17. Mai 2016

Der Einfluss unserer Vergangenheit

Der Einfluss unserer Vergangenheit - meinefamilie.at

Es ist wichtig, sich mit der eigenen Vergangenheit und auch der des Partners auseinanderzusetzen. Nicht, um vernarbte Wunden unnötig aufzureißen, sondern um innerlich Heilung, Frieden und Lebensfreude zu finden.

Im fünften Teil des Alpha-Ehekurses geht es um unsere Vergangenheit und darum, welchen Einfluss unsere Herkunftsfamilien auf unsere Kindheit, unsere Jugend und auch teilweise noch unser Erwachsenendasein hatten oder haben.

Als junge Erwachsene sind wir das “Produkt” unserer Erfahrungen und haben oft das Gefühl, das sei eben einfach so und man könne es halt nicht ändern. Wir haben gemerkt, dass das nicht so ist. Ich habe über viele Jahre hinweg gelernt, aus meiner Opferrolle auszusteigen und neue, wertvolle Entscheidungen zu treffen.

Die Vergangenheit hat uns geformt, doch sie muss nicht unbedingt unsere Zukunft bestimmen.

Es ist eine große Chance für jedes Paar, dies gemeinsam zu tun.

Den Partner mit seiner Vergangenheit kennenlernen

Einerseits gehört es zum ganz normalen Kennenlernen des anderen, auch seine wunden und verletzten Seiten wahrzunehmen. Kein Mensch ist ohne Verletzungen groß geworden. Andererseits hilft es, einander besser zu verstehen und unterstützen zu können im Alltag. Wir haben es oft so erlebt, dass genau dann, wenn alles zu viel wird und rundherum Stress herrscht, plötzlich Verletzungen von früher hochkommen und alles noch verschlimmern. Es gibt da gewisse Muster, die ablaufen, Auslöser, die der andere meist unbewusst betätigt. Da hilft es sehr, einander genau zu kennen, um die Situation gut zu meistern.

Georg und ich haben uns mit dieser Thematik schon seit Beginn unserer Beziehung immer wieder beschäftigt.

Uns beiden war und ist es sehr wichtig, eine klare, ehrliche und offene Beziehung zu leben.

Gegenseitiges Verständnis ist für eine Partnerschaft sehr wichtig, und das  liebevolle Zuhören kann so manche emotionale Wunde heilen.

In anderen Bereichen kann es allerdings notwendig sein, sich auch von außen Hilfe zu suchen. Als jung verheiratete Frau hatte ich immer wieder unerklärliche Wutausbrüche und depressive Phasen, die mich dazu veranlassten, regelmäßig in Seelsorge zu gehen. Langsam kamen Geschichten von früher zutage, die weitere Behandlung brauchten. Ich war einige Zeit in Einzelsupervision und später auch in Psychotherapie, als in der Arbeit relativ “banale” Auslöser weitere, tief sitzende Geschichten hochholten. Unsere ersten beiden Kinder waren damals noch klein und es war eine sehr schwierige Zeit. Ich bin Georg sehr dankbar, dass er wie ein Fels in der Brandung war, obwohl er vieles nicht verstand und durch die Situation oft selbst an seine Grenzen kam.

Vieles hat sich verändert

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Vieles wendet sich zum Positiven © Pixabay

Wenn ich nun nach so vielen Jahren zurückschaue, merke ich, dass sich sehr vieles zum Positiven gewendet hat und dass ich wirklich Heilung erleben durfte. Das war einerseits Frucht der langjährigen, intensiven Aufarbeitung, doch einzelne Heilungen geschahen auch als “Geschenk von oben” durch Gebet. Immer wieder haben christliche Freunde für mich gebetet und ich durfte wirklich kleinere und größere Wunder erleben, wie zum Beispiel die Heilung von chronischem Asthma und Depressionen. Ich bin Gott sehr dankbar dafür!

Ermutigt durch meine positive Veränderung hat auch Georg begonnen, seine eigene Geschichte aufzuarbeiten und gelernt, seine tiefen Gefühle zuzulassen. Es ist für mich nicht immer leicht, die oft sehr vehement herausbrechenden Emotionen einzuordnen, doch bin ich dankbar für diesen Prozess, weil ich weiß, dass er zur Heilung führt.

Der positive “Nebeneffekt” des Ganzen: Nicht nur wir profitieren, indem unsere Beziehung immer besser und tiefer wird. Auch unsere Kinder werden es uns danken.

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.



1 Kommentare
  • Susanne, 18. Mai 2016, 20:21 Antworten

    Wie immer, ein wunderbarer, ehrlicher, hilfreicher und Mut spendender Artikel! Danke Maria! VlG Susanne

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