31. Juli 2015

Ehe: Vom ICH zum WIR


Vom ICH zum WIR. Das Füreinander soll unser Denken und Handeln bestimmen, um so Liebe, Freude und Freiheit im ehelichen Zusammenleben zu erfahren.

Vom ICH zum WIR – Teambildung in der Ehe

Partnerschaft und Gleichheit prägen das Idealbild einer modernen Ehe. Nun spricht der Apostel Paulus in Eph 5, 21 davon, dass sich die Ehepartner einander in der Furcht Christi unterordnen sollen. Ist nicht heute das Wort Autorität in der Beziehung zwischen Mann und Frau absolut verpönt?

Über die wahre Autorität

Jedoch ist diese Art der Unterordnung wie sie Paulus versteht, vielmehr eine liebevolle Reaktion auf die Liebe, die der eine Partner dem anderen entgegenbringt. Aber fragen wir uns noch einmal ganz ehrlich: Worin besteht letztlich wahre Autorität? Ist sie nicht Hilfe zum Wachstum? Wenn ich in der Ehe eine natürliche Autorität besitze, die aus meinem Wissen, meinen Talenten oder Erfahrungen entspringt, da biete ich doch meinem Partner die Möglichkeit, sich noch besser zu entfalten. Und das hat nicht im geringsten etwas mit autoritär zu tun. Diese Art von Autorität kann je nach Frage des Augenblicks einmal von mir, ein anderes Mal von dir ausgeübt werden. Dabei soll jeder von uns seine Erfahrung und Sichtweise einbringen können. In letzter Konsequenz geht es dabei nicht um die Frage nach der “Frau” oder nach dem “Mann”, sondern darum, dass wir uns beide immer wieder neu einander zuordnen, in gleicher Würde und uneingeschränkter Ebenbürtigkeit, vom Ich zum Wir.Dann öffnet sich der Weg zu einem Annehmen der von Gott gegebener Struktur ehelichen Zusammenlebens in Liebe, Freude und Freiheit der Kinder Gottes. Die Basis davon heißt Einmütigkeit, Mitverantwortung und Gleichheit, was nichts mit Uniformität zu tun hat.

Vom Ich zum Wir zum Team

In der Ehe sitzen wir wie ein Ruderteam im gleichen Boot. Wenn jeder für sich mit seinem Ruder paddelt, drehen wir uns nur im Kreis. Wenn der eine schneller und der andere langsamer rudert, schlagen die Ruder aneinander und zerbrechen. Um möglichst schnell voran zu kommen, müssen wir miteinander im gleichen Takt rudern. Das heißt, wir ordnen uns einander unter, vom Ich zum Wir. Ob ich nun vorn im Boot sitze oder du hinten, keiner fühlt sich als der Boss. Keiner im Boot zwingt den anderen seinen Willen auf, weil wir als Team möglichst schnell miteinander das Ziel erreichen wollen. Deshalb haben wir uns aufeinander abgestimmt und durchliefen die Metamorphose vom Ich zum Wir.

Unterordnen hat niemals etwas mit herrschen zu tun, sondern eher mit stützen. So wie ein festes Fundament ein ganzes Haus stützt.

Ich stütze dich, indem ich deine höhere Kompetenz in einem bestimmten Bereich anerkenne und dich darin bewundere. Ich stütze dich, indem ich dir Mut mache, an deinen beruflichen Erfolg zu glauben. Gegenseitige Unterordnung erinnert uns auch daran, dass Jesus selbst seinen Jüngern im Abendmahlsaal die Füße gewaschen und uns allen damit den Rat gegeben hat: „… Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein (Mt 20,26).“

Das Füreinander soll unser Denken und Handeln bestimmen

Im Gesamt der Schöpfung und Erlösung ist dieses Zueinander von Mann und Frau als Absicht Gottes zu erkennen, in der Verschiedenheit der Beziehungen und der Ebenbürtigkeit der Personen. Nur so können wir als Ehepaare uns gemeinsam auf den Weg zu einer größeren Lebensfülle begeben. Würde ich als Ehemann meiner Frau die Anerkennung dieser Gleichheit verweigern, dann verzichtete ich darauf, ein Abbild Gottes zu sein. ln der Begegnung von Mann und Frau begegnen sich zwei Denkweisen, indem das gegenseitige Sicherkennen zu einer integrierten Lebenserfahrung wird. Es geht dabei nicht darum, dass ich als Frau um des lieben Friedens willen doch dir zustimme, sondern, dass wir beide uns aufeinander abstimmen, wie die Instrumente eines Orchesters, obwohl wir ganz verschiedene Noten zu spielen haben. Und damit ist jedem Ungeist der Konkurrenz, des Kompetenzdenkens ein Riegel vorgeschoben, da der Geist des Füreinander unser Denken und Handeln bestimmt. So können wir uns nicht mehr losgelöst voneinander verstehen, weil unser Leben durch ein wechselseitiges Geben und Nehmen bestimmt ist.

Dann steht nicht mehr mein Wollen als Mann oder als Frau im Vordergrund, sondern unser gemeinsames Handeln im Blick auf den gemeinsamen Herrn. Unterordnung und Liebe werden identisch. Als Konsequenz davon stimmen wir in den Lobpreis Gottes ein. Weil wir dabei die Größe unseres Herrn erfahren, die alle menschlichen Erwartungen weit übersteigt. So erwachsen daraus die Früchte des Geistes, die sich manifestieren als Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gute, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.

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EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe ins Heilige Land führte, fand ich meine Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe und Reiseleiter fand ich hier auch meine “wahre” Heimat.


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