5. November 2015

Als Paar aneinander und miteinander wachsen


Wie zwei Pflanzen, die sich aneinander hochranken, ist eine gesunde Beziehung. Aneinander und miteinander wachsen beide Ehepartner. Wie kann das gehen?

Persönlich reifen und miteinander wachsen

Als „altes“ Ehepaar und auch schon halbwegs erfahrene Eltern haben wir bereits verschiedenste Phasen durchlebt und auch schon Schwieriges gemeistert. Wenn ich so auf die vergangenen 17 Jahre unserer Ehe zurückblicke, staune ich nicht schlecht, welche Auf und Abs wir schon hinter uns haben. Welche persönliche Entwicklung jeder von uns durchgemacht hat. Ich freue mich über uns und bin froh, dass wir da stehen, wo wir heute stehen. Gleichzeitig sehe ich deutlich einige Bereiche, in denen ich mir noch besseres Teamwork, gegenseitiges Verständnis und klarere Kommunikation wünsche. Wir arbeiten daran. Nicht immer ganz systematisch, manchmal auch etwas widerstrebend. Doch wir bleiben dran. Beide. Das ist ein wirklich großes Plus. Dass wir eben nicht stehenbleiben, wo wir sind, sondern immer noch nach mehr streben. Es ist eine Kunst, sich jeder für sich individuell weiterzuentwickeln und einander dabei gegenseitig mitzunehmen.

Miteinander wachsen statt den anderen abhängen

Persönlich zu reifen, zu wachsen, ohne den anderen dabei abzuhängen oder zu überflügeln. Zwischendurch im Gespräch zu bleiben, Dinge zu klären, zu erklären. Sich nie einfach selbständig zu machen, ohne den Versuch, den anderen mitzunehmen. Klar gelingt das nicht immer. Es gibt Zeiten, da braucht es sehr viel Geduld und Feingefühl. Da muss man auch mal warten können, bis der andere mitkann. Manchmal ist es aber auch dran, persönliche Schritte zu setzen, wenn der andere sie (noch) nicht versteht. Das tut weh. Einerseits das Gefühl des Unverstandenseins, andererseits das Gefühl, den anderen zurücklassen zu müssen.

Ein Paar wie zwei Pflanzen

Ich stelle mir eine gesunde menschliche Beziehung, eine gesunde Ehe, vor wie eine Kordel, die in sich gedreht ist, sich dann aber nochmals um den anderen Strang schlingt. Die Gestaltung einer so engen Beziehung ist für mich ein wenig so: Man kümmert sich einerseits um sich selbst, um die eigene Gottesbeziehung, um die eigenen Interessen, arbeitet an sich, schleift seinen Charakter (mit Gottes Hilfe…). Andererseits gibt es diese Leichtigkeit, das Spielerische, das Zusammenfinden, das geschieht, wenn man die straff gedrehten Enden loslässt und die Kordel ihre endgültige Form findet. Dabei ist es wesentlich, dass die Windungen eng genug sind, um die Kordel zusammenzuhalten, aber auch locker genug, um sie nicht allzu starr werden zu lassen.

Es liegt viel Freiheit in dieser Liebe, doch auch Verbindlichkeit.

Die Verbindlichkeit des Eheversprechens bildet den Rahmen, im dem die Liebe sich in Freiheit bewegen kann. So wird etwas Neues, Wunderschönes geschaffen, Tag für Tag, Stunde um Stunde. Ehe ist sozusagen ein „Kunstwerk im Entstehen“, niemals wirklich „fertig“, so wie beide Charaktere ja nie ganz vollkommen sind, doch immer schöner, je länger der Wachstums- und Gestaltungsprozess andauert. Insofern ist ja mein Beispiel mit der Kordel etwas mangelhaft. Man sollte vielleicht das Bild von zwei Pflanzen verwenden, die sich aneinander hochranken. Mal gibt die eine der anderen Halt, dann strebt sie wieder nach oben. Aneinander und miteinander wachsen beide.

Zeitgleich Offenheit und Zusammenhalt

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als junge Erwachsene allein Bergsteigen war und ein älteres Ehepaar bei seiner Jausenpause antraf. Die beiden strahlten eine solche Harmonie aus, ein Zusammengehörigkeitsgefühl, ja sogar eine gewisse äußere Ähnlichkeit, dass ich schmunzeln musste. Gleichzeitig nahmen sie mich für einige Minuten wie selbstverständlich in ihre Gemeinschaft mit auf, luden mich ein, mit ihnen zu rasten und zu essen. Als wir gemeinsam über die weiten Gipfel staunten, befiel mich eine vage Sehnsucht, dass ich es, so wie die beiden, auch später einmal haben wolle: eine Beziehung, die gleichzeitig eng, aber auch weit ist. Einerseits war Offenheit spürbar und Wärme. Kein sich selbst genügendes, symbiotisches Abgekapseltsein vom Rest der Welt. Andererseits war da ein Zusammenhalt, der viele Jahrzehnte über gewachsen war. Ein lebendiges Kunstwerk, das sich in mein Herz eingebrannt hat und mir jetzt, wo ich daran denke, ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Passend dazu: Beziehungspflege – Service-Check für die Beziehung

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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