13. Oktober 2015

Als Ehepaar die Einheit leben


Ein “göttlicher Traum” ist es, wie Ehepaare Einheit leben, sodass Menschen feststellen: “Seht, wie sie einander lieben”, so wie man von den ersten Christen sagte.

Statt Hörigkeit liebend hinhören

Durch die sieben Sakramente offenbart sich Christus in einer ganz besonderen Weise, wird gegenwärtig und schenkt sich uns. Eines davon ist die Ehe. Gott sagt in der Ehe “Ja” zum Menschen und teilt ihm diese Liebe im Laufe seiner Geschichte mit. Der Mensch in der Ehe antwortet in Liebe und sagt “Ja” zu Gott. Darin liegt nun die große Herausforderung für uns Ehepartner in dieser Zeit: Wir sollen durch unser Beispiel deutlich machen, was es heißt, dass Christus das liebende Haupt seiner Kirche ist, nicht im Sinne eines Pantokraten, der Befehle erteilt, der alles von oben herab lenkt und funktionieren lässt, sondern der seinen Geist den seinen schenkt, die sich ihm hingeben; der sein Haupt zu ihnen herabneigt, auf sie hört und ihnen nahe ist.

Einheit leben, indem wir lieben

Wir Ehepaare haben die meiste Erfahrung damit, wie man diese Einheit verwirklichen kann. Gerade darin ist uns eine prophetische Aufgabe zugeteilt; denn das Sakrament der Ehe bedeutet nicht, dass wir das gängige Verständnis der Welt von Ehe übernehmen: als zwei unabhängige Individuen, die wie freundliche Nachbarn miteinander auskommen. Unsere Ehe beinhaltet eine völlig andere Lebensweise im Hinblick auf die Worte Jesu: “Sie sollen eins sein, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir” (Joh 17,21). Das ist sein Vermächtnis an die ganze Kirche, sein Testament an alle Christen.

Diesen “göttlichen Traum” verwirklicht er in der Art, wie wir Ehepaare miteinander umgehen, wie wir diese Einheit leben, indem die Menschen uns sehen und feststellen: “Seht, wie sie einander lieben”, so wie man von den ersten Christen zu sagen pflegte.

Kampf der Geschlechter durch größere Liebe überwinden

Sich gegenseitig unterordnen hat für Mann und Frau als mündige Christen nichts mit Hörigkeit, sondern mit Hinhören zu tun. “Wer euch hört, hört mich”, sagt Jesus zu seinen Jüngern (Lk 10,16). Wenn die Glieder der Kirche es verstehen, liebend auf die Nachfolger der Apostel zu hören, dann ereignet sich Unterordnung der Kirche unter Christus. Nur so kann sich die Kirche in der Welt als glaubhaft erweisen.

Auf die Ehe übertragen geht es hier mehr um die Haltung der liebenden Aufmerksamkeit dem Partner gegenüber in der Bereitschaft, sich von ihm alles schenken zu lassen. Damit erfährt die Frau in ihrer Beziehung zu Christus, der nicht unterdrückt, sondern sie zur Freiheit und innerer Reife und Selbständigkeit führt, eine Orientierung für die Beziehung zu ihrem Mann: nicht in unreifer Ängstlichkeit, sondern in einer Ehrfurcht, die ein Ausdruck reifer Liebe ist und nichts zu tun hat mit einem passiven Sich-Abfinden der bestehenden Verhältnisse. Und damit wird der Kampf zwischen den Geschlechtern durch eine größere Liebe überwunden. In dieser Art der Beziehung findet die Frau ihren Platz im Selbstbewusstsein des Erlöstseins, in dem sowohl Hörigkeit und scheinheilige Unterwürfigkeit wie auch versteckte oder offene Aggressivität verbannt sind.

Liebe mit Bereitschaft, Leben hinzugeben

Außerdem richtet sich im 5. Kapitel des Epheserbriefes der Vers 25 mit einem ernorm hohen Anspruch an die Ehemänner. Sie sollen ihre Frauen so lieben, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat. Also mit einer Aufforderung zur einer Liebe, die auch bereit ist, das Leben für den geliebten Partner hinzugeben.

Dann kann tatsächlich unser Ehe-Leben zu einem Modell für die Kirche werden, nämlich aus der Erfahrung heraus, dass Kirche nicht als starre Institution zu verstehen ist, in der der Papst, die Bischöfe und Priester als Funktionäre handeln und die Gläubigen als ungeduldige Schafe nach oben hin “blöken” oder ganz aus der Herde ausscheren. Unser liebendes Hinhören aufeinander macht dann deutlich, wie sehr die Kirche ein Liebesakt der Hingabe an Christus ist, ausgedehnt in Raum und Zeit.

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EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe ins Heilige Land führte, fand ich meine Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe und Reiseleiter fand ich hier auch meine “wahre” Heimat.


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