19. November 2015

Die schönste Liebesgeschichte ist unsere eigene


Seit fast 20 Jahren sind wir nun ein Paar, und doch sind die Erinnerungen an die Zeit unseres Kennenlernens ganz frisch. Es ist schön, daran zurückzudenken.

Nach 20 Jahren: „Ich liebe meinen Mann von ganzem Herzen!“

Es ist für mich unglaublich, wie stark ich mich momentan nach meinem Mann sehne. Er ist für eine Woche verreist und ich bin mit unseren vier Kindern zu Hause. Es ist nicht nur die praktische Unterstützung, die ich so vermisse. (Die natürlich auch :-)). Ich merke, dass ich den Alltag einfach total gerne mit ihm verbringe. Wir sind so unterschiedlich, und doch haben wir einen Lebensstil gefunden, der uns beiden gut entspricht.

Die Erinnerungen ans Kennenlernen sind frisch

Seit fast 20 Jahren sind wir nun schon ein Paar. Im Mai haben wir unseren 17. Hochzeitstag gefeiert. Das ist eine wahnsinnig lange Zeit. Und doch sind die Erinnerungen an die Zeit unseres Kennenlernens ganz frisch. Wir hatten einen etwas komplizierten Start. Ich war damals 19, hatte nach der Matura ein Jahr als Au-Pair in Frankreich gelebt und für ein paar Monate in der Schweiz gearbeitet, um mir meinen größten Traum zu erfüllen: eine Weltreise. Allein, mit Rucksack. Ich hatte damals einen Haufen Probleme, vor denen ich flüchten wollte. Möglichst weit weg, ans andere Ende der Welt, um dort noch mal ganz neu anzufangen. So war mein Plan. Der Flug nach Neuseeland war längst gebucht, da meldete sich etwa zwei Wochen vor meiner Abreise ein gewisser Georg Lang und wollte mich treffen. Gut, dachte ich, gehen wir was trinken. Ich hatte ihn einige Jahre zuvor mal kurz kennengelernt, aber er war damals absolut nicht mein Typ. Zu brav. Zu nett. Ich hab ihn „Birkenstockschlapfenheini“ genannt. Ich selbst war eine ziemliche Rebellin und fühlte mich eher zu Draufgänger-Typen hingezogen. Allerdings hatte ich gerade meine erste, gescheiterte Jugendliebe hinter mir und wollte zu diesem Zeitpunkt gar nichts von der Männerwelt wissen.

Wow – ein Mann mit Charakter

Doch als ich Georg dann zum ersten Mal wieder sah, war ich ganz von den Socken. Der sah ja gut aus! Und er war ein richtiger Mann geworden! Ich merkte, dass ich beeindruckt war von seinem Auftreten und seiner Ausstrahlung. Als wir uns dann den ganzen Abend lang noch wunderbar unterhielten – die Gespräche mit ihm waren einerseits tiefgehend, andererseits auch wirklich witzig – merkte ich, wie es zu knistern begann. Ein Mann mit Charakter. Wow. Wir trafen uns ein zweites Mal, und es knisterte noch stärker… Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich wollte endlich alles hinter mir lassen und allein meine Freiheit genießen! Da passte eine fixe Beziehung überhaupt nicht dazu!

„Wenn du es jetzt nicht machst, verpasst du eine große Chance“

Georg ging es bei unserem ersten Treffen ähnlich. Er beschrieb es als „Liebe auf den ersten Blick“. Meine Reisepläne beeindruckten ihn, ließen ihn aber nicht zurückschrecken. Wer nichts wagt, gewinnt nichts, oder? Also wollte er mich noch einmal treffen. Da ich kalte Füße bekommen hatte, sagte ich: „Nein.“ Doch bald kam noch ein Anruf von ihm. Ob ich vielleicht auf eine christliche Jugendfreizeit nach Tirol mitfahren wollte? Ganz schön hartnäckig, der Typ. Ich begann nachzudenken. Ich war da vor einigen Jahren schon gewesen und es hatte mir sehr gefallen. Dummerweise lag mein Abflugtermin genau in dieser Woche. Also sagte ich wieder: „Nein.“ Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich den Telefonhörer auflegte. Sekunden später schoss es mir ein: „Maria, wenn du das jetzt nicht machst, verpasst du eine große Chance.“ Ich rief ihn also zurück und meinte: „Also, wenn du mitfährst, dann komme ich auch mit.“  Nun lag der Ball bei ihm. Georg hat mir später gestanden, dass er nun seinerseits kalte Füße bekam. Er ahnte, dass sich da eine feste Beziehung anbahnte. Er wusste allerdings, dass ich damals nicht gläubig war und hatte deswegen so seine Zweifel, ob es klug wäre, sich auf mehr einzulassen. Ihm war sein Glaube sehr wichtig. Schließlich entschied er sich doch, mitzufahren. Ich verschob meinen Flug extra um eine Woche und packte meine Wintersachen.

Gespräche in der Kälte brachen das Eis

Die vielen Gespräche, die wir bei bis zu -15 Grad Celsius führten, brachen schließlich das Eis und wir wurden ein Paar. Echt verknallt war ich, und dann der Abschied! Eine Hochschaubahn der Gefühle. Doch ich wollte meine Reise unbedingt trotzdem machen. Kein Mann der Welt hätte mich damals davon abgehalten. Diesen Test musste unsere Beziehung gleich zu Beginn bestehen. So hielten wir während der ersten paar Monate über die weite Entfernung Kontakt: zwei Telefonate, sonst Briefe. E-Mail gab es ja damals noch nicht. Ich war hin- und hergerissen zwischen Fern- und Heimweh. In dieser Zeit begann ich mich auch wieder mit dem Glauben zu beschäftigen, da für Georg dieses Thema so wichtig zu sein schien, und machte einen Neuanfang mit Gott.

Wir gehören wirklich zusammen

Nach sieben Monaten war ich wieder zurück und wir hatten beide das Gefühl, wirklich zusammenzugehören. Das darauffolgende Jahr lebten wir weiter eine Fernbeziehung, da ich in Graz studierte. Allerdings sahen wir uns zumindest alle zwei bis drei Wochen. Ziemlich bald folgte nach unserer Verlobung auch eine räumliche Annäherung. Zweieinhalb Jahre, nachdem wir uns kennengelernt hatten, heirateten wir. Ich war erst 22 Jahre jung! Aber bei Georg hatte ich nie die Angst, eingeengt zu werden. Im Gegenteil: An seiner Seite fühlte ich mich frei, aber auch geborgen und sicher.

Ehrlichkeit und Vertrauen

Sehr bald wurde uns allerdings bewusst, dass Beziehung auch Arbeit bedeutet. Wir waren von Anfang an sehr ehrlich miteinander. Mit wachsendem Vertrauen eröffnete ich Georg auch die verletzten Bereiche meines Lebens und begann, meine Geschichte aufzuarbeiten. Das war oft wirklich nicht leicht – für ihn und für mich. Besonders als dann unsere Kinder kamen. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er nie die Hoffnung und den Glauben aufgegeben hat und mir zur Seite steht, komme was wolle. Für mich ist diese Beziehung ein Geschenk. Und ich kann nach 20 Jahren wirklich sagen: Ich liebe meinen Mann von ganzem Herzen!

Auch schön: Eine Liebesgeschichte mit Umwegen



EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at