8. November 2017

Acht Erkenntnisse aus acht Jahren Ehe

Acht Erkenntnisse aus acht Jahren Ehe - meinefamilie.at

Im Wohnzimmer hängt eines unserer wunderschönen Hochzeitsfotos. Eine Stunde nach unserer kirchlichen Trauung geschossen, ich auf den Armen meines Mannes, leicht wie eine Feder im weißen Kleid (so sieht es zumindest aus ;-)). Über acht Jahre sind seitdem vergangen. Viele Erkenntnisse haben mein Mann und ich in diesen Jahren gewonnen, einige möchte ich mit euch teilen.

#1 Mein Partner bleibt ein Geheimnis

Schuhe putzen ist nicht so sein Ding, Essiggurkerl zur Jause müssen sein. Es sind banale Dinge, aber auch viele tiefgründige, die ich im Laufe unseres Zusammenlebens gelernt habe: Was sind seine Träume? Wovor hat er Angst? Wie spürt er meine Liebe am meisten?

Ich entdecke neue Seiten an meinem Mann und erkenne gleichzeitig: Er bleibt auch ein Stück weit Geheimnis für mich.

Ich durchschaue ihn nicht wie ein Röntgengerät einen menschlichen Körper. Nicht weil er mir absichtlich Dinge verheimlicht. Sondern weil jeder diesen innersten geheimnisvollen Kern hat, der andere zum Staunen bringt und der uns Menschen so einzigartig und interessant macht.

#2 Liebe ist Entscheidung – jeden Tag neu

Abends, 18 Uhr 30. Ich, erschöpft von einem Tag, der nichts mit rosarotem Bilderbuchfamilienleben zu tun hatte. Streit darum, wer zuerst aus dem Auto aussteigen darf. Zankende Kinder, eine Mama, die das Prädikat „pädagogisch nicht wertvoll“ verdient hat. Mein Mann, müde vom frühen Aufstehen, weil der Kleinste schon um halb sechs den Tag beginnen wollte, und von der Arbeit im Büro, genervt vom überdrehten Fangenspielen im Wohnzimmer. Nach Tagen wie diesen ist bei meinem Mann und mir von schönen Gefühlen füreinander nicht viel zu spüren.

Da wird klar: Ich bin nicht automatisch liebevoll; ich muss mich dafür entscheiden, meinen Mann nicht giftig anzufauchen, ihn zu fragen, wie es ihm geht und den anstrengenden Tag mit einer Umarmung zu beenden.

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#3 Ich muss mich ändern, nicht den Partner

Da gibt es diese leise Erwartung am Beginn einer Ehe: Diese Schwäche treibe ich ihm schon noch aus. Mein Mann liebt mich, da wird er sich schon ändern! Nix da. Eine Ehe ist kein Umerziehungscamp. Ich lerne das beinhart Tag für Tag, denn ich bin die geborene Umerzieherin! Ein Beispiel: Herumliegende CDs, die nicht in ihre Hülle zurückgesteckt werden, machen mich wahnsinnig. Kann ja nicht so schwer sein, die Hülle liegt ja direkt neben der Stereo-Anlage! Und dann schimpfe ich wie ein Rohrspatz. Es heißt aber: Nicht den anderen soll man ändern, sondern sich selbst. Das löst unser CD-Problem nicht, eine tiefe Wahrheit steckt aber drinnen.

Unser Miteinander ändert sich, wenn ich nicht die strenge Polizistin bin, sondern Schwächen annehme, barmherzig bin und letztlich an meinen eigenen Schwächen arbeite.

#4 Beziehung ist Gnade

Kirchlich verheiratet zu sein, bedeutet für mich, auf Gottes Hilfe und Gnade zu vertrauen. Ich spüre immer wieder, wie Gott uns hilft und uns segnet. Dann, wenn herumliegende CDs unser kleinstes Problem sind. Wenn mein Mann und ich uns gegenseitig verletzen und enttäuschen und sich doch wieder eine Tür auftut.

