenn wir eigentlich Zeit für ganz andere Fragen hätten.

Die „Zuzweitzeit“ als anderer Modus

Es macht daher Sinn diese Zeit lediglich als einen anderen Modus zu betrachten. Wenig sinnvoll ist es hingegen, Themen aus der „Kinderzeit“ kategorisch außen vor halten zu wollen.

Man hat schließlich mehr Ruhe, wenn man zu zweit ist. Hat man im Zug dann tatsächlich einen ruhigen Platz gefunden und genießt die Tage danach, egal ob Urlaub am Land oder in der Stadt, kann man Themen, die für Eltern eben so wichtig sind, gelassener und mit größerer Distanz und Objektivität besprechen. Oft sieht man Dinge klarer wie dann, wenn man mitten drin ist.

Oft erlangen wir dann Klarheit. Finden Lösungen für festgefahren Situationen im Familienalltag. Wenn das geschieht, dann sind wir tatsächlich entspannt. Dann sind wir für eine bestimmte Zeit tatsächlich nur zu zweit. Wir erholen uns und genießen, wir lassen zu und setzen uns keinem Druck aus. Wir besprechen, was immer uns gerade einfällt. Themen, die nur uns als Paar betreffen werden ganz von selbst häufiger und finden Raum. Ganz zwanglos.

 



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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