6. April 2019

Krisen – eine Chance für die Beziehung?


Unsere Kindheit, unsere Umwelt und die uns umgebenden gesellschaftlichen Normen prägen unsere Wert- und Glaubensvorstellungen nachhaltig. Das Leben als Familie stellt eine Partnerschaft oft vor tiefgreifende Herausforderungen – damit verbunden kommen of verborgene Erfahrungen und seelische Schmerzen an die Oberfläche. Wie geht man als Paar damit um, wie wird aus der Krise eine Chance für die Partnerschaft?

Wir alle sind in unseren Wert- und Glaubensvorstellungen geprägt durch unsere Kindheit, unsere Umwelt und gesellschaftliche Normen. Da der Mensch auch durch Nachahmung lernt, haben wir uns viele Dinge aus unserem unmittelbaren Umfeld zu Eigen gemacht. Dies spiegelt sich im täglichen Leben in vielfältiger Art und Weise wider, z. B. im Umgang mit Konflikten, in der Kommunikation… und wirkt sich somit auch auf unsere Beziehung zu unseren Mitmenschen aus.

Nicht immer haben wir positive Verhaltens- und Denkmuster in Bezug auf oben genannte Bereiche z. B. von unseren Eltern übernommen oder haben uns sogar gewisse Muster angeeignet, um uns in unserer Familie anzupassen bzw. gut durchzukommen und geliebt zu werden. Diese Muster tragen wir oft ein Leben lang in uns. Sie sind dann zu einem Teil von uns geworden.

Was hat dies alles nun mit unseren Konflikten zu tun?

Unsere Mitmenschen haben sozusagen unbewusst die Fähigkeit, genau diese Gefühle in uns zu triggern, die wir aus unserer Kindheit kennen. Heute, als erwachsene Menschen können wir das Erlebte aus unserer Kindheit nicht mehr ändern. Der Mensch ist jedoch ein lernendes Wesen. So können wir nun überprüfen, welche Verhaltens- und Denkmuster wirklich unsere eigenen und welche übernommen sind – und sie gegebenenfalls ändern.

Dies zu lernen, ermöglichen uns vor allem unsere Liebsten – unser Partner, aber auch unsere Kinder und andere Familienmitglieder. Sie können uns, weil sie uns gefühlsmäßig so nahe stehen, im tiefsten Inneren berühren und unsere wunden Punkte zum Vorschein bringen.

Gerade Konfliktsituationen und Krisen haben Zündstoff und das Feuer, also die Kraft, diese Punkte an die Oberfläche zu bringen. Und genau da liegt dieser große Schatz verborgen – unser wahres Selbst.

Man sagt nicht umsonst, dass uns unsere Mitmenschen etwas spiegeln…es dient uns dazu, uns selbst besser kennenzulernen. Und da wartet noch jede Menge in uns darauf, von uns entdeckt zu werden. Dadurch, dass diese Situationen bzw. Phasen oder Prozesse mit unangenehmen Gefühlen verbunden sind, ja sogar sehr schmerzhaft sein können, neigen wir dazu, diesen Teil in uns zu verdrängen bzw. zu leugnen.

Wenn wir jedoch den Mut haben, uns diesen unangenehmen Situationen, Gefühlen und dem abgespeicherten Schmerz zu stellen und beginnen, uns mit all‘ diesen ungeliebten Anteilen anzunehmen und auszusöhnen, können Wunder geschehen.

Wenden wir uns nun ganz bewusst dieser vermeintlich schwachen Seite von uns voller Hingabe zu und schenken ihr in Form von Reflexion Interesse, können wir vielleicht so manchen Bezug zu unserer Vergangenheit herstellen. Wir haben die Möglichkeit zu erkennen, dass sich dieser Schmerz, der heute von jemandem aus der Gegenwart ausgelöst wird, genauso anfühlt wie jener, den wir in unserer Kindheit in einer gewissen Situation oder Lebensphase kennenlernten.

Es ist also nicht mehr als eine Erinnerung an etwas, das uns damals verletzte und uns eine Schutzschicht oder Maske anlegen ließ, die heute gelüftet und abgelegt werden kann. Darunter verbirgt sich unsere ganze Kraft, unsere Einzigartigkeit. Wenn wir uns auf dieses Abenteuer einlassen, begegnen und verstehen wir uns nicht nur selbst besser, sondern verändern auch die Sicht auf unseren Partner und unsere Mitmenschen, die uns genauso wie wir, in ihrem einzigartigen Entwicklungsprozess begegnen.

So können wir uns selbst und andere lieben lernen. Jeder neue Tag schenkt uns ausreichend Möglichkeiten, unser neu erworbenes Wissen über uns selbst zu festigen, uns darin zu üben und es zu verinnerlichen. Das Leben ist ein ständiger Lernprozess, hin zu einer wachsenden Liebesfähigkeit.

Kinder – eine Herausforderung für die Partnerschaft

Krisen - eine Chance für die Beziehung? - meinefamilie.at

Meinen Partner und mich brachte die Geburt unserer Tochter von einem Tag auf den anderen in den wohl herausforderndsten Lernprozess unseres bisherigen Lebens. Diese Veränderung hatte eine so gewaltige Kraft, dass es so schien, als würden wir uns immer mehr voneinander entfernen und eine Trennung unumgänglich sei. Wir gaben sechs Jahre lang alles, haben alles versucht, um uns wieder aufeinander zuzubewegen. Letztendlich standen wir kraftlos, ratlos und innerlich leer da und wussten nicht mehr weiter.

Doch wir hatten Glück, denn genau an diesem Punkt der inneren Leere regte sich langsam eine neue Kraft, die uns wieder motivierte, an uns zu arbeiten. Wir erkannten, dass dieses „voneinander entfernen“ ein „auf sich selbst zurück geworfen werden“ war. Dieses Erkennen ermöglichte eine innere Arbeit bei zunächst einem von uns beiden, was aber zur Folge hatte, dass diese Veränderung des einen auch auf den Partner überging und somit eine positive Veränderung der Beziehung und wiederum in unserem Familienleben bewirkte. Wir begannen, unsere Bedürfnisse und unseren Schmerz anzunehmen, wir arbeiteten unermüdlich an uns und unserer Beziehung. Heute sind wir dankbar für diese gereifte Liebe, mit der wir uns begegnen. Sie schenkt uns neue Lebensenergie und macht uns glücklich.

Viele Paare kennen diese oder Ähnliche Situationen nach der Geburt ihrer Kinder. Um meine Erfahrungen und mein Wissen als Erwachsenenbildnerin mit Schwerpunkt auf Elternbildung an interessierte Paare weitergeben zu können, veranstalte ich am 4. und 5. Mai 2019 einen Workshop zu dem ich Sie herzlich einladen möchte:



EIN ARTIKEL VON
  • Cornelia Hrabak

    Ich bin Erwachsenenbildnerin mit Schwerpunkt Elternbildung i. A. und brenne für das Thema Partnerschaft, weil es ein schier unerschöpfliches, geheimnisvolles und spannendes Themengebiet ist.


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