25. November 2014

Traute Zweisamkeit – keine Selbstverständlichkeit


Zeit zu zweit als Paar zu finden, wenn ein oder mehrere Kinder das Familienleben bereichern, ist nicht einfach. Und vor allem ergibt es sich nicht von selbst.

Zeit zu zweit als Paar zu finden, wenn ein oder mehrere Kinder das Familienleben bereichern, ist nicht einfach. Und vor allem ergibt es sich nicht von selbst. Wir waren vor den Kindern vier Jahre verheiratet und genossen diese Zeit ausgiebig. Einige Abende pro Woche waren zwar großteils durch ehrenamtliches Engagement in unserer Pfarre ausgefüllt, aber trotzdem fanden sich meist zwei bis drei Abende oder andere Zeiten, die wir gemeinsam verbrachten.

Aus Zweisamkeit wurde Dreisamkeit

Als unser erster Sohn das Licht der Welt erblickte, wurde uns erst bewusst, wie kostbar ungestörte Zeit zu zweit ist. Nun waren wir plötzlich so gut wie nie allein! Anfangs genossen wir diese besondere Zeit mit Baby, nannten sie sogar „Flitterwochen zu dritt“. „Allem Anfang wohnt ein Zauber inne“ hat Hermann Hesse so treffend geschrieben. Doch bald wurde uns bewusst, dass wir auch ein gewisses Maß an Zweisamkeit brauchen, wenn wir nicht nur noch nebeneinander funktionieren sondern eine erfüllende Partnerschaft leben wollen. Sehr oft gaben wir uns die Klinke in die Hand, damit einer von uns sich beruflich bzw. ehrenamtlich engagieren oder sich Zeit zum Erholen nehmen konnte. Zweisamkeit war nur dann möglich, wenn der Kleine schlief, doch untertags befanden wir uns selten beide zu Hause. Und am Abend waren wir oft einfach zu müde, um noch zu reden oder Zärtlichkeiten auszutauschen. Zwar bekamen wir manchmal „frei“, vor allem von meinen Schwiegereltern, die unser Bedürfnis nach Zweisamkeit verstanden und uns unterstützten, doch diese Abende waren rar und manchmal wussten wir nicht so recht, was wir mit den zwei freien Stunden anfangen sollten. Zu viele Dinge waren zu erledigen, zu besprechen, auszudiskutieren. Einfach nur Spaß zu haben erschien uns als Zeitverschwendung.

Zweisamkeit fix einplanen

Außerdem hatten wir unterschiedliche Bedürfnisse, da Freizeit einfach generell rar ist, wenn man kleine Kinder hat. Durch beinharte Erfahrung, aber auch den Rat aus guten Büchern begannen wir dann spätestens beim zweiten Kind, umzudenken. Was hatten die Kinder davon, wenn wir zwar die ganze Zeit für sie da waren, aber frustriert, da wir unsere Ehe vernachlässigten?

Wir begannen, fixe Zeiten für uns einzuplanen. Mindestens einen gemeinsamen Abend pro Woche. An diesem Abend nahmen wir uns bewusst vor, etwas Gutes für unsere Beziehung zu tun: einen guten Film anzusehen, daheim oder im Kino, und anschließend darüber zu reden. Spazierenzugehen, wenn nötig in konzentrischen Kreisen rund ums Haus mit eingeschaltetem Babyphon, wenn kein Babysitter verfügbar war. Brettspiele zu spielen, einander Dinge zu fragen und zu erzählen (dazu gibt es tolle Anregungen wie z.B. das „Liebesspiel“ von Team F. oder die „Talkboxen“ vom Neukirchener Verlag) Gemeinsam ein Glas Wein zu trinken, ein Essen beim Chinesen zu bestellen, wenn die Kleinen schliefen. Es gibt genügend kreative Möglichkeiten, um sich zwei schöne Stunden zu gestalten, auch ohne Babysitter.

Seit 16 Jahren „Uns Abende“

Über all die 16 Jahre, die wir mittlerweile verheiratet sind, hat sich daran nichts geändert. Nach wie vor sind die „Uns-Abende“, wie wir sie nennen, fixer Bestandteil unseres Terminplans. Besonders in turbulenten Zeiten waren diese Abende wie ein Mini-Kurz-Urlaub für uns. Und die Investition in unsere Ehe hat sich gelohnt: wir mögen einander immer noch (meistens J) und unsere Freundschaft hat sich über die Jahre vertieft. Mein Mann ist immer noch der wichtigste Mensch in meinem Leben und weiß das auch! Und umgekehrt…

Buchtipp: „Und plötzlich sind wir Eltern – wie frisch gewickelte Eltern trotzdem Paar bleiben“ von Elisa Morgan und Carol Kuykendall, Schulte & Gerth



EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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