7. Juni 2018

Mythos Monogamie? Ich bin dann mal treu!

ewige treue - meinefamilie.at

In der heutigen Zeit werden wir immer mehr damit konfrontiert, dass eine lebenslange Treue ein Mythos wäre. Dass wir Menschen nicht in der Lage sind, mit nur einem Partner das Leben zu verbringen. Dennoch gibt es genug Menschen, die sich für eine monogame Beziehung entscheiden und diese auch leben.

Seit über 11 Jahren bin ich mit meinem Mann zusammen, davon 4 Jahre verheiratet. Pünktlich zu unserem Hochzeitstag habe ich über die Treue nachgedacht, denn ich habe während unserer gesamten Beziehung meinen Mann nie betrogen. Ich dachte darüber nach, wieso manche Menschen treu sind und es denen scheinbar gar nicht schwer fällt und manche hingegen Abenteuer außerhalb der eigenen Beziehung suchen. Ich überlegte, wieso manche Menschen eigenen Partner anlügen und sich nicht lieber trennen. Ich kann schwer sagen, wieso jemand betrügt und lügt. Ich will auch niemanden verurteilen, denn ich weiß nicht, was Menschen dazu treibt fremdzugehen. Ich will keinen Richter spielen und sagen, was richtig und was falsch ist. Ich will erklären, wieso ich monogam lebe und ob es mir leicht fällt.

Rauschende Liebe, nüchternes Erwachen?

Am Anfang einer Beziehung ist alles schön, man denkt nur an die neue Liebe und potentielle Verehrer sind für einen völlig uninteressant. Aber mit der Zeit beginnt jede Beziehung zur Routine zu werden. Keine aufregenden Überraschungen mehr, den Partner kennt man hin und auswendig. Seine guten Seiten sind zur Selbstverständlichkeit geworden, seine schlechten Gewohnheiten können ganz schön nerven. Dennoch bleibt man in der Beziehung und entscheidet sich die Partnerschaft gemeinsam zu meistern. Man will zusammen durch das Leben gehen. Diese Entscheidung ist in der Zeit des Verliebtseins noch sehr einfach einzuhalten. Kommt die erste Krise, kommen auch die ersten Zweifel und das kann an der Monogamie ordentlich rütteln.

Bewusste Entscheidung

Wenn zu Hause alles schief läuft und plötzlich jemand da ist, der einen versteht, zuhört und für einen da ist, ist es sehr verlockend von dem monogamen Weg abzukommen. Wer sagt, er war noch nie in so einer Situation, der lügt. Ich erlebte schon Zeiten, wo mein Mann wenig Zeit für mich hatte und ein anderer mir schöne Augen machte. Ich erlebte Krisen, wo wir viel gestritten haben und plötzlich jemand da war, mit dem ich mich blendend verstanden habe. Ich erlebte Zeiten, in denen mein Mann mich nicht verstanden hat und ein anderer genau wusste, was ich meinte. War es ein Studienkollege, ein netter Mitarbeiter, oder ein alter Freund. Die Versuchungen sind überall, aber ich war fest entschlossen, mit dem einen Mann mein Leben zu teilen. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, ihm treu zu sein und je größer die Versuchung war, desto intensiver arbeitete ich an meiner bestehenden Beziehung. Und es zahlte sich aus. Anstatt die Energie in eine neue Beziehung zu stecken, schraubte ich an der alten und versuchte die Probleme zu lösen. Was sehr wichtig war: mein Partner war auch immer bereit an der Beziehung zu arbeiten und auch wenn sich unsere Vorstellungen nicht immer trafen, waren wir bereit einen Kompromiss einzugehen.

Meine Treue

 Manche sagen, sie sind treu, weil sie Angst haben erwischt zu werden. Ich bin treu, weil ich mir selbst nicht in die Augen schauen könnte, wenn ich meinen Mann hintergehen würde. Auch wenn er es nie erfahren würde, könnte ich meine monogame Welt nicht verlassen. Denn es hat in erster Linie etwas mit mir zu tun. Nicht mit ihm. Es wäre mein Versagen, meine Schwäche. Ich würde mich selbst dafür verurteilen. Abgesehen davon ist es für mich nicht vorstellbar einen anderen Mann nur zu küssen. Mein Magen verdreht sich, wenn ich daran nur denke. Vielleicht habe ich Glück, dass ich meinen Mann noch immer so sehr liebe. Ich denke aber eher, dass hinter meinem Glück eine harte Arbeit steckt. Eine Arbeit, die wir beide gemeinsam geleistet haben. Ein Wille zusammen zu sein. Eine Bereitschaft einiges aufzugeben, damit wir miteinander glücklich sind und nicht nur jeder für sich selbst.

Treu seinetwegen

Ich schätze meinen Mann, ich respektiere ihn mit all seinen Schwächen und schlechten Gewohnheiten. Manchmal will ich ihn zum Mond schießen, aber dann fällt mir ein, wie sehr ich ihn vermissen würde. In meinen Augen wäre es eine unglaubliche Frechheit ihn zu betrügen. Denn er hat es einfach nicht verdient. Er ist ein liebevoller Mann, er ist fürsorglich, lieb, ein toller Vater. Er würde für seine Familie alles tun. Immer, wenn wir in einer Krise stecken, oder wenn wir eine schwere Zeit durchmachen, denke ich an die guten Zeiten und an seine liebevolle Art. Und ich weiß, egal was passiert, ich will mit ihm zusammen sein. Ich will mit ihm mein Leben teilen. Er hat es verdient fair und respektvoll behandelt zu werden. Auch wenn er sich gerade nicht nach meinen Vorstellungen verhält. Ganz nach dem Motto „in guten wie in schlechten Zeiten“…

