26. August 2016

Die Ehe als Antwort auf die Herausforderungen der Welt

Die Ehe als Antwort auf die Herausforderungen der Welt - meinefamilie.at

Die Ehe ist Zeichen der Gegenwart Christi in seiner Kirche. Der Lebensstil der Ehepaare ist ausschlaggebend für die Welt und die christliche Ehe Antwort auf die Herausforderungen dieser Welt – wenn sie auf drei Grundpfeilern steht.

In der ehelichen Liebe von Mann und Frau, die Anteil hat an der Liebe Christi zu seiner Ekklesia, geschieht Selbstverwirklichung der Kirche. Als Ehepartner bringen wir nicht nur die mystische Realität Christus-Kirche zur Darstellung, wir dürfen diese Einheit in unserem Ehebund durch den Pakt der Liebe zu einem sakramentalen Zeichen werden lassen: in der Begegnung der Geschlechter, in unserem Leben der Solidarität füreinander, in unserem gegenseitigen Austausch als Dialog der Liebe. Alles steht in der Funktion dieses heiligen Zeichens. Alle sichtbaren Gesten des Sich-Mögens werden zur Bildersprache der Liebe Christi zu seiner Kirche und symbolisieren seine Hingabe an sie. So vereint Christus gerade durch unsere eheliche Liebe seine Kirche mit sich. Die eheliche Gemeinschaft wird zur „Hauskirche“.

Damit die „Welt“ sagen kann: Wenn dieser Mann seine Frau so sehr liebt, wie viel mehr muss Christus seine Kirche lieben!

So werden wir beide zu einem aufgerichteten Zeichen, zu einem Beweis für die Gegenwart Christi in seiner Kirche.

Der entscheidende Lebensstil der Ehepaare

Nach dem Lebensstil von uns Ehepaaren erfährt die Kirche ihr eigenes Selbstverständnis. Erfüllen wir beiden nur täglich unsere Pflichten und geben uns damit zufrieden, dann erlebt sich auch die Kirche als eine Gruppe pflichtbewusster Menschen, die ihre Verantwortung mehr oder weniger treu ausführen, unter denen aber nichts Aufregendes passiert.

Sind wir Ehepaare ohne Leben, dann wird auch die Kirche wenig Interesse an neuem Leben haben.

Halten wir nicht viel von gegenseitiger Treue, dann werden wir auch eine Kirche haben, die den anderen fallen lässt und ihn abweist. Wenn sich in unserer Ehe Machtkämpfe abspielen, wenn es darum geht, wer das Sagen hat, dann werden wir eine Kirche erleben, in der es um Kompetenzen und Zuständigkeiten geht.

Orientierung an der Liebe

Wenn wir Ehemänner uns an der Liebe orientieren, ohne nach Leistung und Profit zu fragen, dann machen wir deutlich, was unsere Berufung bedeutet: unsere Frauen so zu behandeln, wie es Christus der Kirche gegenüber tut. Wenn die Ehefrauen in erster Linie am Verständnis für den anderen interessiert sind, dann wird auch in der Kirche mehr Verständnis aufkommen, anstatt nur Recht haben zu wollen; denn in der Ehe wissen wir aus der täglichen Erfahrung, dass Rechthaberei die Liebe tötet. Als Ehepartner mögen wir uns vielleicht manchmal missverstehen oder einander enttäuschen, aber der wesentlichste Punkt unserer Berufung ist die liebende Beziehung zueinander, so wie Christus die Kirche geliebt hat.

Wenn wir ein Leben der immer wieder neuen Vergebung führen, dann wird diese Dimension des liebenden Verzeihens im Sinne eines „Evangeliums der Familie“ auch zu einer Erfahrung der Kirche.

Und damit werden wir zu Trägern einer Botschaft des Lebens und der Liebe inmitten einer Welt, die vom Konsumdenken, von Gewalt und Hass geprägt ist.

Indem wir uns gegen den breiten Strom der Masse wenden, geben wir das gelebte Evangelium den nachfolgenden Generationen weiter.

Wenn das Ganze unseres Miteinanders größer ist als die Summe unserer beiden Einzelpersonen, dann wird auch das Ganze der Kirche größer sein als alle Kirchenmitglieder zusammengenommen.

