21. Januar 2019

Buchrezension: „Trau dich, es ist dein Leben“

trau dich - melanie wolfers - meinefamilie.at

Die Theologin, Philosophin, Autorin und Ordensschwester Melanie Wolfers ruft in ihrem Buch „Trau dich, es ist dein Leben – Die Kunst, mutig zu sein“ (erschienen im Verlag bene!) zu mehr Mut zur Verletzlichkeit jenseits der Scham auf.

Bereit auf den ersten Seiten des Buches werden die Begriffe Verletzlichkeit und Verletzbarkeit als zentrale Kategorien eingeführt. „Es ist also die Angst vor der Verletzlichkeit, die dazu führt, dass wir unserem Glück nicht trauen“, schreibt sie beispielsweise auf Seite 22. Über diesen Gedanken kommt sie auch zum titelgebenden Begriff Mut. „Verletzbarkeit zuzulassen hat mit Mut zu tun“, ist auf Seite 33 zu lesen.

Verletzlichkeit wagen

Diesem Akt des Mutig-Seins steht laut Wolfers oft die Scham im Wege. Wir schämen uns, wie sie in ihrem Text als ein Beispiel von vielen anführt, eine neue Sprache zu lernen und dabei wieder wie Sprachanfänger zu stottern, wir schämen uns wiederum in anderen Kontexten „als Weichei zu gelten“ (Seite 54). Vor allem aber schämen wir uns, so die Autorin, unsere Verletzlichkeit zu zeigen und damit auch für andere sichtbar zu machen, „wie ich wirklich bin“ (Seite 55).

Das aber wiederum sei zentral für jene, die Liebe wollen. „Wer Liebe will, muss Verletzlichkeit wagen“, meint Wolfers auf Seite 81. Nicht umsonst gebe es die Redewendung „to fall in love“, bei der das „Verletzungsrisiko“ sprachlich aufgenommen werden (Seite 81). Es gehe also darum die Innenwelt sichtbar zu machen (Seite 85).

Blickwinkel eines Vaters

In klarer, gut lesbarer Sprache führt Wolfers aus, wie wir uns anhand dieser Leitkategorien „Ichwärts“, „Duwärts“, „Weltwärts“, „Vorwärts“, „Inwärts“ und „Wirwärts“ bewegen könnten. Auf dem Weg „Ichwärts“ lässt man, folgt man den Überlegungen von Wolfers, beispielsweise Irritationen auf dem Lebensweg zu, begreift sich selbst und seinen Lebensentwurf als zerbrechlich und verletzbar. Beim „Duwärts“ liegt es auf der Hand, über erlittene Verletzungen und Kränkungen zu sprechen.

Besonders eindrucksvoll für Eltern ist aber der Gedanke, dass man den Kindern „Rückenwind geben soll“ (Seite 205). Aus Angst vor ihrer Verwundbarkeit neigen wir manchmal zur Überbehütung. „Kinder und Jugendliche müssen aus den übertriebenen Sicherheitszonen raus“, meint Wolfers weiter (Seite 207). Man müsse den Kindern auch ihre „eigene Verwundbarkeit zumuten“ (Seite 207).

Auch die Schule trage Verantwortung, denn es gebe dort viele „beschämende Vorfälle“ (Seite 208). Etwa dann, wenn man einen englischen Satz so lange aufsagen müsse, bis dessen Aussprache korrekt sei (Seite 208).

Fazit

Was sagt uns dieses Buch als Eltern? Vor allem eines: Aus einem überbehüteten Kind, das regelmäßig dazu gebracht wird, dass es sich für seine Unzulänglichkeiten schämt, wird womöglich auch ein schamhafter Erwachsener, der nicht den Mut hat, seine eigene Verletzbarkeit und Verwundbarkeit zu zeigen. Er wird womöglich eher in einer „Sicherheitszone“ bleiben und den Bezug zum „Du“ und zur „Welt“ nur schwer auf beherzte und mutige Art und Weise aufbauen können.

melanie wolfers - meinefamilie.at

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EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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