28. Mai 2019

Was, wenn es mit dem Kinderwusch auf natürlich Weise nicht klappt?


Das am 4. Juni 2019 im Innsbrucker „Haus der Begegnung“ stattfindende Ethikforum stellt unter anderem eine provokante Frage im Kontext der christlichen Ehe: Was, wenn es mit dem Kinderwusch auf natürlich Weise nicht klappt?

Das Idealbild ist sicherlich bei den meisten christlich geprägten Menschen da: Man heiratet, ist glücklich, bekommt Kinder. Kinder sind, so legt es uns der Dichter Novalis ans Herz, sichtbar gewordene Liebe. Daraus resultiert auch der Umkehrschluss: Liebt man sich weniger, wenn es mit Kindern nicht klappt? Und: Was, wenn die Kirche das Zeugen von Kindern auf einem anderen als den „natürlichen“ Weg eher kritisch sieht? Ist dann auch das Modell der christlichen, kinderreichen Ehe in Gefahr?

Grundsätzlich hält die Kirche jedenfalls am Grundprinzip der natürlichen Zeugung als Ideal fest. Das bedeutet für Paare, die diese Lehre beim Wort nehmen wollen, oftmals eine Leidensgeschichte oder zumindest moralische Dilemmata. Hält man sich an die offizielle Lehrmeinung oder stellt das eigene Glück über diese?

Die Kirche als Begleiter?

Fakt ist: Alternative Methoden existieren, die Paaren den gehegten Kinderwusch erfüllen können. Die Medizin schreitet in dieser Hinsicht immer weiter voran. Welche Rolle nimmt die Kirche in diesem Kontext ein? Muss sie der moralische Mahner bleiben, der an Idealen festhält oder muss sie die Situation jeweils einzeln bewerten?

Papst Franziskus gibt uns diesbezüglich ein interessantes Denkwerkzeug in die Hand. Er meinte ja, dass es für die Kirche wichtig sei, an die Ränder zu gehen. Ist es also nicht Aufgabe der Kirche, sich der am Rand stehenden kinderlosen Ehepaare zu widmen und sie auf ihrem Weg zu begleiten?

Eine Frage der Moral

Neben dieser postaralen Frage stellen sich aber trotz allem noch die Fragen der moralischen Bewertung der neuen Methoden, die kinderlosen Paare womöglich zum Kinderglück verhelfen könnten. Es sind moralisch-ethische Fragen, über die Kirche und Paare zumindest diskutieren müssen.

Womöglich ist es aber auch so, dass das christliche Idealbild, dass Kinder zu einer Ehe gehören, erst das Unglück der kinderlosen Paare besiegeln. Wenn es ein Ideal gibt, dann erlebt man die Nichterfüllung des Ideals stets als Mangel.

Diese und vergleichbaren Fragen werden am 4. Juni 2019 in Innsbruck aufgeworfen. Menschen, die von dieser Situation selbst „betroffen“ sind oder Menschen, die sich schlicht und einfach mit dieser komplexen Frage auseinandersetzen wollen, sind bei diesem Forum sehr gut aufgehoben und dürfen auf anregende Gedanken zur Sache hoffen.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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