2. Februar 2017

Eltern sein und Sex haben – oft!

Eltern sein und Sex haben - meinefamilie.at

Es ist keine kleine Herausforderung: Eltern sein und Sex haben. Kinder haben und trotzdem ein Liebespaar bleiben. Keine Zeit, zu müde, Kinder im Ehebett, ein Berg Bügelwäsche, Kopfweh… Es gibt so viele Hindernisse auf dem Weg zum Orgasmus. Ähäm… Ja, ich bin mitten drin im Thema.

Ich schreibe über Sex, weil ich glaube, dass Sex sehr, sehr wichtig für eine gesunde Ehe ist. Und dass es sich lohnt, Wege zu einer erfüllten Sexualität zu suchen. Ich trage das zusammen, was ich gelesen und gehört habe und was für meinen Mann und mich wertvoll ist. Und ich erzähle ein bisschen von unserer Erfahrung. (Gut, dass niemand sehen kann, wie rot ich beim Schreiben werde.) Wir sind keine Experten, aber wir sind auf dem Weg – im Bewusstsein, dass Sex in unserer Beziehung nicht das Allerwichtigste, aber sehr wichtig ist.

Oft Sex haben

Unsere Erfahrung ist, dass Sex unsere Bindung zueinander stärkt. Wir fühlen uns einander wieder näher und unsere Beziehung hat mehr Kraft. Umgekehrt ist es so: Wenn wir zu lange nicht miteinander schlafen, tut uns das nicht gut. Es ist fast, als würde etwas zwischen uns stehen. Das Ehepaar John und Stacy Eldredge schreibt in ihrem Eheratgeber „Das wilde Herz der Ehe“:

„Sie brauchen Sex – und zwar oft. In einer Weise, die Ihnen beiden Freude bereitet – immense Freude.“

Wie oft ist oft? Keine Ahnung. Das muss wohl jedes Paar für sich herausfinden. Einmal im Jahr fällt wohl nicht mehr unter „oft“. Vielleicht kann uns Martin Luther inspirieren, der zweimal pro Woche empfahl? Nur, wie kann es im hektischen Alltag gelingen, der Sexualität diesen Raum zu geben?

Eltern sein und Sex haben - meinefamilie.at
Die besondere Intimität ist so wichtig, dass sie geplant werden darf.

+ Sex planen

Schon oft habe ich davon gehört, dass man Sex planen kann und soll. Was sich vielleicht unromantisch anhört, soll helfen, Sex nicht in der Hektik des Alltags zu vernachlässigen. Bei uns ist es so: Wir sitzen zwar nicht mit unseren Terminkalendern da und tragen uns „Love-Dates“ ein. Wir thematisieren aber immer wieder zwischendurch, wann es denn (nicht) passt und wann wir uns wieder Zeit für Zärtlichkeit nehmen wollen.

+ Sex Priorität geben

Abends erst noch Küche aufräumen, Mails beantworten, Film schauen… danach kann ich mich nur noch müde ins Bett rollen. Wenn Sex so wichtig ist, will ich ihm Priorität einräumen und ihn nicht erst spät abends als letzten Programmpunkt einplanen.

+ Mit dem Partner offen reden

Wir leben in einer durch und durch sexualisierten Gesellschaft. Aber wer kann mit seinem Partner oder seiner Partnerin wirklich offen über die gemeinsam erlebte Sexualität sprechen? Kann ich meinem Partner sagen, was mir (nicht) gefällt? Unsere Erfahrung ist: Wenn es uns gelingt, in aller Offenheit darüber zu sprechen, ist das nicht nur für unser Sexleben, sondern für unsere ganze Beziehung ein Gewinn.

+ Frauen, lasst eure Männer nicht betteln!

Diese Aufforderung habe ich einmal in einem Vortrag gehört. Man sagt ja, dass Männer öfter Sex wollen als Frauen. Zum Bittsteller soll der Mann deswegen aber nicht werden.

Es kann ein großer Liebesbeweis sein, wenn auch einmal die Frau die Initiative ergreift oder auf sein Werben mit einem freudigen „Ja“ antwortet.