#5 An erster Stelle steht mein Mann

Es ist natürlich so: Die Kinder brauchen von uns Eltern viel mehr Zeit, Zuwendung und Aufmerksamkeit als der Partner. Sie müssen geweckt, mit Essen versorgt, Zähne geputzt werden. Wir trösten sie, lesen ihnen vor, halten ihre Hand abends im Bett. Trotzdem gibt es eine klare Priorität in unserer Familie: An erster Stelle steht die Beziehung zwischen meinem Mann und mir. Denn wenn es uns miteinander gut geht, geht es auch den Kindern gut. Und: Die Kinder sollen irgendwann in die Welt hinausziehen und ihr eigenes Leben leben.

Wir als Paar wachsen hoffentlich noch mehr zusammen und haben auch in fünfzig Jahren noch Freude aneinander.

#6 Unzufriedenheit macht unglücklich

Viel zufriedener wäre ich, wenn wir in einem großen Haus mit Garten leben würden. Wenn die Kinder ohne Protest Zähneputzen würden. Wenn mein Mann früher von der Arbeit käme. Halt! Der schleichenden Unzufriedenheit will ich nicht so viel Raum lassen. Sie macht mich und damit auch meinen Mann und die Kinder unglücklich.

#7 Mein Mann allein macht mich nicht glücklich

Als Jugendliche und junge Frau war mir klar: Habe ich erst einmal den richtigen Mann gefunden, macht mich das vollends glücklich. Ist doch auch so im Märchen. Finden Prinz und Prinzessin zusammen, leben sie glücklich bis an ihr Lebensende. Ja, aber…

Mein Mann trägt viel zu meinem persönlichen Glück bei, meine innerste Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit kann er aber nur zum Teil stillen.

Er ist selbst ein Mensch mit Schwächen ist und enttäuscht und verletzt mich. So wie ich es tue. Erwarte ich mir von ihm die völlige Erfüllung, belaste ich ihn und damit auch unsere Beziehung.

#8 Visionen und Träume

War da nicht irgendwas? Wollte er nicht diesen Urlaub mit Freunden machen? Wollten wir mit den Kindern nicht mehr reisen? Wie war das nochmal mit der beruflichen Umorientierung? Für Visionen und Träume scheint im hektischen Familienleben oft kein Platz. Uns ist bewusst, dass es uns spätestens in der Midlifecrisis auf den Kopf fällt, wenn wir unsere Herzenswünsche permanent ignorieren und auf später verschieben.

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EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.



3 Kommentare
  • Lissy, 13. November 2017, 8:44 Antworten

    Toll geschrieben, vielen Dank dafür! Ehe ist Arbeit - Beziehungsarbeit. Einmal fällt die Arbeit leichter, einmal scheint es schier unmöglich Fortschritte zu machen. Manchmal wird man überraschend "belohnt" manchmal erhält man gar keinen Dank. Punkt 6 & 7 sprechen mir aus dem Herzen. Irgendwie hatte ich auch die Vorstellung: "Wenn ich erst mal verheiratet bin... wenn ich erst mal Kinder habe... wenn ich erst mal ein Haus im Grünen habe..." dann bin ich glücklich. Warum so lange warten? Warum nicht einfach im hier und jetzt, mit den Mitteln die man hat, glücklich sein? Warum warten bis der Partner/die Partnerin einen glücklich macht? Das Leben ist so kurz - darum jeden Moment bestmöglich genießen. Die Umstände, entweder akzeptieren, oder ändern, aber nicht immer Ausreden gelten lassen. In diesem Sinne, ich wünsche einen guten Start in die neue Woche - hoffentlich mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht! :)

    • Sandra Lobnig, 15. November 2017, 18:12 Antworten

      Im hier und jetzt glücklich sein - das ist wohl der Schlüssel! Dankbarkeit spielt da eine grosse Rolle, auch wenn das etwas abgedroschen klingt. Danke für deine Gedanken!

  • I.B. 15.11.2017, 15. November 2017, 13:59 Antworten

    Habe schon lange nicht mehr einen so intelligenten, inspirierenden Artikel gelesen! Toll!

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