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Mein Versprechen

Das habe ich ihm versprochen und ich nehme mein Versprechen sehr ernst. Ich bin mir der Verantwortung bewusst, die ich mit diesem Versprechen trage. Auf der einen Seite bin ich und meine Bedürfnisse und auf der anderen er. Der Mann, den ich geheiratet habe. Aus Liebe, aus Bewunderung. Er ist derjenige, der einen besonderen Platz in meinem Leben hat. Deshalb ist es für mich selbstverständlich, dass er der einzige Mann in meinem Leben ist. Ich kann und will ihn nicht mit anderen Männern vergleichen. Ich will keinen anderen Man auf seine Ebene in meinem Leben stellen. Weil wir zwei nicht nur ein Ehepaar sind. Wir sind beste Freunde, wir vertrauen uns. Wir kämpfen zusammen und suchen zueinander, wenn wir uns entfernen. Wir behüten unsere Liebe. Weil wir uns ein Versprechen gaben und weil wir uns dafür bewusst entschieden haben.

Untreue als Rache?

Wenn ich schon sage, mein Mann hat es verdient fair behandelt zu werden, frage ich mich, ob es Menschen gibt, die es verdient haben, betrogen zu werden? Wer entscheidet, welche Menschen es verdienen und welche nicht? Ich finde, es hat niemand verdient. Es gibt Männer, die ihre Frauen schlecht behandeln, dennoch sollte man immer bedenken, dass die Untreue keine Lösung ist. Und so ein Vertrauensbruch nicht nur die Beziehung zerstört. Untreue verletzt immer mehr Menschen, als nur den Betrogenen. Sie zerstört auch den Fremdgeher selber. Denn sie macht ihn zu einem schlechten Menschen, was er wahrscheinlich gar nicht ist.

Ohne Arbeit kein Lohn

Aber jetzt möchte ich endlich die Frage aller Fragen beantworten: Fällt es mir einfach treu zu sein? Ja. Habe ich Glück lebenslange Liebe gefunden zu haben? Nein. Ich habe kein Glück, ich habe nur Glück einen Partner zu haben, der gemeinsam mit mir an unserer Beziehung arbeitet. Der sich bemüht, redet, zuhört. Manchmal gehen wir uns aus dem Weg, um uns später noch enger zusammenzuschweißen. Manchmal bin ich froh, alleine zu sein, doch kurze Zeit später vermisse ich ihn schon wieder. Es ist nicht schwer monogam zu leben, wenn man den anderen schätzt, liebt und respektiert. Und wenn man das Gleiche vom Partner empfängt. Liebe ist ein Geschenk, um das man sich intensiv kümmern muss. Es ist nicht schwer zu gehen, wenn es mal schlecht läuft – viel schwerer ist es zu bleiben.

Fokus auf das Gute

In langjährigen Beziehungen neigt man dazu, schlechte Eigenschaften des Partner hervorzuheben, während die guten als selbstverständlich gesehen werden. Man konzentriert sich oft an das Negative und steigert sich hinein. Wir Frauen wollen unsere Männer oft so sehr ändern, dass wir vergessen, was für eine tolle Person wir an unserer Seite haben. Zwei, drei schlechte Eigenschaften überschatten die hunderte von guten. Während wir uns täglich über unaufgeräumte Socken und Chaos im Badezimmer ärgern, vergessen wir, wie hingebungsvoll unsere Männer gemeinsame Kinder betreuen, verantwortungsvoll die Familie ernähren oder uns liebevoll jeden Tag in der Früh einen Kaffee machen. Wie wäre es mit mehr Dankbarkeit? Ein kleines Dankeschön und zarte Umarmung geben dem Partner das Gefühl geschätzt zu werden und die Beziehung gewinnt an Qualität. Wenn wir uns entspannen und mehr an das Gute konzentrieren, werden unsere Beziehungen besser und oft auch einfacher. Die Kleinigkeiten zu schätzen und dankbar zu sein macht uns bestimmt glücklicher.

Ich glaube nicht, dass ich ein Rezept für eine glückliche Beziehung gefunden habe. Ich finde nur, dass man den Partner so behandeln sollte, wie man selbst behandelt werden möchte. Wenn man sich an diese einfache Regel hält, kann man zumindest mit reinem Gewissen sagen, dass man es versucht hat. Doch ich glaube fest daran, dass unser Verhalten vom Partner gespiegelt wird und was wir geben, kommt irgendwann auch zurück.

Diesen Text möchte ich meinem Mann zu unserem Hochzeitstag widmen. Danke, dass es dich gibt.

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EIN ARTIKEL VON
  • Mirka Huber

    Ich bin Journalistin und seit 2016 Mama von einem Jungen. Seitdem ist mein Leben erfüllter denn je. Meine kleine Familie ist wie eine Ruheinsel, denn neben Beruf und Familie betreue ich noch eine Pfadfindergruppe. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit Lesen, in der Natur, mit Freunden oder Sport.



1 Kommentare
  • caroline.sucec@gmail.com, 16. Juni 2018, 12:42 Antworten

    Liebe Frau Huber, Ihr Artikel hat mir sehr gut gefallen, regt zum Nachdenken an und ist lesens- und empfehlenswert; deshalb würde ich gerne diesen Artikel mit anderen Menschen aus unserer Pfarre teilen - wenn Sie einverstanden sind - als Gastartikel in unserem Pfarrblatt "Der Emmausbote". Vielen Dank für Ihr Feedback. Herzliche Grüße, Caroline

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