+ Sex nach der Geburt

Die meisten Frauen denken nach einer Geburt klarerweise nicht als Erstes an Sex. Wochenfluss, Geburtsverletzung, emotionale Achterbahn – meine Lust auf Sex hat sich nach den Geburten ziemlich in Grenzen gehalten. Wir Frauen verlangen von unseren Männern mit Recht, dass sie nach der Geburt eines Kindes rücksichtsvoll und sensibel mit uns und unserem Körper umgehen. Und dass sie eine Weile warten mit dem Sex. Irgendwann darf es dann aber wieder soweit sein. Es fühlt sich vielleicht zuerst einmal komisch oder anders an als vorher. Vielleicht ist es auch ein bisschen unangenehm, weil die Geburtsverletzung  noch zu spüren ist. Aber: Nur Mut und nicht unnötig lange warten!

+ Sex beginnt in der Küche

Nein, auf dem harten Küchenboden stelle ich mir Sex nicht so gemütlich vor. Gemeint ist, dass der Mann das Herz seiner Frau schon vor der körperlichen Vereinigung erobern soll. Ganz konkret: Indem er den Geschirrspüler ausräumt oder den Boden wischt. Ich kann das bestätigen: Wenn ich mich mit Kindern und Haushalt allein gelassen fühle, habe ich keine große Lust.

Wenn wir den Alltag gemeinsam bewältigen und mir mein Mann durch kleine konkrete Zeichen zeigt, dass er mich liebt – dann ist der Boden bereitet.

+ Brot oder Sonntagsessen

Nicht jede sexuelle Begegnung zwischen Mann und Frau ist supermegabombastisch. Zumindest ist das bei uns so. Der gemeinsam erlebte Sex kann und darf auch „mittelmäßig“ sein. Trotzdem ist auch dieser Sex für die Beziehung wichtig, wie die Paar- und Familientherapeutin Ago Bürki-Fillenz sagt: „Sexualität kann und wird – wie alles andere – nicht immer maximale Befriedigung bringen. Auch das ‚tägliche Brot‘, unspektakulär, aber von der Ganzheit der Beziehung getragen, wird beide Partner nähren bis zum nächsten ‚Sonntagsessen‘.“

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EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.



4 Kommentare
  • Helmut Schriffl, h.schriffl@gmx.at, 10. Februar 2017, 18:29 Antworten

    Gratulation zu dem Artikel von Frau Lobnig!!! Hätte nicht gedacht, so einen Text in einer offiziellen Publikation der Kirche zu finden. Gefällt mir sehr gut, ist mutig und dem Leben entsprechend! Habe Frau Lobnigs Texte schon vermisst, nachdem ich sie zum ersten Mal im SONNTAG während des Advents entdeckt hatte. Ihre Texte sind originell, man liest sie gern und wird auch zum Nachdenken angeregt. Freue mich, sie da im Newsletter wieder zu finden. Alles Gute und weiter so! Helmut Schriffl

  • Sandra, 13. Februar 2017, 14:52 Antworten

    Ich freu mich, dass meine Texte inspirieren! Danke für das Feedback!

