21. August 2017

Wie wir als Eltern auch Liebhaber bleiben

Eltern, aber Liebhaber bleiben - meinefamilie.at

Warum es uns als Eltern wichtig ist, uns einen Babysitter zu leisten und dadurch den Luxus der Zeit zu zweit zu genießen. Es ist vor allem das wöchentliche Ehegespräch, das unsere Beziehung stärkt.

Vor jetzt schon mehr als 15 Jahren haben mein Mann und ich die Schönstatt Ehevorbereitung am Kahlenberg gemacht. Damals waren wir beeindruckt von den vortragenden Ehepaaren, aber ein bisschen wunderten wir uns über einen Tipp, der uns durch die Ehevorbereitung begleitet hat: das wöchentliche Ehegespräch. Warum wir uns wunderten? Weil wir ja die ganze Zeit miteinander im Gespräch waren – wenn man zu zweit ist, hat man als Paar wirklich viel Zeit, sich miteinander auszutauschen und zu reden.

Nach unserer Hochzeit kündigte sich bald unser erstes Kind an und damit durchlebten wir eine Verwandlung zur Familie. Plötzlich hatten wir einen neuen Mittelpunkt in unserem Leben, um den sich alles drehte. Heute noch (mit mittlerweile fünf Kindern) gibt es Tage, da sind wir einfach müde, haben einen langen Arbeitstag hinter uns und dann hat keiner von uns beiden Lust zum Plaudern. Dann schläft vielleicht noch einer von uns beiden mit den Kindern ein. Oft sind auch die Kinder um uns herum und es ist fast unmöglich, zu einem ungestörten Gespräch zu kommen.

Ich merke aber, je weniger mein Mann und ich miteinander sprechen, desto schlechter geht es uns in unserer Beziehung, desto mehr Streit haben wir.

Das kommt vor allem in sehr dichten Phasen vor, in denen mein Mann viel arbeitet, spät nach Hause kommt und wir uns kaum sehen. Es kostet uns dann ganz viel Kraft, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. So wurde uns bald klar, warum bei der Ehevorbereitung das Gespräch so sehr im Mittelpunkt stand.

Als Eltern die Paarbeziehung pflegen

Vor ein paar Tagen habe ich das neue Buch von Jesper Juul gelesen: „Liebende bleiben. Familie braucht Eltern, die mehr an sich denken.“ Juul schreibt darin, das Beste, was Mütter und Väter für ihre Kinder tun können, sei, gut auf ihre Beziehung als Paar aufzupassen. Dafür gibt es kein Geheimrezept. Juul beobachtet, wenn Paare plötzlich eine unstrukturierte und ungeplante Zeit miteinander haben, „wenn alles, was auf der Tagesordnung stand, besprochen ist, dann folgt einmal eine Stille und danach fangen beide an, sich Dinge zu erzählen, von denen sie gar nicht wussten, dass sie diese gedacht haben.“ Es tut also gut, sich einen Babysitter zu gönnen und ein paar Stunden ungeplante Zeit miteinander zu verbringen.

Eine Freundin erzählte mir, dass sich ihr Mann zum Geburtstag einen Tag nur mit ihr gewünscht hat. Sie haben ihre vier Kinder zu den Großeltern gebracht und dann einen langen Spaziergang gemacht. Auch wir beide haben diese Erfahrung bei langen Autofahrten gemacht: Zuerst besprechen wir noch alles Organisatorische oder erzählen uns das Erlebte der letzten Woche und dann ist wirklich einmal Stille. Wir beobachten die Landschaft und irgendwann erzählen wir uns unsere Beobachtungen, Gedanken, Gefühle, können miteinander lachen und es fühlt sich einfach gut an. Es ist, als ob zwei gute Freunde miteinander plaudern und nicht zwei gestresste Eltern.

Gemeinsames Gespräch als wöchentlicher Fixpunkt

Juul betont in seinem Buch, dass es für das Zusammenleben als Eltern wichtig ist, welche Art von Beziehung wir führen. Denn Eltern zu sein ist anstrengend! Das gemeinsame wöchentliche Gespräch hilft uns, in Fühlung zu bleiben, es hilft uns, dass wir voneinander wissen, wie es uns geht, wie es uns mit den Kindern geht, es hilft uns, einander zu unterstützen, wenn wir gerade anstrengende Zeiten im Beruf haben und uns den Rücken zu stärken. Es hilft uns, zu erfahren, wie der Partner zu bestimmten Fragen denkt. Und oft hilft es uns, uns zurückzuerinnern, wie es war, als wir uns kennengelernt haben. Was war das Besondere an meinem Partner? Auch das können wir uns gegenseitig erzählen und das Glitzern in den Augen unseres Partners dabei beobachten.

In unserer Zeit als Eltern ist es uns wichtig geworden, uns einen Babysitter zu leisten, und dadurch den Luxus der Zeit zu zweit zu genießen, damit wir nicht nur Eltern sind, sondern als Paar Liebende und Freunde bleiben.

Mehr zum Thema

Workshop „Wir als Eltern – ein starkes Team“
Montag, 28. August 2017, 19:30 Uhr bei den Königskindern, Maria-Tusch-Straße 9/3/202, 1220 Wien – Seestadt

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EIN ARTIKEL VON
  • Claudia Umschaden

    Als Mutter stehe ich – trotz meiner pädagogischen Ausbildung – immer wieder vor neuen Herausforderungen. Ich habe fünf Kinder im Alter von 14, 13, 8, 4 und 2 Jahren und jedes ist anders. Als Familientrainerin möchte ich meine Erfahrungen teilen und Wege aufzeigen, wie es möglich ist, mit noch mehr Freude Familie zu leben!



2 Kommentare
  • Petra, 24. August 2017, 21:27 Antworten

    Ich würde mich sehr freuen, wenn solche Workshops auch in Graz angeboten werden würden :)

    • Claudia Umschaden, 2. September 2017, 21:18 Antworten

      Liebe Petra, Vielleicht ist es möglich 😉 Schreibe doch bitte eine unverbindliche e-Mail an claudia@familientrainerin.com. LG claudia Umschaden

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