1. Juni 2017

Als Paar Entscheidungen treffen

Als Paar Entscheidungen treffen - meinefamilie.at

Bei der Hochzeit haben wir JA zu unserem Partner gesagt. Mit der Art und Weise, wie wir Entscheidungen treffen, können wir zeigen, dass wir dieses JA ernst meinen.

Bei der Hochzeit entscheiden sich zwei Menschen freien Willens dazu, in Zukunft gemeinsam durchs Leben zu gehen. Diesen zwei selbstbestimmten Jas folgen eine ganze Menge anderer Entscheidungen. Große, wie: Wo werden wir wohnen? Wie erziehen wir unsere Kinder? Was sage ich zu dem Jobangebot in einer anderen Stadt? Und kleine: Gehen wir am Sonntag zu den Großeltern essen? Wer macht nach dem Essen die Küche sauber? Welche Farbe sollen die Vorhänge haben?

Vor Gott ist man nun eins. Und doch hat man auf so viele Fragen zwei unterschiedliche Antworten. Wie kommt man dann zu einer Lösung?

Reden, reden, reden

„Über’s Reden kommen d’ Leut zsam.“, heißt es. Und „zsam kommen“ (bei Entscheidungen) bzw. „zsam bleiben“ (als Paar), das wollen wir ja. Vielleicht können wir täglich gemeinsam Abendessen, uns austauschen und anstehende Entscheidungen besprechen. Möglicherweise ist der Alltag aber so mit Terminen gefüllt, dass solche Gesprächszeiten zu kurz kommen. Auch wenn man die gleiche Wohnadresse hat, kann es hilfreich sein, sich konkret zu verabreden und zu plaudern, so wie mit anderen Freunden auch. Schließlich will man wissen, wie es dem Partner geht und was er denkt. Und ihn am liebsten immer noch besser kennenlernen.

Außenstehende nicht mitentscheiden lassen

Ich sehe meinen Mann oft. Meist sind aber gleichzeitig unsere kleinen Kinder, häufig auch Freunde oder Verwandte zugegen. Das ist dann nicht der richtige Rahmen, um Entscheidungsfindungen oder gar Meinungsverschiedenheiten anzugehen. Es passiert leicht, dass auch andere Anwesende ihre Meinung äußern und es entstehen „Lager“. Oder es ist den Zuhörern gar unangenehm, die Paardiskussion mitanzuhören. Lasst es allein eure Entscheidung sein und sucht euch dafür den passenden Rahmen. Bei uns ist es momentan am besten, die Kinder ins Auto oder den Kinderwagen zu setzen bis sie eingenickt sind, um dann in Ruhe zu reden.

Manchmal können fremde Meinungen natürlich auch hilfreichen Input geben. Je nach Fragestellung sollte das Einholen von weiteren Ansichten aber behutsam erfolgen.

Sich nicht unter Druck setzen lassen

Oft werden Entscheidungen aus einem Impuls heraus getroffen, weil sie gerade jetzt anstehen. Oder man gerade jetzt gefragt wird. Übereilte Entscheidungen können sich aber als ungünstig herausstellen und in den allermeisten Fällen sind sie bei weitem nicht so dringend, wie sie dargestellt werden. Ein klares „Danke für die Nachfrage. Ich kann das jetzt nicht entscheiden. Ich melde mich“ oder „Wir besprechen das“ hat schon öfter in vermeintlich dringenden Fällen geholfen. Für mich gilt: Wenn meine Entscheidung meinen Mann mitbetrifft, dann treffe ich sie auch nicht alleine. Druck hin oder her.

Die Entscheidungen des anderen mittragen

Während uns bei den Hochzeitsvorbereitungen noch wichtig war, jedes Detail gemeinsam zu überlegen und zu entscheiden, überfordert uns dieser Anspruch nun im Alltag mit zwei Kleinkindern. Natürlich können auch alleine Entscheidungen getroffen werden. Wenn es dem Partner oder der Partnerin Recht ist. Wenn er oder sie bereit ist, eine Entscheidung vertrauensvoll abzugeben, dann aber mitzutragen. Wird beispielsweise die Wahl des Kindergartens der Frau überlassen, sollte der Mann nicht immer über den langen Anfahrtsweg jammern, sondern sich lieber die Beweggründe noch einmal erklären lassen. 

Umso besser man einander kennt, umso leichter fällt auch das Vertrauen in die Entscheidungen des anderen. Vertrauen, das Zeit spart und die Beziehung stärkt.

Es spart auch Zeit, wenn man einfach nachgibt. Manchmal ist das der einfachere Weg. Hier trifft ebenfalls der andere die Entscheidung. Dann aber nicht, weil ich sie ihm anvertraut habe, sondern weil ich aufgegeben habe, ihn verstehen zu wollen.

Die richtige Einstellung zu Entscheidungen

Damit Entscheidungsfindungen etwas Angenehmes bleiben und man sich nicht in Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten verstrickt, hilft es, die eigene Sichtweise immer wieder zu hinterfragen. Ich versuche mir bewusst zu machen, dass es mein Partner gut meint. Er hat nicht mir zu Fleiß eine andere Ansicht. Auch ihm geht es darum, was das Beste für uns ist. Das hilft mir, in meiner Wortwahl fair und wertschätzend zu bleiben. Trotzdem kommt es vor, dass ich seinen Standpunkt manchmal überhaupt nicht nachvollziehen kann. Dann hilft oft eine Pause, in der ich überlege, was eigentlich hinter dieser Sichtweise stecken könnte.

Das Verstehen seiner Meinung steht dann im Vordergrund, nicht das Überzeugen mit meinen Argumenten.

Die überraschende Wendung: Es gibt sie

Eine lang anhaltende, sich möglicherweise im Kreis drehende Diskussion ist nicht schön. Aber für uns hat sich das Durchhalten noch immer gelohnt. Die Lösung haben wir dann schon oft als Geschenk des Himmels empfunden. Etwa als wir einen ganzen – wirklich anstrengenden – Urlaubstag in Kroatien mit Abgleichen unserer Musikvorstellungen für die Hochzeit verbracht haben und abends kurzer Hand zwei fabelhafte Musiker am Strand engagierten, die tatsächlich ein halbes Jahr später an unserem Festtag in Österreich gespielt haben.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Agnes Rehor

    Ich bin Kindergarten- und Hortpädagogin und habe Diätologie studiert. Seit 2013 bin ich verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Mit meiner Familie wohne ich derzeit in Wien, träume aber vom Haus am Land – am Balkon übe ich fleißig das Gärtnern. Außerdem koche ich mit Begeisterung und liebe - nicht nur in der Küche - unkonventionelle Ideen.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at