  • mabe, 14. Februar 2017, 9:05 Antworten

    Darf ich mir erlauben, ihren Text umzuschreiben ... Single  sein und  Vereinigung mit Gott  haben – oft!  Autor Verborgen   Thema Vereinigung mit Gott Es ist keine kleine Herausforderung: Single sein und Einheitsverfahrung mit Gott haben. Beruf, Alltag  haben und trotzdem ein immer mit Gott verbunden bleiben. Keine Zeit, zu müde, Gedanken um Kopf, ein Berg Bügelwäsche, Kopfweh… Es gibt so viele Hindernisse auf dem Weg zur Mystischen Vereinigung. Ähäm… Ja, ich bin mitten drin im Thema. Ich schreibe über mystische Vermählung , weil ich glaube, dass die Einheitserfahrung  sehr, sehr wichtig für einen gesunden Single  ist. Und dass es sich lohnt, Wege zu einer erfüllten mystischen Einheitserfahrung  zu suchen. Ich trage das zusammen, was ich gelesen und gehört habe und was für Gott  und mich wertvoll ist. Und ich erzähle ein bisschen von unserer Erfahrung. (Gut, dass niemand sehen kann, wie rot ich beim Schreiben werde.) Wir sind keine Experten, aber wir sind auf dem Weg – im Bewusstsein, dass die Einheitserfahrung in unserer Beziehung nicht das Allerwichtigste, aber sehr wichtig ist. Oft die Einheit suchen Unsere Erfahrung ist, dass die Einheitserfahrung  unsere Bindung zueinander stärkt. Wir fühlen uns einander wieder näher und unsere Beziehung hat mehr Kraft. Umgekehrt ist es so: Wenn wir uns  zu lange nicht miteinander vereinen , tut uns das nicht gut. Es ist fast, als würde etwas zwischen uns stehen. Das xxx  schreibt in ihrem xxx „Sie brauchen Vereinigung – und zwar oft. In einer Weise, die Ihnen beiden Freude bereitet – immense Freude.“ Wie oft ist oft? Keine Ahnung. Das muss wohl jeder Getaufte für sich herausfinden. Zu Ostern  fällt wohl nicht mehr unter „oft“. Vielleicht kann uns Martin Luther inspirieren, der zweimal pro Woche empfahl? Nur, wie kann es im hektischen Alltag gelingen, der Vereinigung diesen Raum zu geben? DIE BESONDERE INTIMITÄT IST SO WICHTIG, DASS SIE GEPLANT WERDEN DARF. + Vereinigung planen Schon oft habe ich davon gehört, dass man die Vereinigung im Gebet  planen kann und soll. Was sich vielleicht unromantisch anhört, soll helfen, Gebet  nicht in der Hektik des Alltags zu vernachlässigen. Bei uns ist es so: Wir sitzen zwar nicht mit unseren Terminkalendern da und tragen uns „Love-Dates“ ein. Wir thematisieren aber immer wieder zwischendurch, wann es denn (nicht) passt und wann wir uns wieder Zeit für Zärtlichkeit nehmen wollen. + Mystik  Priorität geben Abends erst noch Küche aufräumen, Mails beantworten, Film schauen… danach kann ich mich nur noch müde ins Bett rollen. Wenn Mystik so wichtig ist, will ich ihr Priorität einräumen und sie nicht erst spät abends als letzten Programmpunkt einplanen. + Mit Gott offen reden Wir leben in einer durch und durch mystischen Gesellschaft, aber wer kann mit Gott offen über die gemeinsam erlebte Vereinigung  sprechen? Kann ich meinem Gott sagen, was mir (nicht) gefällt? Unsere Erfahrung ist: Wenn es uns gelingt, in aller Offenheit darüber zu sprechen, ist das nicht nur für unsere Vereinigung ein Gewinn, sondern für unsere ganze Beziehung ein Gewinn. + Frauen, lasst euren Gott nicht betteln! Diese Aufforderung habe ich einmal in einem Vortrag gehört. Man sagt ja, dass sich Gott  öfter vereinigen will   als Frauen. Zum Bittsteller soll Gott  deswegen aber nicht werden. Es kann ein großer Liebesbeweis sein, wenn auch einmal die Frau die Initiative ergreift oder auf sein Werben mit einem freudigen „Ja“ antwortet. N + Vereinigung  beginnt zwischen den Kochtöpfen Nein, auf dem harten Küchenboden stelle ich mir eine Extase nicht so gemütlich vor. Gemeint ist, dass Gott  das Herz seiner Braut schon vor der mystischen  Vereinigung erobert. Ganz konkret: Indem er die Kraft des heiligen Geistes gibt um den Geschirrspüler auszuräumen oder mir die Liebe schenkt, den Boden zu wischen. Ich kann das bestätigen: Wenn ich mich mit meinem Haushalt allein gelassen fühle, habe ich keine große Lust, wenn der heilige Geist das mit mir gemeinsam macht, dann öffne ich mich und alles wird bescchwingter Wenn wir den Alltag gemeinsam bewältigen und mir mein Gott durch kleine konkrete Zeichen zeigt, dass er mich liebt – dann ist der Boden bereitet. + Brot oder Sonntagsessen Nicht jede  Begegnung zwischen Gott  und mir ist supermegabombastisch. Zumindest ist das bei uns so. Die gemeinsam erlebte Vereinigung kann und darf auch „mittelmäßig“ sein. Trotzdem ist auch dieser Vereinigung für unsere  Beziehung wichtig, wie die Paar- und Familientherapeutin Ago Bürki-Fillenz sagt: „Vereinigung kann und wird – wie alles andere – nicht immer maximale Befriedigung bringen. Auch das ‚tägliche Brot‘, unspektakulär, aber von der Ganzheit der Beziehung getragen, wird beide Partner nähren bis zum nächsten ‚Sonntagsessen‘.“

    • Sandra, 25. Februar 2017, 22:36 Antworten

      wobei die mystische Vereinigung mit Gott ja nicht nur den Singles vorbehalten ist ;-)

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