13. Juli 2016

Die Bedeutung der Sexualität in der Ehe

Bedeutung der Sexualität - meinefamilie.at

Fern vom heute propagierten Vergnügungssex – was bedeutet die Sexualität für das Ehepaar eigentlich? In der geschlechtlichen Begegnung redet der Leib selbst das Wort der Liebe. Es ist uns Ehepaaren aufgegeben, diese Botschaft zu erkunden, sodass der Leib vom Bild Gottes spricht in der Mitteilung der Liebe in Wahrheit.

Wir leben heute in einer Zeit, in der die Sexualität durch das Konsumdenken als Gebrauchs- und Genussmittel oftmals ihres tieferen Inhalts entleert worden und einem Verarmungsprozess ausgesetzt ist. Eine ganze Industrie mit Milliardenumsätzen lebt davon, den Körper der Frau zu vermarkten. Lust ohne Last heißt die Parole. Der reine Vergnügungssex wird propagiert, ohne Treue, ohne Bindung an den Partner und ohne Verantwortung für möglicherweise daraus entstehende Kinder.

Da wir Ehepartner unser Zentrum in Christus gefunden haben, macht seine alles durchdringende Liebe es möglich, auch unsere Sexualität als Geschenk des Schöpfers und in voller Freiheit anzunehmen und diese Kraft nicht selbstherrlich, sondern als Ausdruck der Gattenliebe zu gebrauchen. „Der Herr dem Leib und der Leib dem Herrn“ ist die Kurzfassung für die in der Gottesliebe integrierte Sexualität. Das ist weder Verdrängung noch Spiritualisierung oder Mystifizierung, sondern Freiheit des Geistes, die nur Gottes Geist schenken kann.

Als Mann und Frau besitzen wir die gleiche Würde, den gleichen Ursprung, um uns gegenseitig zu ergänzen. Gleichzeitig spüren wir in uns den Drang, aus unserer Ichbezogenheit zu entfliehen. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“, sagt die Schrift (Gen 2,18).

Der Mensch kann sich nicht in der Einsamkeit verwirklichen. Er ist geradezu auf Zweisamkeit angelegt.

Sonst wäre er nicht als das Abbild Gottes erschaffen; denn Gott ist in seinem tiefsten Wesen Liebe, Austausch.

Zur Heiligkeit berufen

Als Ehepaare sind wir zur Heiligkeit berufen. „Ihr sollt vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist“, sagt Jesus (Mt 5,48).  Wir sind schon deshalb auf den Weg zur Heiligkeit berufen, weil wir Kinder Gottes sind, weil wir an seinem Leben Anteil haben. Und damit werden wir zu dem, was Paulus sagt: „Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld“ (Kol 3,12).

Heiligkeit bedeutet für uns als Ehepartner die Verwirklichung einer erfüllten ehelichen Liebe. Es ist ein Weg der Gemeinsamkeit, des gemeinsamen Betens und Sich-Austauschens, ein Weg des Teilens und Teilnehmen-Lassens. Und da dies letztlich ein Werk Gottes ist, bewahrt er uns beide sowohl vor Überheblichkeit als auch vor Frustration, gerade dann, wenn wir uns unfähig fühlen.

Der Körper spricht das Wort der Liebe

Unsere Verschiedenheit manifestiert sich als ein Ruf nach dem total anderen. Die sexuelle Dimension wendet sich in ihrer verleiblichten Sprache dem anderen ganz zu. Als Geschenk des Schöpfers ist sie eine Botschaft, die Gott uns Ehepartnern in Liebe und mit dem Ziel der Liebe zuspricht. In unserer leiblichen Vereinigung vertiefen wir das unwiderrufliche Ja unseres Ehebundes. Damit sprechen wir ein Wort, das wie ein Echo des dreieinigen Gottes weiterklingt:

Am Anfang war das Ja, und das Ja war die Liebe, und die Liebe war das Ja.

In der geschlechtlichen Begegnung redet der Leib selbst das Wort der Liebe. Es ist uns Ehepaaren aufgegeben, diese Botschaft zu erkunden, sodass der Leib vom Bild Gottes spricht in der Mitteilung der Liebe in Wahrheit. Somit erreicht die menschliche Sprache  ihren Gipfel, indem ein Mensch sich ganz dem anderen schenkt in einem Bund der Liebe.

Lebens- und Liebesgemeinschaft

Während wir in einer unauflöslichen Lebens- und Liebesgemeinschaft ein Fleisch werden, dürfen wir füreinander und miteinander ein Abbild der väterlichen-mütterlichen Liebe Gottes sein, ein Abbild des freien Liebes- und Treuebündnisses zwischen Christus und seiner Kirche. Damit werden wir Ehepartner einander zur Mitteilung der Liebe Christi für seine Kirche, bis hinein in die leibliche Hingabe, die eingeschrieben ist in der Tiefe unseres Herzen und unseres Fleisches: als ein Appell zu einer Großzügigkeit ohne Grenzen, zu einer Übersteigerung unserer selbst in der sich mitteilenden Liebe zum Gatten hin. Als Liebende schenken wir uns gegenseitig Gott, worin auch unsere leibliche Vereinigung aufgehoben ist. In der sexuellen Begegnung wird auf lebendige Weise die Liebe Christi zu seiner Kirche repräsentiert. Sie manifestiert sich als sichtbares Zeichen, als Sakrament der Liebe Gottes zum Menschen. Darin liegt letztlich die Wurzel für die Unauflöslichkeit der Ehe. Weil die Beziehungen zu Gott unaufkündbar sind. Deshalb ist die Ehe eine Vorahnung, ein Zeichen für diese Beziehung mit ihm.

Ein sichtbarer Akt der Liebe Gottes

So wie der Gläubige in der Eucharistie nicht nur das Brot empfängt oder nur den Leib Christi, sondern den ganzen Christus mit seinem Wort, mit seiner Botschaft, mit seinem Leben, so nehmen wir Ehepaare in der körperlichen Vereinigung nicht nur den Leib des Partners auf, sondern seine ganze Persönlichkeit, sein Leben, sein ganzes Sein.

Damit kommt der körperlichen Sprache der Sexualität eine einzigartige Bedeutung zu. Sie gehört mit zum Fundament der liebenden Ich-Du-Beziehung, zu der wir beide jeden Tag neu gerufen sind. So wird unsere Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau zu einem sichtbaren Akt der Liebe Gottes in Zeit und Raum hinein. Deshalb sind wir nicht nur dazu berufen, ein Fleisch, sondern auch eine neue Schöpfung zu werden, wie wir es in einem Gebet zum Ausdruck gebracht haben:

„Herr, als Menschen sind wir mit Leib und Seele von Dir erdacht und von Anfang an geliebt. Wir erleben uns als Mann und als Frau. Unsere Sexualität gehört zu unserem gemeinsamen Leben. Auch in unserer Leiblichkeit willst Du uns begegnen. Wir erleben Freude aneinander, aber auch Enttäuschung. Guter Gott, alle Liebe kommt von Dir. Hilf uns, gerne Mann, gerne Frau zu sein. Du hast es eingerichtet, dass wir einander gefallen und Freude am Zusammensein empfinden. Nimm von uns, Herr, den Egoismus und fördere das Füreinander. Hilf uns, dass wir uns in Offenheit einander schenken, dass wir uns ergänzen und uns als wirklich gleichwertig erkennen und anerkennen.“

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EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe ins Heilige Land führte, fand ich meine Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe und Reiseleiter fand ich hier auch meine “wahre” Heimat.


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