Die Jahreszeiten der Ehe

In den Jahreszeiten der Ehe gibt es Stunden der Zärtlichkeiten, Zeiten der Krisen und der Konflikte, des Schenkens und der Treue. Aber immer ist es der liebende Blick Christi zu seiner Kirche, der auch die Wogen eines aufgewühlten Meeres zu beruhigen vermag. Seine Barmherzigkeit folgt den manchmal so unsicheren Schritten. Das Alltägliche verliert im Hinblick auf die Gegenwart Christi seine Banalität. In ihm liegt schon der Keim der Erfüllung. Indem wir uns ganz einander in der Gegenwart schenken, bezeugen wir die Gegenwart des lebendigen Gottes, der sein Zelt unter den Menschen aufgeschlagen hat: in jedem liebenden Herzen, im Schmerz und in der Freude. Wann immer wir uns in der Ehe aufs Engste miteinander verbinden, erfahren wir das Heilsgeschenk Gottes. Der unendliche Reichtum des lebendigen Gottes lebt in der Zerbrechlichkeit des menschlichen Seins.

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So dürfen wir Ehepartner im Bewusstsein des Glaubens sagen: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20), weil diese Liebe zwischen Mann und Frau auf der Hoffnung in Christus begründet ist. Damit wird unsere eheliche Gemeinschaft zu einer Quelle der Liebe und Weite, die menschlichen Beziehungen durchdringen will in Richtung einer fortschreitenden „Amorisation“ der Menschheit, einer Ethik der Hingabe, während die Menschheit heute mehr denn je Gefahr läuft, in eine Unmenschlichkeit abzugleiten. Wir Ehegatten sind dazu berufen, uns dieser potenten Kraft der Liebe bewusst zu werden, die den Mittelpunkt des Universums darstellt, die fähig ist, alle zu einer unzertrennbaren Einheit der Liebe zu verbinden, die schon angekündigt und auf prophetische Weise vorausgenommen ist durch die Gemeinschaft der sakramentalen Ehe.

Drei Grundpfeiler der christlichen Ehe

Damit unsere christliche Ehe eine Antwort auf die Herausforderungen der Welt sein kann, sollte sie auf drei Grundpfeiler aufgebaut sein:

#1 Die Ehe als Dienst der Liebe.

Wenn heute die Ehe eine Krise durchlebt, dann vor allem deshalb, weil die Menschen nicht mehr an die enge, unzertrennbare Verbindung zwischen Liebe und Ehe glauben. Wir christlichen Ehepartner glauben daran. Deshalb haben wir die Entscheidung getroffen, uns für das ganze Leben zu lieben, durch alle Stürme und Krisen hindurch.

#2 Die Ehe als Dienst am Glück des Menschen.

Wir leben in einer Welt, in der oft Traurigkeit, Frustration und Enttäuschung vorherrschend sind, in der das Wort Glück geradezu einen utopischen Beigeschmack hat. Als christlichen Ehepartner möchten wir unser Leben als ein Weg des Glücks und der Erfüllung aufzeigen.

#3 Die Ehe als Dienst an der Heiligkeit.

Wenn wir die Kirche als Gemeinschaft definieren, die ihren höchsten Ausdruck in der liebenden Beziehung zwischen Christus und seiner Braut findet, dann bildet unsere eheliche Gemeinschaft eine Kirche im Kleinen: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“. Wenn wir heute glauben, dass die Kirche das Herz der Menschheit darstellen soll als Zeichen und Vorausnahme einer vollkommenen Einheit unter den Menschen, so ist die Ehe, in der die Mühen und Freuden der zwischenmenschlichen Beziehungen gelebt werden, eine Keimzelle der Kirche, in der man lernt, was es heißt, einander in Liebe zu begegnen.

Eine solche authentische Liebe ist fähig, Kreise zu ziehen, beizutragen für die Entstehung einer neuen, miteinander versöhnten Menschheit.

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EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe ins Heilige Land führte, fand ich meine Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe und Reiseleiter fand ich hier auch meine “wahre” Heimat.


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