16. Oktober 2015

Beziehung: Wenn das Kind zwischen uns steht


Frischgebackene Eltern zu sein ist eine Umstellung und kann das Gefühl mit sich bringen, dass “das Kind zwischen uns steht”. Am wichtigsten: das Gespräch.

Sabine ist enttäuscht – schon zum dritten Mal in dieser Woche schreibt Robert, ihr Mann, ein SMS, dass er später nachhause kommen wird. Sabine hängt ihren Gedanken nach. Irgendwie ist das Verhältnis zwischen ihr und Robert in den letzten Wochen “unrund” geworden. Dabei hatten sie sich beide so über die Geburt ihrer kleinen Lena vor acht Monaten gefreut und jeden einzelnen Tag als frischgebackene Eltern genossen. Jetzt hat Sabine oft das Gefühl, dass Robert überhaupt nicht versteht, wie sehr sich ihr Alltag und auch ihre gesellschaftlichen Beziehungen mit der Kleinen verändert haben. Sie fühlt sich von ihrem Mann alleingelassen und nicht wirklich unterstützt.
Robert hingegen findet, dass Sabine manches viel zu eng sieht und sich mit der Kleinen unnötig Stress macht. Am meisten ärgert ihn, dass seine Frau regelmäßig beim Ins-Bett-Bringen von Lena gleich mit einschläft und erst viel später ins Elternschlafzimmer wechselt.

Erstes Kind ist Umstellung

Gerade das erste Kind bedeutet eine große Umstellung für das Paar, weil es aus Mann und Frau “Vater” und “Mutter” werden lässt. In diese neue Rolle muss erst jeder für sich selbst hineinwachsen und dann auch den anderen in dieser Veränderung neu entdecken. Das kann zwischenzeitlich zu Missverständnis und Enttäuschung führen. Umso wichtiger ist es, dass jeder Partner sich zuerst seiner eigenen Erwartungen an den anderen in dieser neuen Situation bewusst wird und reflektiert:

Was belastet mich in meiner neuer Rolle und welche Unterstützung erhoffe ich mir vom anderen?
Welche Freiräume wünsche ich mir für mich und wie stelle ich mir unserer gemeinsame Zeit vor?
Was ist mir im Umgang mit unserem Kind sehr wichtig?

Gerade bei frischgebackenen Eltern tauchen außerdem viele Muster, Erfahrungen und Visionen  wie “So werde ich das einmal als Mutter/Vater machen” … aus der eigenen Kindheit auf. Meist weiß auch der Partner wenig von dieser inneren Welt des anderen. Und viele Konflikte beginnen genau damit, dass man fälschlicherweise annimmt, “der andere müsste doch wissen, sehen, verstehen,…”

Reden ist Gold

Deshalb gilt es dieses spannende Feld des eigenen Ichs zu erkunden, um es schließlich dem anderen mitzuteilen und mit ihm gemeinsam immer mehr etwas ganz Neues zu formen – “unsere Familie”. Prinzipiell ist eine gute Kommunikation eine wichtige Basis für eine geglückte Partnerschaft. Bedeutend ist dabei, das Gespräch nicht immer erst bei Unstimmigkeiten und mit negativen Aspekten zu beginnen.

Sabine sollte ihren Mann abends nicht mit einem “Schon wieder kommst du viel zu spät – immer bin ich alleine” empfangen. Robert nicht mit “Du verhätschelst Lena nur, wenn du ständig mir ihr schlafen gehst” rumnörgeln. Beides würde beim anderen eher eine Verteidigngspositon oder einen Gegenangriff auslösen. Besser ist es, dem anderen in einer ruhigen konfliktfreien Atmosphäre seine Wünsche und Erwartungen mitzuteilen. “Ich hätte so gerne, dass wir abends Lena gemeinsam versorgen”,
könnte Sabines Anliegen sein.

Wünsche aussprechen

Und Roberts Ärger könnte in ein “Ich finde, Lena könnte schon lernen, alleine einzuschlafen und ich würde das gerne einmal probieren. Dann haben wir auch wieder Zeit nur für uns”, umformuliert werden. Mit dem Aussprechen von Wünschen öffnet man dem anderen eine Tür zu seinem Inneren und es ist leichter, dass der Partner darauf positiv reagiert und sich darauf einlässt oder auch seine Sicht des Themas auf den “Gesprächstisch” legt.

Mit gegenseitiger Achtsamkeit und liebevoller Ehrlichkeit im Gespräch kann jede neue anfangs schwierige oder konfliktbeladene Familiensituation in eine Chance verwandelt werden, sich besser kennenzulernen und enger zusammenzuwachsen.

Lies auch: Strategien gegen den Alltagsstress in Beziehungen

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EIN ARTIKEL VON
  • Alexandra Schwarz

    In den Stella Kindergruppen und als Familienberaterin begleite ich Eltern in ihrer wunderbaren und spannenden Aufgabe der Erziehung. Als Mutter von sieben Kindern weiß ich, wie viel Freude Kinder bereiten, aber auch, wie hilfreich es sein kann, bei so mancher Herausforderung einen Input von „außen“ zu bekommen.


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